App Store Apple lehnt 40 Prozent der Apps erst mal ab

Der iPhone-Konzern schwärmt von der Qualitätssicherung seines App Stores: Viele Apps mit Softwarefehlern oder Datenschutzrisiken würden abgelehnt. Das Selbstlob kommt nicht zufällig genau jetzt.

Apple-CEO Tim Cook spricht auf der WWDC 2018 vor Symbolen von Apps, die im App Store angeboten werden
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Apple-CEO Tim Cook spricht auf der WWDC 2018 vor Symbolen von Apps, die im App Store angeboten werden


Die Einstiegshürde scheint hoch zu liegen: Nach eigenen Angaben lehnt Apple 40 Prozent der von Entwicklern für den App Store eingereichten Apps zunächst ab. Der Hauptgrund seien kleinere Softwarefehler, gefolgt von Datenschutzbedenken, erklärte der iPhone-Konzern am Mittwoch.

Pro Woche würden rund 100.000 Apps mithilfe automatisierter Systeme und Hunderter Mitarbeiter geprüft. Alle Anwendungen, die Entwickler in Apples App Store veröffentlichen wollen, werden einer Prüfung unterzogen. Unter anderem soll so bösartige Software ausgesiebt werden.

Apples Geschäftsmodell mit dem App Store steht aktuell gleich auf zweifache Weise unter Druck. Der Musikstreaming-Marktführer Spotify reichte eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein und wirft Apple unfairen Wettbewerb vor. Der Grund: Spotify soll bei auf dem iPhone abgeschlossenen Abos 15 bis 30 Prozent an Apple abgeben, während der Konzern die Erlöse bei seinem Konkurrenzdienst Apple Music komplett behalten kann.

Zudem läuft in den USA eine Klage, in der Verbraucher fordern, Apple müsse sie Anwendungen auch aus anderen Quellen als dem eigenen App Store auf ihren iPhones installieren lassen. Der Konzern hat solchen Forderungen bisher stets eine klare Absage erteilt.

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Auf einer am Mittwoch veröffentlichten neuen Website zum App Store geht Apple nicht direkt auf diese Vorwürfe ein, versucht aber, seine Gegenargumente zu untermauern. So verweist der Konzern darauf, dass 84 Prozent der im App Store verfügbaren Apps kostenlos seien, was bedeute, dass auch deren Entwickler nichts an Apple bezahlen müssten. Außerdem würden die Kontrollen im App Store dafür sorgen, dass Nutzer vor potenziell gefährlichen Apps geschützt würden.

Zudem listet Apple Konkurrenz-Apps auf, die mit eigenen Angeboten des Konzerns zum Beispiel bei Karten-, Chat- oder E-Mail-Diensten konkurrieren.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der neuen App-Store-Website ist kein Zufall. Kommende Woche findet vom 3. bis zum 7. Juni im kalifornischen San Jose Apples jährliche Entwicklerkonferenz WWDC statt. Die App-Richtlinien und Prüfprozesse des Konzerns dürften für die dorthin reisenden Entwickler wichtige Themen sein.

mak/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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spon-facebook-1458183583 29.05.2019
1. Ein Grund
sich ein iPhone zu kaufen, ist die Sicherheit, die ich durch den App-Store habe, keinen virenverseuchten Schrott auf mein iPhone zu laden. Wer unbedingt Fremdsoftware laden möchte, kann sich ja ein Android Smartphone zulegen.
quark2@mailinator.com 29.05.2019
2.
Egal was es bringt, ich bin absolut dagegen, daß Konzerne entscheiden, was läuft, egal ob nun als App oder im Forum. Man stelle sich eine Welt vor, in welcher ein einziger Medienkonzern, egal ob nun Amazon, Apple oder sonstwer via Kontrolle über die Hardware entscheidet, wer wir kommuniziert und was gesagt werden darf. Dies unterwandert potentiell die ganze Demokratie. Und nein, ich denke nicht, daß dies zu dramatisch gesagt ist. Ich verzichte lieber auf Online-Banking und gehe wieder in die Filiale, als hinzunehmen, daß ich mir für mein Phone und das meiner Kumpels keine App programmieren und diese völlig ohne jemanden zu fragen auch installieren kann.
Furchensumpf 29.05.2019
3.
Zitat von quark2@mailinator.comEgal was es bringt, ich bin absolut dagegen, daß Konzerne entscheiden, was läuft, egal ob nun als App oder im Forum. Man stelle sich eine Welt vor, in welcher ein einziger Medienkonzern, egal ob nun Amazon, Apple oder sonstwer via Kontrolle über die Hardware entscheidet, wer wir kommuniziert und was gesagt werden darf. Dies unterwandert potentiell die ganze Demokratie. Und nein, ich denke nicht, daß dies zu dramatisch gesagt ist. Ich verzichte lieber auf Online-Banking und gehe wieder in die Filiale, als hinzunehmen, daß ich mir für mein Phone und das meiner Kumpels keine App programmieren und diese völlig ohne jemanden zu fragen auch installieren kann.
Das muss man gar nicht so weit gehen: Amazon hat letztens auf mehreren seiner Fire-Tablets die App "LauncherHijack" nicht nur gesperrt, sondern auch von den Geräten gelöscht. Diese sorgt lediglich dafür, dass bei Nutzung des Home-Buttons ein alternativer Launcher und nicht die Amazon-eigene Oberfläche aufgerufen wird. Gebracht hat es aber nichts, die Sperrung kann nur anhand der ID erfolgen - neu kompiliert und schon funktioniert das ganze wieder.
noerglerfritz 29.05.2019
4. Stimmt so nicht
Zitat aus dem Artikel: "[...], was bedeute, dass auch deren Entwickler nichts an Apple bezahlen müssten." Das ist falsch. Jeder, der seine App in den AppStore bringen will, muss ca. 100 Dollar pro Jahr zahlen. Wucher und typisch Apple! Ich habe neulich eine kleine iOS-App gecodet und musste am Ende tief schlucken. Natürlich zahle ich keine 100$ pro Jahr. Lerne jetzt, wie man Android-Apps macht. Java anstatt von Swift. Da kenne ich mich eh besser aus...
sven2016 29.05.2019
5. Kostenlose Apps beinhaltet auch
die inzwischen unvermeidbaren Gratis-App mit "der Möglichkeit zu in-app-Käufen". Auch davon zieht sich Apple seine Provision ab. Gerade bei Spielen kommt nett etwas zusammen. Andere Apps sind quasi shareware-Versionen ohne viel Nutzen, es sei denn, man upgraded (kostenpflichtig).
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