3-D-Drucker Software ermöglicht Verschlüsselung von Druckvorlagen

Nicht alles, was sich mit einem 3-D-Drucker herstellen lässt, ist erwünscht und legal. Manche Objektvorlagen werden deshalb in Tauschbörsen vorsorglich gelöscht. Um das zu vermeiden, hat ein Designer eine Software entwickelt, die Entwürfe schützt - eine Art Verschlüsselung für Gegenstände.

Videoanleitung von "Disarming Corruptor": Eine Software verschlüsselt Objekt-Designs für den 3-D-Drucker durch Verzerrung

Videoanleitung von "Disarming Corruptor": Eine Software verschlüsselt Objekt-Designs für den 3-D-Drucker durch Verzerrung


3-D-Druck-Enthusiasten sammeln in öffentlichen Datei-Bibliotheken Vorlagen für druckbare Gegenstände. Die Tauschbörsen für solche Designs beinhalten aber immer häufiger auch geschützte Formen oder gar gefährliche Gegenstände. Spätestens seit der Debatte um druckbare Waffen oder auch Copyright-Verletzungen werden einige Designs in Tauschbörsen daher gezielt gelöscht.

Ein Designer hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Zensur zu umgehen und Objekte in für jeden sichtbaren, verzerrten und abstrakten Formen zu verbergen. Mit seiner Software "Disarming Corruptor", die er kostenlos zum Download anbietet, will er so die Verschlüsselung von Dateien für 3-D-Drucker komfortabel machen. Vor allem bleibt das Dateiformat erhalten, so dass sich die Vorlagen genauso hochladen und über Plattformen teilen lassen wie ohne den Schutz.

Der Künstler Matthew Plummer-Fernandez vom Goldsmith College's Interaction Research Studio der Londoner Universität kam erstmals auf die Idee, seine Design-Dateien zu schützen, als eine Produktionsfirma sich weigerte, einen seiner Entwürfe anzufertigen: Es gab ein Copyright-Problem mit seiner Figur. Als dann eine Tausch-Plattform im Rahmen der Debatte um gedruckte Waffen erstmals begann, auch verdächtige Inhalte ihrer Nutzer zu entfernen, sah er endgültig einen Bedarf für eine simple Verschlüsselungs-Software im 3-D-Bereich.

100 Billionen Möglichkeiten, wie das Objekt aussehen könnte

Dazu entwickelte er "Disarming Corruptor", ein Programm, das die in Gitternetzlinien gespeicherten Oberflächendaten eines Objektes so stark verzerrt, dass sie optisch nicht mehr erkennbar sind. Nur mit einem Code aus sieben Zahlen zwischen 0 und 100 lässt es sich wieder entzerren und danach in einem 3-D-Drucker ausdrucken und reproduzieren.

Theoretisch gibt es so 100 Billionen Möglichkeiten, wie das ursprüngliche, unverzerrte Objekt aussehen könnte. Da das Programm auch mehrmals auf Designs angewendet werden kann, sind auch doppelte und dreifache Verschlüsselungen denkbar.

Bühne, 04.02.2014

Viel München, kaum Berlin beim kommenden Theatertreffen, berichtet in der Welt Matthias Heine, der durch die teilnehmenden Inszenierungen führt und dabei ein Detail hervorhebt: "Auffällig ist, dass die Jury drei Neuanfänge in wichtigen deutschen Städten komplett ignoriert: Weder Köln, noch das Berliner Maxim-Gorki-Theater noch das Deutsche Schauspielhaus Hamburg wurden für einladungswürdig befunden." Patrick Wildermann greift im Tagesspiegel lakonisch auf Parallelen zu weiteren asymmetrischen Lagen im Berlin-Münchner Verhältnis zurück, um sich dann aber doch noch eine Handvoll Trost aus den Rippen zu schneiden: "Totale Isar-Dominanz, wie man sie vom FC Bayern kennt. Fast unheimlich. Berlin dagegen: Hertha-mäßig schwach vertreten ... [Doch] eine der vier eingeladenen Münchner Inszenierungen - 'Reise ans Ende der Nacht' von Louis-Ferdinand Céline - verantwortet Frank Castorf." In der SZ findet Christine Dössel die Auswahl - bei aller Freude über die vier Einladungen für München - "schade, mutlos und auch ein bisschen fade".

