Betrugsmasche mit Geheimlinks Amazon verklagt Influencerinnen nach Plagiat-Handel

Ein Trick hebelte die Prüfsoftware aus: Amazon hat mutmaßliche Betrüger verklagt, die Luxusplagiate wie Gucci-Sonnenbrillen und Dior-Handtaschen bei dem Onlinehändler beworben haben sollen.
Amazon-Logo an einem Laden in New York: Versteckte Fake-Luxusartikel im Angebot des Onlinehändlers

Amazon-Logo an einem Laden in New York: Versteckte Fake-Luxusartikel im Angebot des Onlinehändlers

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Nachgemachte Gucci-Gürtel und Dior-Handtaschen: Der Onlinehändler Amazon hat zwei Influencerinnen verklagt, die unerlaubt Markenplagiate beworben und verkauft haben sollen. Die Angeklagten sollen unter anderem auf TikTok, Instagram und eigenen Websites auf versteckte Fake-Luxusartikel im Amazon-Angebot verlinkt haben. 

Laut Anklageschrift werden neben den beiden Influencerinnen elf weitere Personen beschuldigt, Etikettenschwindel betrieben und irreführende Werbung geschaltet zu haben. "Zusammen haben sie eine ausgeklügelte Kampagne mit irreführenden Anzeigen gestartet, um die Fälschungserkennungs-Tools von Amazon auszuhebeln", heißt es in den Gerichtsdokumenten 

Die Websites und Profile der Influencerinnen waren am Freitag nicht erreichbar oder auf privat geschaltet. Für eine Stellungnahme waren die Beschuldigten nicht zu erreichen. 

Falsche Vorschaubilder bei Amazon

Da der Verkauf von Fälschungen auf Amazon verboten ist, haben die Trickbetrüger bei den Verkäufen der Plagiate offenbar auf eine ganz bestimmte Masche zurückgegriffen.

Auf ihren Social-Media-Profilen sollen die Influencerinnen verschiedene Produktbilder von Luxusplagiaten wie nachgemachten Gucci-Handtaschen verbreitet haben. Diese Plagiate sind meist billiger produziert als das Original, kosten aber nur einen Bruchteil. Zu den Werbebildern posteten die Influencerinnen einen Link zu Amazon – mit dem Warnhinweis, dass dort ein anderes Produkt angezeigt werde.

Wer auf den Link klickte, der kam auf eine Amazon-Seite, auf der ein ähnliches Produkt abgebildet war, aber eben nicht das Plagiat. Das irreführende Vorschaubild sollte die Kontrollmechanismen von Amazon täuschen: Nur die Nutzer, die über die entsprechenden Links auf die Seite gelotst worden waren, wussten, was wirklich geliefert wird.

Auf knapp 40 Seiten listen die Anwälte von Amazon auf, welche Fälschungen die Angeklagten verkauft haben sollen. Neben Sonnenbrillen und Armbändern hatten die mutmaßlichen Betrüger demnach vor allem Handtaschen und Geldbeutel im Angebot, die das Label Gucci imitieren.

Amazon appelliert an Social-Media-Plattformen

Das Bild für die Bestellung eines Gürtelplagiats bei Amazon beispielsweise zeigte den Testbestellern einen ganz gewöhnlichen schwarzen Gürtel mit silberner Schnalle an. Geliefert wurde den Amazon-Mitarbeitern aber schließlich ein Gürtel mit goldener Schnalle aus zwei gestapelten Gs, einem Markenzeichen von Gucci. Während das Plagiat für rund 50 Dollar verkauft wurde, kostet das Original etwa 400 Dollar.

Auch gefälschte Micky-Maus-Geldbeutel von Gucci sollen die Trickbetrüger beworben und verkauft haben. Die Börse kostet im Original fast 600 Dollar. Die gefälschte Version verkauften die Angeklagten für etwas mehr als 20 Dollar. Als Vorschaubild wählten sie gewöhnliche Ledergeldbeutel.

"Die Angeklagten haben dreist Fälschungen auf ihren Social-Media-Kanälen beworben und damit die Arbeit ehrlicher Influencer in Verruf gebracht", teilt Amazon-Anwältin Cristina Posa mit . Sie fordert die Betreiber von Social-Media-Plattformen auf, Nutzer zu kontrollieren und Maßnahmen einzuleiten, wenn Onlineplattformen illegales Verhalten erleichtern.

Allein im vergangenen Jahr hat Amazon nach eigenen Angaben mehr als 500 Millionen Dollar investiert, um zu verhindern, dass gefälschte Markenprodukte angeboten werden. Damit sollen Hersteller davor geschützt werden, dass ihre Produkte kopiert werden. Andererseits sollen Kunden nicht auf Kopien reinfallen, die als Markenware gekennzeichnet sind. Im Juni hatte Amazon eigens eine Abteilung gegründet, um Fälschern auf die Schliche zu kommen.

jbr
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