Zitate des Tages Die gedankliche Tiefe der Gebührenfans

Am Donnerstag gehen Studenten in mehreren Uni-Städten gegen Studiengebühren auf die Straße. Sie seien ahnungslos oder nicht ganz bei Trost, meinen manche Gebührenbefürworter - die RCDS-Vorsitzende zum Beispiel spricht den Demonstranten glatt die politische Mündigkeit ab.


Pro-Gebühren-Aktion (in Dresden): "90 Prozent keine Ahnung"
David Ausserhofer

Pro-Gebühren-Aktion (in Dresden): "90 Prozent keine Ahnung"

"Fünf Prozent der Studierenden sind für Studiengebühren, fünf Prozent sind dagegen - und 90 Prozent haben keine Ahnung. Die können argumentativ damit überhaupt nicht umgehen. Es ist doch supereinfach, auf die Straße zu gehen, weil man dagegen ist, 500 Euro zu bezahlen. Aber es ist viel schwerer zu formulieren, unter welchen Bedingungen welches Gebührenmodell funktionieren könnte."

Jens Bemme, 26, Student der Verkehrswirtschaft an der TU Dresden und Gründer der Studentenstiftung "unternehmen selbst!beteiligen", in einem Streitgespräch der "taz". Bemme ist Mitglied der Grünen und sammelte als Gebührenbefürworter Spenden der Dresdner Studenten für längere Öffnungszeiten der Bibliothek.

"Die Studierenden finden sich mit Studiengebühren ab, weil sie hoffen, dass es jetzt mal vorangeht. Sonst hätte es nach dem Urteil des Verfassungsgerichts zu Studiengebühren nicht nur vereinzelte Demonstrationen gegeben. (...) Ich wäre vorsichtig mit der gedanklichen Tiefe der Studis auf der Straße. Es ist für viele halt irgendwie schick, einmal im Studentenleben auf die Straße gegangen zu sein."

Dorlies Last, 24, Studentin an der Musikhochschule Weimar und Bundesvorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS).

Anti-Gebühren-Demo (letzte Woche in Hamburg): "Ein Viertel unter der Armutsgrenze"
DPA

Anti-Gebühren-Demo (letzte Woche in Hamburg): "Ein Viertel unter der Armutsgrenze"

"Das mag das Bild des RCDS sein. Ich habe eine politische Überzeugung, die Studis haben sie - und dafür werden wir demonstrieren. Ein Viertel der Studierenden muss schon jetzt mit weniger als 600 Euro auskommen, das heißt, sie leben unterhalb der Armutsgrenze. Bei Gebühren von nur 500 Euro pro Semester macht das 83 Euro mehr Belastung aus. Jeden Monat. Und es sind ja bereits Gebühren von bis zu 3000 Euro im Semester im Gespräch."

Steffen Krach, 25, Politikstudent an der FU Berlin, Vizepräsident des Deutschen Studentenwerks und Mitglied des SPD-Vorstands.




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