Weiteres: Trashpapst John Waters kommt für eine Theatertour nach Deutschland. Im Freitag steht er Jürgen Ziemer Rede und Antwort. Wobei man John Waters nicht nur lesen, sondern unbedingt erleben sollte.
Besprochen werden Kenneth MacMillans Choreografie "Anastasia" mit dem Ballett des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken (FAZ) und die Uraufführung der Stücke "Intensivtäter" von Paul Brodowsky und "Seattle" von Dirk Laucke am Theater Freiburg (FAZ, nachtkritik ).

Musik, 04.02.2014

Über dieses Album und seine Produktion sollte man eine Debatte führen, schlägt Jens Uthoff in der taz vor. Es geht um "Lektion III" von den DJs Den Sorte Skoles, das komplett aus - allerdings nicht lizenzierten - Samples besteht. Weshalb das Album nun als Download und Stream verschenkt wird: "Die Lizenzierung wollte das Duo laut Auskunft mit dem Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) pauschal regeln. Vergeblich. ... Das Einholen aller Copyrights - Track by Track - hätte das Projekt verhindert. In einem Interview mit dem Blog Nothing but hope and passion fordern Den Sorte Skole eine pauschale Abgabe und das verpflichtende Registrieren von Samples. Es ist wert, Lizenzierungsfragen und deren Vereinfachung am Beispiel des dänischen Duos zu diskutieren."



Weitere Artikel: Philipp Rhensius resümiert in der taz das Berliner CTM-Festival. Verena Fischer-Zernin und Matthias Gretzschel trauern in der Welt, Ulrich Amling im Tagesspiegel um den Dirigent Gerd Albrecht. In der Welt begutachtet Michael Pilz das neue, "auf hinreißende Art verwirrende" Video von Shakira und Rihanna.

Literatur, 04.02.2014

Das musste ja passieren: Katholik und Schriftsteller Matthias Matussek feiert seinen Springer-Einstand mit einem Porträt über Schriftsteller und Katholik Martin Mosebach. Gemeinsam leert man zwei Flaschen Wein, kommt auf katholische Sexualmoral zu sprechen und gibt einander Tipps für die Schreibstube. Wegen der Demonstrationen hessischer Dialektdetails verpasst Matussek schließlich seinen Zug.

Außerdem: In der Berliner Zeitung berichtet Jutta Harms ausführlich über das Internationale beim internationalen Comicfestival in Angoulême. In der NZZ setzt Christian Gasser den Schwerpunkt auf den "unbestrittenen Höhepunkt" in Angoulême, die Ausstellung "Tardi et la grande guerre". Wolfgang Schneider berichtet über eine vom British Council in Berlin veranstaltete Jubiläumstagung zum 450. Geburtstag Shakespeares (FAZ).

Besprochen werden u.a. Nathanael Wests neu übersetzter Roman "Der Tag der Heuschrecke" ( NZZ ) und Janet Frames Roman "Auf dem Maniototo" ( NZZ ).

Kunst, Ausstellungen, Architektur, 04.02.2014

Anne Katrin Feßler schreibt im Standard kurz über die Ausstellung "Places of Transition" im Wiener Museumsquartier, die konkrete, lokale Aspekte des globalen Wandels vorstellt: "Sich Grenzen zu öffnen, um dafür andere hinter sich zu schließen; auf diese sehr gängige Praxis der Abschottung verweist Vikenti Komitski mit seiner mobilen Pop-Up-Wall: Zwar haben sich Bulgaren den Arbeitsmarkt im EU-Raum erobert, wehren aber mit einem 30-Kilometer-Zaun nun den syrischen Flüchtlingstrom ab."

