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Amp Me Diese App macht aus mehreren Smartphones ein Soundsystem

Mit einer Gratis-App schließt ein Start-up Smartphones, Tablets und Aktivlautsprecher zu drahtlosen Musiksystemen zusammen. Das funktioniert erstaunlich gut - und ermöglicht spontane Partys.

Martin-Luc Archambault und seine Kollegen machen Smartphones, Tablets und Bluetooth-Lautsprecher zu Partymaschinen. Mit ihrer App Amp Me schließen sie mehrere solcher Gadgets zu drahtlosen Musikanlagen zusammen, die Musik fehlerfrei synchron abspielen.

Dabei ist es egal, von welchen Herstellern die Geräte stammen und ob sie mit iOS oder Android laufen. Aus Aktivboxen und Bluetooth-Lautsprechern lässt sich so quasi im Handumdrehen eine mobile Musikanlage zusammenschalten. Auf der Hightechmesse CES in Las Vegas zeigen die Kanadier ihre Apps erstmals einer großen Öffentlichkeit.

Dabei erscheint es fast schon wie Zauberei, dass die App überhaupt funktioniert. Firmen wie Sonos haben haben jahrelang geforscht und entwickelt, bevor sie Lautsprecher auf den Markt bringen konnten, die drahtlos miteinander vernetzt sind und absolut synchron Musik abspielen können. Gelungen ist ihnen das nur, weil sie die Technik ihrer Geräte selbst herstellen und genau kontrollieren können, wie die Musik wiedergegeben wird.

Umso erstaunlicher ist, dass Amp Me tatsächlich funktioniert. Auf der CES zeigen die Kanadier einen virtuellen Zusammenschluss von rund 20 Android- und iOS-Smartphones und Tablets, die vollkommen synchron Musik abspielen.

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Kollektive Partybeschallung

Damit das klappt, müsse auf den Gadgets nur die kostenlose Amp-Me-App installiert sein, erklärt Firmengründer Archambault, alles andere erledige die App automatisch. Und tatsächlich: Nicht nur beim Ausprobieren auf dem Messestand der jungen Firma, sondern auch beim Ausprobieren mit den eigenen Smartphones funktioniert das System fehlerfrei und einfach.

Die Vorgehensweise ist schnell erklärt: Ein Teilnehmer fungiert als Gastgeber, sucht auf seinem Handy die Musik aus, die gespielt werden soll. Als Musikquellen stehen dazu die Musikbibliothek des Smartphones, YouTube und Soundcloud zur Verfügung. Sobald der erste Song läuft, können andere Teilnehmer der Party per App beitreten, die Musik wird dann auf allen Geräten synchron abgespielt. Bringt jeder Teilnehmer einen Aktivlautsprecher mit, lässt sich so schnell eine respektable Beschallung organisieren, beispielsweise für eine Feier im Park.

Das Netz muss schnell genug sein

Richtig gut funktioniert das System freilich nur, wenn es die Charakteristika der jeweiligen Handys und Lautsprecher kennt. Man habe deshalb die hundert meistverkauften Bluetooth-Lautsprecher auf Amazon bestellt und vermessen, sagt Archambault. Zu dieser Datenbank werden jetzt immer dann neue Einträge hinzugefügt, wenn ein neuer Nutzer einen Lautsprecher verwendet, den das System noch nicht kennt. Die nötigen Messungen nimmt die App selbst vor.

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CES in Las Vegas: Technikmesse im Wandel der Zeit

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Im Test mit den eigenen Handys funktioniert Amp Me auch tatsächlich zunächst hervorragend. Im chronisch langsamen WLAN des Hotels allerdings hatte die App Probleme, zwei Smartphones fehlerfrei miteinander in Einklang zu bringen, sie meldete, die Internetgeschwindigkeit sei dafür zu gering. Mit einem Schieberegler ließ sich der Zeitversatz zwischen den beiden Smartphones dann manuell und nach Gehör ausgleichen. Aber das dürfte eher die Ausnahme sein und der starken Belastung des Netzes zur Messezeit in Las Vegas geschuldet sein.

Vorläufig kostenlos

Genau wie die Qualität der Synchronisation hängt auch die Zahl der miteinander zusammenschaltbaren Geräte nur von der Leistungsfähigkeit des Netzes ab. In einem guten WLAN, so die Entwickler von Amp Me, könne man rund 50 Geräte miteinander verbinden. Und im LTE-Netz gebe es keine Obergrenze.

Umso erstaunlicher ist es, dass die App kein Geld kostet. Das werde zumindest für die kommenden zwölf Monate auch so bleiben, sagt Archambault. Schließlich müsse man mit Amp Me gar kein Geld verdienen. Insgesamt zehn Millionen Dollar haben Wagniskapitalgeber in das Start-up aus Montreal investiert. Erst wenn diese Finanzspritze verbraucht sei, müsse man einen Plan entwickelt haben, wie sich mit dem System Geld verdienen lasse.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort