Wissenschafts-Agenda 2025 So soll es an den Unis weitergehen

Mehr Wettbewerb und neue Leuchttürme: In seinen "Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems" hat der Wissenschaftsrat die hochschulpolitische Marschrichtung für das kommende Jahrzehnt festgelegt. Größter Haken: Dafür braucht es jede Menge Geld.

Vorwärts: Wolfgang Marquardt, Wissenschaftsratsvorsitzender, fordert mehr Geld
DPA

Vorwärts: Wolfgang Marquardt, Wissenschaftsratsvorsitzender, fordert mehr Geld


Demografischer Wandel und internationaler Wettbewerb - auf diese beiden Entwicklungen muss das deutsche Hochschulwesen reagieren, findet der Wissenschaftsrat. Gemeint ist: Aktuell sind die Studenten in Deutschland jünger denn je, und es so viele wie noch nie. Doch die Entwicklung könnte sich in Zukunft umkehren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge die Hochschulen verlassen haben. Gleichzeitig wird die weltweite wissenschaftliche Konkurrenz immer stärker.

Um darauf zu reagieren, müssen sich die deutschen Hochschulen erneuern, und wie das geschehen soll, hat der Wissenschaftsrat nun in seinem Papier "Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems" skizziert. Das 117-Seiten-Dokument ist sperrig, aber durchaus bedeutend für die Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft, denn es kommt vom wichtigsten Beratungsgremium von Bund und Ländern in der Hochschul- und Forschungspolitik.

Das Papier war über Jahre teils kontrovers diskutiert worden, nun stellte der Wissenschaftsrat das Ergebnis zum Ende seiner Sommersitzung ins Netz: Herzstück soll demnach ein milliardenschwerer Zukunftspakt für Forschung und Lehre sein. Er soll die bestehenden Bund-Länder-Kooperationen ablösen, also den Hochschulpakt, den Pakt für Forschung und Innovation sowie die Exzellenzinitiative. Die bisherigen Pakte laufen in den nächsten Jahren aus. Bund und Länder sollen sich, so die Forderung, bereits 2014 auf den Zukunftspakt einigen, der bis 2025 laufen soll.

Entscheidend ist dabei aus Sicht des Wissenschaftsrates eine altbekannte Forderung: Die Grundfinanzierung der Hochschulen soll verbessert werden. "Wir können nicht immer mehr von der Wissenschaft erwarten, ohne entsprechend in sie zu investieren", sagte Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrates. Hochschulen und Forschungsorganisationen sollten künftig einen jährlichen "Aufwuchs deutlich über der Inflationsrate" erhalten. Angestrebt werde laut Marquardt eine gemeinsame Finanzierung, "die auch in Richtung Grundfinanzierung der Hochschulen gehen könnte". So sind seit 2002 die durchschnittlichen Grundmittel pro Absolvent massiv gesunken:

Entwicklung der Absolventenzahlen und der preisbereinigten Grundmittel je Absolvent/in (1992-2011)

Entwicklung der Absolventenzahlen und der preisbereinigten Grundmittel je Absolvent/in (1992-2011)

Zudem fordert das Gremium, die Karrierechancen und Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler zu verbessern. Potentielle Nachwuchswissenschaftler fänden heute in vielen Berufsfeldern bessere Bedingungen als in wissenschaftlichen Einrichtungen. Um mehr Nachwuchs zu gewinnen und mehr Wissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, müsse es eine bessere Vergütung geben, fordert der Wissenschaftsrat. Zudem sollte die Zahl der Professuren erheblich erhöht werden.

Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollen insgesamt stärker kooperieren. Unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft sollen Nachfolgeprogramme für die Förderung von Clustern und Graduiertenschulen der Exzellenzinitative entstehen. Jede Hochschulen soll aufgefordert werden, sich langfristig ein bestimmtes Profil in Forschung oder Lehre zu schaffen. In diesem Schwerpunkt soll die Hochschule besonders leistungsstark sein.

Die Profilbildung soll vor allem durch zwei Maßnahmen unterstützt werden: "Merian"-Professuren und "Liebig"-Zentren. Mindestens 200 bis 250 "Merian"-Professuren sollen in den kommenden zehn Jahren geschaffen und von Bund und Ländern gemeinsam mit jährlich etwa einer Million Euro ausgestattet werden. Zudem schlägt der Rat neue "Liebig"-Zentren vor. Diese sollen als eigenständige Einheiten neben den Fakultäten die Profilbildungen der jeweiligen Hochschule in den Bereichen Forschung, Lehre, Transfer und Infrastrukturleistungen unterstützen. Außerdem sollen die Hochschulen stärker zueinander in Wettbewerb um Forschungsmittel treten - so hatte es der Wissenschaftsratsvorsitzende Marquardt bereits nach der Frühjahrssitzung als Auftrag an die Hochschulen formuliert.