Außerdem: In der Berliner Zeitung liefert Nikolaus Bernau Hintergründe zur neuerlichen Diskussion über die Entwürfe für das Kulturforum Berlin heute Abend.

Film, 04.02.2014

Alle trauern um den überraschend gestorbenen Schauspieler Philip Seymour Hoffman. In der taz verabschiedet sich Sven von Reden von "einem der bedeutendsten US-Schauspieler seiner Generation", der - selten mit Hauptrollen gesegnet - auch in Nebenrollen zu brillieren wusste: "Im Zweifelsfall reichten ihm wenige Leinwandminuten, um im Gedächtnis zu bleiben." In der Welt sieht Dirk Peitz schon jetzt fassungslos eine tiefe Lücke im amerikanischen Kino klaffen - "Wer soll denn jetzt diese Figuren spielen, wegen denen so viele Filme dann doch Seele hatten, etwas zutiefst Menschliches, häufig Abgründiges, still Verzweifeltes, latent Hoffnungsloses?" - und empfiehlt dringend die Lektüre dieses Porträts von 2008 aus dem New York Times Magazine. Daniel Kothenschulte würdigt Hoffmans Spiel in der FR und sieht mit seinem Tod auch das gute amerikanische Kino näher an seinen Untergang gerückt: "Hoffmans Spezialität bestand darin, nicht einfach Menschen zu spielen, wie sie sind. Er spielte sie so, wie sie sich selbst spielen, wenn sie mehr sein wollen als sie sind. "Die Maßlosigkeit, das Schlingern, die sein Spiel charakterisierten, lagen wohl auch seinem eigenen Lebensentwurf zugrunde", schreibt Patrick Straumann in der NZZ.

Dylan Farrows neuerlich geäußerte Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen lassen Cristina Nord in der taz vor allem ratlos zurück: "Nichts ist erreicht, wenn man sich nun fragt, ob man noch Filme von Woody Allen gucken darf. Wer meint, er sei ein besserer Mensch, weil er auf 'Manhattan' oder 'Der Stadtneurotiker' verzichtet, macht es sich leicht. Ungleich schwieriger ist es anzuerkennen, dass einen die Geschichte, die Dylan Farrow auf der Website der New York Times vorträgt, traurig und ratlos macht. Wenn man daraus überhaupt einen Schluss ziehen möchte, dann vielleicht den, die eigene Fähigkeit zur Empathie besser auszubilden." In der Welt liefert Damir Fras Hintergründe.

Außerdem: Lars von Trier ist gewiss kein guter Mensch, aber "einer der interessantesten Regisseure der Gegenwart", schreibt Ekkehard Knörer in seinem Porträt des dänischen Autorenfilmers im Freitag. In der taz berichtet Isabella Reicher vom Filmfestival in Rotterdam. Besprochen werden das Remake von Paul Verhoevens Science-Fiction-Klassiker "RoboCop" ( Berliner Zeitung ), der ZDF-Fernsehfilm "Mein Mann, ein Mörder" ( Welt ) und Roger Michells neuer Film "Le Weekend" ( taz ).

Design und Mode, 04.02.2014

Auch bei uns ist er zurück: der Männerbart. Sogar in seiner wilhelminischen Form schmückt er derzeit diverse Models, die für schicke Label fotografiert werden. In The Atlantic erzählt Sean Trainor eine kleine Kulturgeschichte des Männerbarts seit dem 18. Jahrhundert. "Wie unzählig andere Geschichten ist auch diese voller Widersprüche. Sie beginnt mit weißen Amerikanern, die zur Zeit der Revolution rasieren als eine Angelegenheit von "Minderwertigen" betrachteten. Sie geht weiter mit schwarzen Unternehmern, die es in eine Quelle von Reichtum und Prestige verwandelten. Und sie schließt mit der Anerkennung des Bartes - einer aus der Verzweiflung geborenen Mode, die sich in ein Symbol männlicher Autorität und weißer Überlegenheit verwandelte."

