Neue Android-Funktion »Kopf hoch« Handys warnen bald davor, mit dem Handy in der Hand zu laufen

Manche schauen ständig aufs Telefon, wenn sie zu Fuß unterwegs sind: Google will solche Nutzerinnen und Nutzer künftig vor sich selbst schützen – und damit auch vor Autos und Laternenpfählen.
Android-Funktion »Kopf hoch«: Bisher nur in einer Betaversion verfügbar

Android-Funktion »Kopf hoch«: Bisher nur in einer Betaversion verfügbar

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit Blick auf ihre Umsätze ist es Firmen wie Google eigentlich recht, wenn die Nutzerinnen und Nutzer möglichst viel Zeit mit ihren Geräten und Diensten verbringen. Seit einigen Jahren jedoch verbauen die Unternehmen in ihre Produkte auch Funktionen, denen sie Schlagworte wie Digital Wellbeing , digitales Wohlbefinden, zuordnen. Diese sollen Nutzerinnen und Nutzern dabei helfen, die eigene Handynutzung besser im Blick zu behalten, sodass sie sich zum Beispiel nicht von ihren Android-Handys und deren Apps mit ihren standardmäßig omnipräsenten Benachrichtigungen fremdgesteuert fühlen.

Bei einer anstehenden Neuerung in der Kategorie Digital Wellbeing scheint es Google nun aber ganz sinnvoll zu finden, wenn das Gerät Nutzerinnen und Nutzern sagt, was sie lieber nicht tun sollen. Beginnend mit der Betaversion des kommenden Android 12 alias Android S (der genaue Name wird erst bekannt gegeben) erhält das Mobilbetriebssystem eine Funktion namens »Kopf hoch«: Sie soll auf Wunsch gelegentlich dazu auffordern, das Smartphone nicht während des Gehens zu benutzen und sich auf die Umgebung zu konzentrieren.

Das könnte zum Beispiel mit Blick auf potenzielle Alltagsunfälle sinnvoll sein, etwa, falls man an Straßenkreuzungen oder in Fußgängerzonen üblicherweise mehr auf WhatsApp und »Candy Crush« als auf Autos, Passanten oder Laternenstangen achtet.

»Das bedeutet nicht, dass du in der Zwischenzeit nicht mehr aufpassen musst«

»Lass dich beim Gehen daran erinnern, nicht ständig auf das Smartphone zu schauen«, wird die Funktion im Menü eines dem SPIEGEL vorliegenden Pixel 4a (5G) beschrieben, auf dem die Betaversion bereits installiert ist. »Aber Vorsicht, das bedeutet nicht, dass du in der Zwischenzeit nicht mehr aufpassen musst.«

Einer der Ersten, der die neue Funktion auf seinem Pixel-Smartphone bemerkt hatte, war der Twitter-Nutzer Jay Prakash Kamat. Er postete auch einen Screenshot davon, wie man sich die Pushbenachrichtigungen vorstellen kann , die Nutzerinnen und Nutzer zum Wegstecken des Handys motivieren sollen.

Voraussetzung für den Einsatz von »Kopf hoch« ist eine Android-Berechtigung zum Thema »Körperliche Aktivitäten«, die es Google zufolge Apps ermöglicht , die Schrittzahl von Nutzerinnen und Nutzern »und weitere Informationen zu körperlichen Aktivitäten wie Gehen und Radfahren« abzurufen. Auf ihrer Basis will »Kopf hoch« erahnen können, ob man zu Fuß unterwegs ist. Ob die Nutzerinnen und Nutzer beim Laufen direkt aufs Smartphone schauen oder es nur mit aktiviertem Display in der Hand halten, spielt dagegen augenscheinlich keine Rolle. So sehr sollen die Nutzerinnen und Nutzer sich dann wohl doch nicht beobachtet fühlen.

Optional lässt sich aber noch der Standort für die Funktion freigeben, damit die Software auf diese Weise erkennen kann, ob jemand draußen unterwegs ist.

mbö
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