Aus Sicht der Grünen zu wenig Konkretes

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) begrüßte die Empfehlungen. Sie seien "ein zentraler Baustein, um unser Wissenschaftssystem zukunftsfest zu machen". Auch Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), lobt die Empfehlungen des Wissenschaftsrates: "Ein gelungenes Ensemble gut abgestimmter Maßnahmen, die das deutsche Wissenschaftssystem insgesamt stärken werden."

Aus Sicht der Grünen fehlt es noch an konkreten Vorschlägen. "Zu betonen, dass Bund und Länder in einer gemeinsamen Verantwortung für die Finanzierung des Wissenschaftssystems stehen, ist zwar richtig. Was fehlt, sind aber Vorschläge, wie hierbei eine tragfähige Lastenverteilung zwischen Bund und Ländern aussehen kann", sagt Kai Gehring, bildungs- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. "Dies auszuhandeln ist allerdings originäre Aufgabe der Politik und hätte den Wissenschaftsrat in seinen Strukturen offenkundig überfordert." Dem Wissenschaftsrat gehören Wissenschaftler sowie Wissenschaftsminister an.

Uni Potsdam passt auf
DPA

Uni Potsdam passt auf


Herr Professorin?

Noch immer gibt es weitaus weniger weibliche als männliche Profs. Doch zumindest in ihren Grundordnungen setzen einige Unis auf Geschlechtergerechtigkeit: In Potsdam und Leipzig heißt es darin jetzt "Präsidentin" und "Professorin" - gemeint sind damit Männer und Frauen. Das gefällt jedoch nicht allen.


lgr/dpa/AFP

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
ambulans 15.07.2013
1. herr
professorin (!) - wer sich mit so einem unsinn beschäftigt, hat wohl den letzten schuss definitiv nicht gehört. wie wärs stattdessen einmal mit arbeit an wichtigen inhalten?
marthaimschnee 15.07.2013
2.
Glückwunsch zur Produktion einer derartigen Menge heißer Luft, Herr Professorin! Wann ist die Beerdigung angesetzt? Denn das Hirn ist offensichtlich schon lange tot, wenn ihr keine anderen Probleme habt, als maskuline Wörter zu feminisieren!
einwerfer 15.07.2013
3. Genau !
Mehr Wettbewerb muss sein und die Hochschulen müssen unternehmerisch nach dem Prinzip des shareholdervalue geführt werden, damit die Träger der Hochschulen auch Gewinn machen und nicht immer nur reinbuttern müssen. Bei diesen Perspektiven werden wohl bald die Nobelpreise wieder im Dutzend an Deutschland fallen. Ironie aus
Newspeak 15.07.2013
4.
Ja, wir brauchen Leuchttürme...viel mehr Leuchttürme... ...wenn alle Unis Leuchttürme sind, dann stimmt es vielleicht auch wieder mit der Grundfinanzierung... ...und wenn nicht, dann sollte man sich fragen, ob es überhaupt Schiffe gibt, die von den Leuchttürmen profitieren. Mit dem vielen Geld werden doch vor allem hübsche Unineubauten bezahlt und Großgeräte, aber weder technisches Personal, das mit diesen umgehen kann, noch Nachwuchswissenschaftler...
az75 15.07.2013
5.
Zitat von sysopDPAMehr Wettbewerb und neue Leuchttürme: In seinen "Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystems" hat der Wissenschaftsrat die hochschulpolitische Marschrichtung für das kommende Jahrzehnt festgelegt. Größter Haken: Dafür braucht es jede Menge Geld. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/zukunftspakt-so-soll-es-an-deutschen-unis-weitergehen-a-911235.html
Gott, was für ein Unsinn.... ich bin selber Nachwuchswissenschaftler und das Problem ist NICHT die Bezahlung, sondern die Sicherheit. Es gibt an den Unis so gut wie keine festen Haushaltsstellen für Forschung mehr und so hangelt man sich mittels Drittmitteln vom einen Jahresvertrag zum Nächsten. Kein Wunder, dass also gerade die besten Talente sich liebend gerne mit unbefristeten Verträgen abwerben lassen, um auch mal in Richtung Familie und Sesshaftigkeit planen zu können; notfalls dann halt im Ausland.
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