Plummer-Fernandez hofft, dass ihm viele Nutzer folgen und verschlüsselte Designs hochladen werden, die mit seiner Software verzerrt sind. Jedoch sollten sich die Nutzer von "Disarming Corruptor" nicht darauf verlassen, dass sich die verschlüsselten Dateien mit normalen Mitteln und ausreichend Aufwand nicht wieder entzerren lassen.

Er gibt zu, dass seine Verschlüsselungssoftware noch in den Kinderschuhen steckt. Sie ist eher als einfaches Werkzeug gedacht. "Es ist derzeit noch Verschlüsselung auf dem Einstiegslevel",sagte er "Forbes". "Aber sollte ein Wettrüsten zwischen Hacktivisten und Kontrolleuren beginnen, ist es wichtig, den ersten Schritt getan zu haben." Er sieht seine Software als Anfang und legitimes Mittel zur Umgehung einen neuen Art von Zensur.

kpg

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
marthaimschnee 08.11.2013
1.
Dumm nur, daß dies völlig am propagierten Ziel vorbei geht. Denn die mutmaßlichen Rechtehalter schert es normal kein Stück, was hinter möglicherweise verschlüsselten Daten steckt, denen reicht eine Vermutung, die sich zB aus einem Namen oder Preview ergibt. Und irgendwas in der Art muß man parallel zum verschlüsselten Objekt schon liefern (und dazu den Schlüssel!), denn sonst könnte man ja gleich das Ergebnis eines Zufallsgenerators an den Drucker schicken!
murmel57 08.11.2013
2. TrueCrypt
Es geht um eine Oder mehrere Dateien, die mit onem Zahlencode gesichert sein sollen. Warum nimmt man da nicht ein bereits etabliertes Tool, das schon seit längerem verfügbar ist, und das vor allem als ziemlich sicher gilt?
snigger 08.11.2013
3. schutz ... wovor?
Zitat von sysopNicht alles, was sich mit einem 3-D-Drucker herstellen lässt, ist erwünscht und legal. Manche Objektvorlagen werden deshalb in Tauschbörsen vorsorglich gelöscht. Um das zu vermeiden, hat ein Designer eine Software entwickelt, die Entwürfe schützt - eine Art Verschlüsselung für Gegenstände. http://www.spiegel.de/netzwelt/apps/3-d-drucker-verschluesselung-durch-objektverzerrung-a-932064.html
ich sehe hier allerdings nicht den schutz vor zensur ... sondern eher das gegenteil. es wird auf ein eingebautes copyright hinauslaufen. beispiele dazu gibt es genug. (siehe bücher, software,musik und filme) und weil doch alle schreien ... 3-D-Druck wäre die industrialisierung von morgen, muss es bei gleichbleibenden sozialem system (und das ist hier der kapitalismus) darauf hinauslaufen, dass entwickler ihre arbeiten irgendwann schützen werden/müssen/können.
orthos 08.11.2013
4. Wunderbar
Dann sind "illegale Vorlagen" demnächst nicht mehr einfach zu erkennen, werden also aus den Tauschbörsen nicht mehr elöscht. Gefällt mir.
Sleeper_in_Metropolis 08.11.2013
5.
Zitat von murmel57Es geht um eine Oder mehrere Dateien, die mit onem Zahlencode gesichert sein sollen. Warum nimmt man da nicht ein bereits etabliertes Tool, das schon seit längerem verfügbar ist, und das vor allem als ziemlich sicher gilt?
Das frage ich mich auch. Ich habe zwar keine Ahnung von 3D-Druck, aber die Vorlagen werden ja auch nur Dateien sein, und Dateien zu Verschlüsseln sollte ja nun nicht so schwer sein.
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