Außergerichtliche Einigung Apple macht App-Entwicklern kleine Zugeständnisse

Vielleicht gehen Apple bald einige Provisionen verloren: App-Anbieter sollen künftig alternative Bezahlwege zu Apples eigenem System anpreisen dürfen – der Konzern will damit einen Streit mit US-Entwicklern beenden.
Apple-Chef Tim Cook bei einer Produktpräsentation. Der App Store ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren von iPhone und iPad

Apple-Chef Tim Cook bei einer Produktpräsentation. Der App Store ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren von iPhone und iPad

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Marcio Jose Sanchez/ AP

Apple hat sich im Streit mit US-Entwicklern über seine Rolle beim App-Vertrieb auf dem iPhone und iPad außergerichtlich auf einige Kompromisse geeinigt. Mit dem Entgegenkommen in der hitzig geführten Debatte soll eine Sammelklage von US-Entwicklern beendet werden. Ihre zentrale Forderung konnten die Entwickler allerdings nicht durchsetzen.

Wie das Unternehmen mitteilte , räumt es in dem Vergleich den Entwicklern in aller Welt künftig die Möglichkeit ein, App-Nutzerinnen und -Nutzer gezielt über Abo-Bezahlmethoden außerhalb des App Stores zu informieren. Mit solchen alternativen Zahlungswegen können die Entwickler die übliche Provision an Apple in Höhe von 30 Prozent – bei kleineren Anbietern 15 Prozent – umgehen.

Die Informationen über die Alternativen dürfen sie jedoch nicht innerhalb der iOS-App selbst teilen. Stattdessen müssen sie ihre Kundschaft außerhalb ihrer App informieren – beispielsweise per E-Mail. Immerhin: Die E-Mail-Adressen dürfen die Entwickler auch über ihre App bekommen, sie müssen dort aber auch die Einwilligung für die Kontaktaufnahmen einholen. Für einen der Kläger ist das nach Angaben der Nachrichtenagentur AP ein »game changer«: Die Entwickler werden seiner Ansicht nach häufig Gebrauch davon machen, um die Apple-Gebühren zu vermeiden.

Die eigentliche Frage ist die nach alternativen App Stores

Die außergerichtliche Einigung nimmt vorweg, was außerhalb der USA auf Apple zukommt. In Südkorea steht ein Gesetz  vor der Verabschiedung, mit dem Apple (und Google) untersagt würde, In-App-Käufe nur über das hauseigene Bezahlsystem zuzulassen. Die EU-Kommission will mit dem Digital Markets Act sogar erreichen, dass Apple auch alternative App-Stores zulassen muss.

Auch die US-Sammelkläger hatten das gefordert, doch konnten sich damit in den Vergleichsverhandlungen nicht durchsetzen. Das Unternehmen muss, sofern der Vergleich vom Gericht bestätigt wird, weder weitere App-Stores auf das iPhone lassen, noch seine Umsatzbeteiligung reduzieren.

Mit einer separaten Klage will die Spielefirma Epic ebenfalls erreichen, dass sie und andere Anbieter eigene App Stores auf dem iPhone an Apple vorbei betreiben können. Der Prozess, in dem in einigen Wochen das Urteil fallen dürfte, wird von derselben Richterin geleitet, die auch dem Vergleich mit den Entwicklern zustimmen muss.

Neben der neuen Informationserlaubnis kam Apple den Klägern auch bei der Freiheit der Preisgestaltung entgegen: Das Unternehmen erhöht die Anzahl der vordefinierten Preispunkte, die Entwickler für Abonnements, In-App-Käufe und kostenpflichtige Apps festlegen können, von weniger als 100 auf mehr als 500. Die zum Jahreswechsel eingeführte Halbierung der Provision für Apple auf 15 Prozent für App-Anbieter, die weniger als eine Million Dollar im Jahr einnehmen, soll noch mindestens drei Jahre weiterlaufen. An die an der Sammelklage beteiligten kleineren Entwickler will Apple zudem insgesamt bis zu 100 Millionen Dollar verteilen, wobei die einzelnen Entwickler maximal 30.000 Dollar bekommen sollen.

pbe/dpa/AP
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