Prozess gegen rechten Verschwörungstheoretiker Geleakte Textnachrichten bringen Alex Jones in Bedrängnis

Er gilt als Amerikas oberster Verschwörungstheoretiker, nun steht Alex Jones vor Gericht. Dort verrieten seine Anwälte wohl durch einen Fehler, wie einträglich sein Geschäft mit Hetze und Falschinformationen ist.
Alex Jones vor Gericht: »Es ist hundert Prozent real«

Alex Jones vor Gericht: »Es ist hundert Prozent real«

Foto: Briana Sanchez / REUTERS

Der rechte US-Moderator Alex Jones ist vor Gericht in Bedrängnis geraten, weil seine Verteidiger offenbar versehentlich seine persönlichen Nachrichten an die Anwälte der Gegenseite geschickt haben. Das berichtet unter anderem ein Journalist des US-Senders NBC , der den Prozess in Austin im US-Bundesstaat Texas beobachtet.

Auf einer Videoaufzeichnung aus dem Prozess  ist die spektakuläre Szene festgehalten, bei der Jones von den Anwälten der Kläger im Zeugenstand verhört wird: »Herr Jones, wussten Sie, dass Ihre Anwälte vor zwölf Tagen den Fehler gemacht haben, mir eine vollständige digitale Kopie Ihres Handys inklusive all Ihrer Nachrichten zu schicken?«, fragte der Anwalt am Mittwoch. Der Jurist vertritt die Eltern eines Kindes, das beim Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule ermordet wurde. Jones hatte den Amoklauf als Inszenierung bezeichnet.

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Aus den Textnachrichten soll hervorgehen, dass das von dem Medienmann gegründete verschwörungstheoretische Onlineportal an mehreren Tagen im Jahr 2018 jeweils mehr als 800.000 Dollar eingenommen hat. Das schilderte der Anwalt laut übereinstimmenden Medienberichten  in dem Prozess. Jones habe weder die Echtheit der Nachrichten noch die Höhe der Einnahmen bestritten, aber darauf verwiesen, dass die Gelder im Zusammenhang mit seiner Berichterstattung über die einflussreiche rechtskonservative CPAC-Konferenz stünden.

Der Moderator versuchte offenbar, sich im Prozess selbst als Opfer darzustellen. So behauptete er, mehrere Millionen Dollar durch die Sperrung auf YouTube, Facebook, Twitter und Apple verloren zu haben. Die Unternehmen hatten ihn 2018 wegen Verstößen gegen ihre Regeln von ihren jeweiligen Plattformen geworfen. Die Anwälte der Kläger hätten dagegen vor Gericht dargelegt, dass seine Einnahmen nach der Sperrung durch die großen US-Plattformen noch gestiegen seien, berichtete der NBC-Reporter Ben Collins auf Twitter . Laut »Wall Street Journal« sollen sich die Einnahmen im vergangenen Jahr auf 70 Millionen Dollar summiert haben.

Brisant ist auch: Die Textnachrichten stehen im Widerspruch zu vorherigen Aussagen von Jones vor Gericht. Der hatte behauptet, dass sie für den Prozess nicht von Belang seien und deshalb nicht offengelegt werden müssten, wie die »Texas Tribune« berichtet . Damit ist die Glaubwürdigkeit des Beklagten einmal mehr beschädigt, möglicherweise sorgen die Textnachrichten auch für neuen juristischen Ärger.

Jones hat über das von ihm gegründete Portal »Infowars« in der Vergangenheit immer wieder zu diversen Themen Verschwörungstheorien verbreitet – etwa, dass die US-Regierung an den Anschlägen am 11. September 2001 in New York beteiligt gewesen sei. Gleichzeitig bewirbt er vermeintliche Wunderheilmittel, die er über einen von ihm betriebenen Onlineshop verkauft. (Lesen Sie hier mehr über Alex Jones und seine Allianz mit dem US-Präsidenten Donald Trump.)

Eltern von Amoklauf-Opfern klagen gegen Jones

Vor Gericht steht Jones aktuell, weil die hinterbliebenen Eltern eines Sandy-Hook-Opfers von ihm eine Entschädigung in Höhe von 150 Millionen Dollar wegen der Folgen seiner Falschmeldungen fordern. Jones hatte den Amoklauf im Jahr 2012, bei dem ein 20-Jähriger 20 Kinder getötet hatte, unter anderem als »Ente« bezeichnet. Nun sagte er vor Gericht zu dem Massaker: »Es ist hundert Prozent real.« Der Anwalt des Verschwörungstheoretikers argumentierte, die Kläger hätten nicht beweisen können, dass die Worte seines Mandanten tatsächlich Schaden verursacht hätten.

Die Eltern mehrerer ermordeter Kinder hatten zuvor im Prozess geschildert, welche Auswirkungen die Behauptungen des 48-Jährigen gehabt hätten. Sie wurden jahrelang als Mitglieder einer vermeintlichen Verschwörung zur Einschränkung der Waffenfreiheit in den USA gebrandmarkt und im Internet und auf der Straße beschimpft. Ein Vater schilderte gar , dass Unbekannte auf sein Auto und sein Haus geschossen hätten.

Im Gerichtssaal versuchte Jones laut Berichten des NBC-Reporters Collins  die Hände der Eltern zu schütteln, womöglich mit dem Ziel, selbst besser dazustehen. Jones wiederholte in einem Gespräch mit der Mutter eines der getöteten Kinder, die er zuvor noch in einem Video als »autistisch« bezeichnet haben soll, die Behauptung, die Eltern würden mit »Fake-Videos« manipuliert.

hpp/tmk
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