Digitale Medizin Wie künstliche Intelligenz künftig den Job von Ärzten übernimmt

Digitale Diagnosen wie Brustkrebsfrüherkennung per KI-Software definieren den Arztberuf künftig neu. Dabei gibt es mindestens eine Herausforderung. Das und mehr im Newsletter.
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Liebe Leserin, lieber Leser,

das neue Jahr ist noch jung, hat aber schon die Medizinwelt aufgerüttelt: Google ist offenbar Radiologen überlegen, wenn es um die Erkennung von Brustkrebs geht. Die Befundung von Mammografien ist anstrengend, und es kann immer wieder zu Fehlern dabei kommen. Die künstliche Intelligenz des Konzerns aus Mountain View entwickelt selbst Diagnose-Strategien und überprüft diese ständig.

Google hat die Software an fast 29.000 Frauen getestet, die in den USA und in Großbritannien an der Brustkrebsfrüherkennung teilgenommen hatten. Die Ergebnisse waren beeindruckend, sie wurden in der renommierten Fachzeitschrift "Nature " publiziert. Vor allem waren die "falsch-positiven Befunde", also Fehlalarme, weit niedriger als bei konventionellen Untersuchungen durch Fachärzte.

Software verändert die Arbeit von Ärzten

Software verändert die Arbeit von Ärzten

Foto: Universal Images Group via Getty Images

Schon 2009 beschrieb der SPIEGEL  das Problem der Fehlerquote bei Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen und das damit verbundene Leid. Wenn 2000 Frauen zehn Jahre regelmäßig am Brustkrebs-Screening teilnehmen, hieß es da, sterbe am Ende eine Frau weniger an Brustkrebs. Was gut klingt, birgt aber ein Problem: Gleichzeitig erhielten 10 von den 2000 Frauen eine Brustkrebsbehandlung, obwohl sie gar keinen Brustkrebs hatten. Bei 200 der 2000 Frauen gibt es nämlich im Lauf von zehn Jahren mindestens einen Fehlalarm.

Arzt der Zukunft

Die künstliche Intelligenz arbeitet nun bei der "receiver operating characteristic", also der Wahrscheinlichkeit eines Fehlers, um 11,5 Prozentpunkte besser als der Mensch. Das kann die Zahl der rechtzeitig erkannten Brustkrebserkrankungen steigern und die der unnötigen Biopsien von verdächtigem Gewebe senken.

Was heißt das für die Ärzte? Radiologen werden sich perspektivisch mehr und mehr auf die Interventionsradiologie konzentrieren müssen - also bildgesteuerte Eingriffe - wenn Software ihren Job besser macht als sie selbst. In Formenerkennung werden ausgeklügelte Algorithmen zukünftig immer häufiger überlegen sein, auch wenn es zur Abschaffung des klassischen Radiologen noch dauern dürfte. Der Facharzt wird immer dann ein Problem bekommen, wenn die Diagnose der Software genauer ist als die des menschlichen Behandlers.

Das dürfte auch in anderen medizinischen Fachgebieten der Fall sein und zur Frage führen, ob der Mediziner der Zukunft noch Arzt sein wird. Doch mindestens ein Problem bleibt, heißt es in einem "Nature "-Editorial zur aktuellen Veröffentlichung in Sachen Brustkrebs: Kann Software erklären, warum sie ein Bild verdächtig findet? Derzeit wohl eher nicht. Wenn kein Tumor in der anschließenden Biopsie gefunden wurde, muss das der künstlichen Intelligenz beigebracht werden, um diese Erkenntnis für zukünftige Diagnosen der Software einbeziehen zu können. Lernt das System nicht dazu, könnte es seine Genauigkeit schnell verlieren und der Mensch würde schließlich wieder besser arbeiten.

Seltsame Digitalwelt: Stau in der Taxi-App

Silvester war die Nacht der Nächte für Taxifahrer. Auch bei FreeNow, besser bekannt unter dem alten Namen MyTaxi, brummte offenbar das Geschäft. In Hamburg war eine Vorbestellung schon um 19 Uhr herum kaum mehr möglich - stattdessen schlug die App bestimmte Uhrzeiten vor, von denen manche recht weit vom gewünschten Abholzeitpunkt abwichen. Gekommen ist der Fahrer dann trotzdem nicht. Doch schlimmer geht immer: Von zwei Uhr nachts an musste man eine Stunde nach einem Taxi auf der App suchen - kein Auto war verfügbar.

Warum sollte ein Fahrer auch ausgerechnet in dieser Nacht auf ein System setzen, das ihm eine Provision von sieben Prozent des Fahrpreises abverlangt. Das Geschäft liegt auf der Straße, dachten sich wohl viele. Dort konnte man dann übrigens einfach ein Taxi anhalten. Der Fahrer hatte weder Funk, noch Taxi-Apps auf seinem Smartphone. 300 Euro habe er in der Nacht schon eingefahren, erzählte der Mann.

App der Woche: "Typewise Keyboard"
getestet von Tobias Kirchner

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Wer kennt es nicht? Schnell noch eine Nachricht tippen, direkt abschicken - und die Nachricht ist voller Fehler. Für alle Schnellschreiber bietet die App "Typewise Keyboard" eine Lösung. Auf den ersten Blick sind vor allem die Buchstaben größer und etwas übersichtlicher angeordnet. Auch die Bedienung ist intuitiver. Mit Wischgesten wird zwischen Groß- und Kleinschreibung gewechselt oder Buchstaben werden wieder gelöscht. Außerdem gibt es verschiedene optische Anpassungsmöglichkeiten, beispielsweise einen Dark Mode. Berechtigung fordert die App auch keine, außer eine für die Vibration. In der kostenlosen Variante können schon einige sinnvolle Fähigkeiten genutzt werden - wer alles möchte, zahlt für ein Jahresabo knapp zehn Euro.

Kostenlose Version, mit In-App-Käufen, von icoaching: iOS , Android 

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Software-Fehler legt U-Bahnen in Hamburg lahm " (Deutsch, eine Leseminute)
    Sie sind seit 2012 im Einsatz, der Jahreswechsel zu 2020 hat aber zu Problemen geführt: Einige Züge der modernen U-Bahnreihe DT-5 wurden durch einen Softwarefehler beim Drehen am Endbahnhof zum Stillstand gebracht.

  • "The Age of A.I."  (Englisch, 35 Minuten)
    Die erste Folge der YouTube-Originals-Serie zu künstlicher Intelligenz und deren Möglichkeiten geht der Frage nach, wie lebendig KI ist und wo die Grenzen der Technologie liegen - und liegen sollten.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr,

Ihr Martin U. Müller

Foto: rawpixel on Unsplash

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