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24. Juli 2014, 14:16 Uhr

Minimal-Messenger

Bitte gib mir nur ein Wort

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Die absurd einfache App Yo hat nur eine Funktion: Sie verschickt das Wort "Yo" als Kurznachricht. Dennoch wurde sie millionenfach installiert. Nun kommt mit Hoi Konkurrenz aus der Schweiz: Was steckt hinter dem Trend "Nano Social"?

Die Smartphone-App Hoi ist brutal einfach oder einfach bescheuert, je nachdem, wen man fragt. Mit der App können Nutzer sich gegenseitig anstupsen. "Hoi", meldet das Telefon dann. Mit "Hoi" kann man antworten. Das war es auch schon. Und trotzdem ist Hoi vor allem eine ziemlich originalgetreue Kopie.

Das Original heißt Yo und war eigentlich als Aprilscherz gestartet. Der minimalistische Messenger wurde zum Überraschungserfolg: Mehr als zwei Millionen Mal wurde das kostenlose Yo schon installiert. Entwickler Or Arbel konnte von Investoren 1,5 Millionen Dollar einwerben. Yo!

Dann setzte ein Effekt ein, der spätestens seit dem Handyspiel "Flappy Bird" bekannt ist. Das Spiel basiert wie Yo auf einer einfachen Idee und lässt sich vergleichweise leicht nachbauen. Entwickler fluten deswegen die App-Stores von Apple und Google mit mehr oder weniger originellen Kopien, um vom Hype zu profitieren.

Moin für Hamburg, Ey für Berlin?

Nach Yo kamen Apps wie Oy und Ahoy. Fans der Serie "Game of Thrones" können Hodor nutzen. Die App verschickt und empfängt ausschließlich "Hodor", eine Hommage an den gleichnamigen Charakter, der kein anderes Wort außer seinem Namen stammeln kann.

Hoi ist der Yo-Klon für die Schweiz. Moritz Adler ist einer der fünf Entwickler, die neben ihrem eigentlichen Beruf innerhalb von drei Tagen eine Version für Android und eine für das Apple-System iOS programmiert haben. "Das Wort Yo haben wir zuletzt in den Neunzigerjahren auf MTV gehört. In der Schweiz benutzt das niemand", sagt Adler.

Weil man auf Schweizerdeutsch stattdessen Hoi sagt, haben Adler und seine Kumpel den Kopierer angeworfen und eine eigene App entwickelt. "Jetzt warten wir auf Investoren", sagt er und lacht. Außerdem seien weitere Regionalisierungen denkbar: Moin für Hamburg, Ey für Berlin, Servus für Süddeutschland.

Experimente mit Wetterradar

Das Prinzip der kontextabhängigen Stupsnachricht hat auch Facebook schon ausprobiert. Mit einem "Poke" konnten Nutzer ihre Zuneigung ausdrücken - oder jemanden nerven, je nachdem, wer da nun wen und wann wie oft angestupst hatte. Wohl auch, weil bei dieser Interaktion nur wenig auswertbare und vermarktbare Daten anfallen, ließ Facebook die Funktion aber wieder fallen.

Ohne zusätzliche Informationen ist ein "Yo", ein "Hoi" oder ein Poke nahezu nutzlos. Die flüchtigen Nachrichten sind damit auch eine Antwort auf die gigantischen Datenspeicher von Unternehmen, auf die es auch Geheimdienste abgesehen haben. Auch Snapchat fällt in diese Kategorie ephemerer Kommunikation, die App löscht übertragene Bilder umgehend wieder.

Auch Hoi hat sich der Privatsphäre verschrieben. Die App verzichtet darauf, das Adressbuch des Telefons zu durchsuchen, um automatisch Kontakt zu anderen Hoi-Nutzern aufzunehmen. Wer einen Kontakt hinzufügen will, muss den Namen kennen und in die App eintippen. Wer sich dabei verschreibt, schickt seine "Hoi"-Nachrichten ins Leere, ohne Fehlermeldung.

Kontext nicht Content

Alles nur ein Spaß? Völlig gaga findet Adler, der eigentlich als Produktmanager für eine Internetfirma in Zürich arbeitet, die Yo-App und ihre Klone nicht. Hoi haben in den ersten Wochen schon mehr als 4000 Nutzer installiert, die iOS-App ist jetzt erst erschienen. Das Team experimentiert gerade an der Einbindung eines Wetterradars. Hält sich ein Nutzer an einem Ort auf, an dem gleich ein Unwetter droht, könnte die App "Hoi" rufen.

Fußballclubs könnten die App nutzen, um ihre Fans zu informieren. Schickt der Club während eines laufenden Spiels ein "Hoi", könnte das bedeuten: Es ist ein Tor gefallen. "Es geht nur noch um den Kontext, nicht um Content", sagt Adler. "Schickt man der Liebsten ein 'Hoi', kann das heißen: Ich denke an dich. Oder aber auch: Hol mir ein Bier."

Ebenso wie das Original soll auch Hoi eine Programmierschnittstelle (API) bekommen, damit Entwickler eigene Funktionen anschließen können. Ein Buzzword hat Adler auch schon für den neuen Trend zum Mikro-Messenging mit kontextabhängiger Bedeutung: Nano Social. Er und sein Team finden: Das ist die Zukunft für Werbenachrichten, die direkt auf dem Sperrbildschirm des Smartphones landen. Das klingt dann schon weniger nach einem Spaß.

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