App Store Anti-iPhone-Spiel fürs iPhone verboten

Mit "Phone Story" stand kurzzeitig ein Apple-kritisches Handyspiel im App Store. Italienische Entwickler wollten damit auf die Bedingungen aufmerksam machen, unter denen iPhones angeblich hergestellt werden. Bald könnte die mittlerweile verbannte App für Android erscheinen.
Website des Spiels "Phone Story": Ein Logo weist auf den Rauswurf aus dem App Store hin.

Website des Spiels "Phone Story": Ein Logo weist auf den Rauswurf aus dem App Store hin.

Minenarbeiter antreiben, die aussehen wie Kinder. Selbstmordversuche von Fabrikangestellten mit einem Fangnetz stoppen. Giftigen Elektromüll sortieren. Auf bitterböse Art stellt die App "Phone Story"  mehrere Abschnitte des angeblichen iPhone-Produktionszyklus dar. Aus Apples App Store wurde das Programm wenige Stunden nach seiner offiziellen Ankündigung verbannt.

Nach Angaben der Entwickler begründet Apple den Rauswurf damit , dass das Spiel gegen mehrere Nutzungsbedinungen des App Stores verstößt. Argumentiert wird demnach unter anderem mit einer Richtlinie, die sich auf die Darstellung von Gewalt und Kindesmisshandlung bezieht. Apple wollte sich auf Anfrage nicht zu der Angelegenheit äußern.

Die Entwickler der App, Molleindustria , legen sich nicht zum ersten Mal spielerisch mit einem Großkonzern an. Unter anderem haben sie schon ein McDonald's-kritisches Computerspiel  veröffentlicht. Die Einnahmen, die "Phone Story" im App Store erzielt, wollte Molleindustria nach eigenen Angaben an Non-Profit-Organisationen spenden, die sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen einsetzen.

"Als ob das Gerät mit einem spricht"

Molleindustria-Gründer Paolo Pedercini hat die Verbannung des Spiels auf Gamasutra.com  kommentiert: "Ja, es ist viel schwarzer Humor und Gewalt im Spiel", zitiert ihn die Website. "Aber alles ist cartoon-artig und stilisiert - und so milder als in vielen anderen Spielen im App Store." Es sei ihm wichtig gewesen, das Spiel direkt auf der Plattform anzubieten, die es kritisiert: "So, als ob das Gerät direkt mit einem spricht."

Diese Idee des mahnenden Mobiltelefons wurde auch praktisch umgesetzt: Eine Erzählstimme kommentiert die insgesamt vier kurzen Spielsequenzen. In der ersten Sequenz überwacht der Spieler als Aufseher den Abbau des in vielen Handys verwendeten Erzes Coltan, der im Kongo stattfindet und umstritten ist. Anschließend soll der Spieler mit einem Fangnetz Arbeiter auffangen, die sich von einem Fabrikgebäude stürzen - eine Sequenz, die unmissverständlich auf Selbstmorde bei Foxconn anspielt, der chinesischen Firma, die die iPhones herstellt.

In der dritten Sequenz wirft der Spieler Handys auf herannahende Apple-Fans, die an Zombies erinnern. Erhalten sie kein Telefon, rennen sie gegen die Scheibe des Geschäfts, das übrigens eine Birne ziert. Die vierte und letzte Sequenz zeigt ein Fließband, auf dem giftiger Elektromüll fährt, der sortiert werden muss. Ausschnitte aus dem Spiel sind bei Dailymotion.com zu sehen.

Gamasutra.com zufolge beunruhigen Pedercini die Reaktionen anderer Softwarehersteller auf den Rauswurf der App. "Das einstimme Urteil vieler Entwickler lautete: 'Wow, es ist unglaublich, dass 'Phone Story' es überhaupt durch Apples Prüfsystem geschafft hat'", zitiert die Website Pedercini. "Für mich sind das Signale dafür, dass das System der Zensur voll akzeptiert wird."

Laut der "Phone Story"-Website  überlegt Molleindustria nun, eine entschärfte Version der App zu programmieren. Eine weitere Idee ist, das Spiel für Android- Betriebssysteme umzusetzen - auch wenn so mancher der Kritikpunkte wohl auch andere Smartphone-Hersteller betreffen dürfte.

mbö