Zitat des Tages Unter den Talaren

In den sechziger Jahren rebellierten Studenten gegen den Muff der Ordinarienuniversität. Inzwischen sind die altertümlichen Rituale zurück, bei Examensfeiern etwa trägt man wieder Talar. Ein Juraprofessor hält das für eine schöne Tradition, ein anderer für akademischen Mumpitz.


Legendärer Protest: 1967 störten die Studenten Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer eine Veranstaltung im Hamburger Audimax
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Legendärer Protest: 1967 störten die Studenten Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer eine Veranstaltung im Hamburger Audimax

"Eine stilvolle Feier, zu der auch Talare gehören können, bildet einen würdigen Studienabschluss - immer vorausgesetzt, dass die Teilnahme freiwillig ist. (...) Man muss deshalb nicht gleich eine unselige deutsche Vergangenheit heraufziehen sehen. Man kann das auch schlicht als Schauspiel begreifen, das nichts weiter signalisiert als institutionelle Kontinuität und würdige Markierung anerkennenswerter Leistungen auf Lebenswegen."

Jürgen Kohler, 49, Juraprofessor an der Universität Greifswald, auf einer Pro-und-contra-Seite im aktuellen Special "Chancen" der "Zeit" über Abschlussfeiern in Talaren. Nach der antiautoritären Studentenrevolte der späten sechziger Jahre schienen solche akademischen Symbole zertrümmert, kehrten in den letzten Jahren allerdings zurück - vor allem an ostdeutschen Hochschulen.

30 Jahre später: Albers und Behlmer marschierten durch die Institutionen, bis sie Juraprofessor und Staatsrat wurden
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30 Jahre später: Albers und Behlmer marschierten durch die Institutionen, bis sie Juraprofessor und Staatsrat wurden

"Talare sind mittelalterliche Berufsbekleidungen, die in Deutschland seit der Studentenbewegung von 1968 ihren Sinn verloren haben. (...) Das passt einfach nicht mehr in die deutsche Landschaft und wirkt jetzt nur noch komisch. Wenn Sie die jungen Leute an unseren Universitäten mit Talaren begrüßen, verfallen Sie einer Lächerlichkeit."

Uwe Wesel, 69, bis zum vergangenen Jahr Juraprofessor und Anfang der siebziger Jahre Vizepräsident der FU Berlin, ebenfalls in den "Zeit-Chancen". Wesel hält gar nichts von Roben und Barettchen, die von Professoren lange verschämt im Schrank versteckt wurden - für seinen Geschmack viel zu viel Pomp.







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