Herkunftsbezeichnung Apple drängt Zulieferer, »Made in Taiwan« zu verschleiern

Apple gilt wegen seiner Marktmacht und seines Reichtums eigentlich als unantastbar. Doch vor einem Machtkampf mit der chinesischen Führung schreckt der US-Computergigant zurück.
Apple-Store: Kontrollen als Druckmittel

Apple-Store: Kontrollen als Druckmittel

Foto: Mike Segar / REUTERS

Der amerikanische Computerkonzern Apple hat offenbar seine in Taiwan ansässigen Lieferanten aufgefordert, ihre Produkte als in China hergestellt zu kennzeichnen. So sollen Verzögerungen in den Lieferketten vermieden werden, die durch strenge oder schikanöse chinesische Zollinspektionen entstehen könnten. Experten vermuten, dass die chinesische Führung aus Verärgerung über den Taipeh-Besuch von Nancy Pelosi, der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, solche Kontrollen als Druckmittel einsetzt.

Wie die japanische Wirtschaftszeitung »Nikkei« berichtet, hat das Unternehmen seine Zulieferer auf der Insel gebeten, Komponenten, die für das chinesische Festland bestimmt sind, als »in Chinese Taipeh (oder Taiwan, China) hergestellt« zu kennzeichnen. Eine Kennzeichnung, nach der importierte Waren den Eindruck erwecken müssen, dass die Insel Teil der Volksrepublik China ist, ist eigentlich schon seit Langem Pflicht, wurde aber bislang nicht durchgesetzt.

Das Label »Made in Taiwan« kann unter diesen Umständen zu Verzögerungen, Bußgeldern und sogar zur Ablehnung einer ganzen Lieferung führen. Taiwan selbst verlangt, dass Exporte mit dem Herkunftsort gekennzeichnet werden: entweder mit dem Namen »Taiwan« oder dem offiziellen Namen des Landes »Republik China«.

Die Initiative Apples hat weltweit zu Kritik geführt. Die Freiheitsinitiative GreatFire etwa erinnerte daran, dass die Kalifornier in der Vergangenheit bereits mehrfach den Kotau vor der chinesischen Führung geübt hätten. So sei zum Beispiel die Taiwanflagge von Emoji-Tastaturen für Benutzer in China und Hongkong entfernt worden. Es sei wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Apple damit beginne, Apps zu entfernen, deren Name die Zeichen für Taiwan enthält, ohne die ›Provinz China‹ anzugeben, hieß es in einem Statement.

»Wir fürchten, dass Apples ›rote Linie‹ – also der Moment, in dem es heißt: ›Wir können nicht länger mit dem chinesischen Regime zusammenarbeiten‹, noch lange nicht erreicht ist«, erklärt GreatFire-Gründer Benjamin Ismail der britischen Nachrichtenwebsite Register.

Allerdings steht Apple auch unter großem Druck, die Präsentation des iPhone 14 steht kurz bevor. Jede Lieferverzögerung könnte sich unter diesen Umständen massiv auswirken. Probleme dieser Art haben dem Konzern in der jüngsten Zeit bereits zu schaffen gemacht. Laut dem Analysten Ming-Chi Kuo haben sie zu der Entscheidung geführt, die billigeren Nicht-Pro-Varianten des Telefons mit demselben Prozessor auszuliefern, der derzeit bereits in den iPhones 13 enthalten ist.

mik
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