iPhone App Store Apple blockiert Info-App zu US-Drohnenangriffen

Apple sperrt eine iPhone-App aus, die zeigt, wo US-Drohnen in Afghanistan angegriffen haben. Dreimal haben die Apple-Zensoren das Programm Drone+ abgelehnt, berichtet der Entwickler. Mal war es "nicht hilfreich" genug, mal galt es als "anstößig".
App Drone+: Das iPhone-Programm verortet die Angriffe von US-Drohnen

App Drone+: Das iPhone-Programm verortet die Angriffe von US-Drohnen

Das iPhone vibriert, die Nachricht erscheint auf dem Bildschirm: "Eine US-Drohne hat in Afghanistan sieben Menschen getötet". Man öffnet die Meldung und sieht dann auf einer Landkarte, wo der Angriff stattgefunden hat. So soll die iPhone-App des New Yorker Studenten Josh Begley  funktionieren. Begley präsentiert die App in einem Video, denn installieren kann niemand das Programm "Drone+". Apple hat Begleys Programm abgelehnt, es wird nicht über den App Store verfügbar sein. Das US-Magazin "Wired" berichtet, dass   Apple das Programm bereits drei Mal innerhalb eines Monats zurückgewiesen hat.

Ein Programm, das zeigt, wo Menschen sterben und wo US-Drohnen angreifen - wie kann das gegen Apples Hausregeln verstoßen?

Laut Begley hat Apple bei jeder Ablehnung andere Gründe angegeben. Bei der ersten Absage hieß es noch, die App sei "nicht hilfreich" bzw. "nicht unterhaltsam genug" . In der zweiten Begründung wurden markenrechtliche Gründe angeführt. Konkret ging es um das Google-Logo, das innerhalb der Karte angezeigt wurde. Und nun, beim dritten Mal, variiert die Begründung erneut: "Wir finden, dass Ihre App Informationen enthält, die von vielen Nutzern als anstößig empfunden werden könnten". Und das verstoße gegen die Richtlinien des App-Stores. Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels hat Apple nicht auf Fragen von SPIEGEL ONLINE zu Drone+ geantwortet.

"Anstößig" fanden Apples App-Zensoren in den vergangenen Jahren so einiges:

  • eine App namens "My Shoe", in der man mit Schuhen nach George W. Bush wirft
  • das Programm "Me so holy", mit dem man aus beliebigen Porträtfotos ein Heiligenbild konstruieren kann
  • eine App mit Werken des politischen Karikaturisten Mark Fiore. Seine "NewsToons"-App wurde erst nicht zugelassen, weil sie laut Apple Inhalte enthielt, "die Figuren des öffentlichen Lebens der Lächerlichkeit preisgibt".

Religionskritik und allzu politischer Humor müssen bei Apple also draußen bleiben, aber warum Protokolle von US-Drohenangriffen? Gewaltdarstellung kann wohl kaum ein Grund sein, die App zeigt keine Fotos, nur Textnachrichten und Landkarten mit Pfeilen, wie in diesem Einführungsvideo zu sehen  ist. Drone+ aggregiert Daten, die vom "Bureau of Investigative Journalism ", einer Initiative von Journalisten, veröffentlicht werden. Zusätzlich werden noch Medienberichte eingeblendet, gegen wen die Angriffe gerichtet waren.

Gegenüber "Wired" sagte Begley, ihm gehe es darum, die Nutzer aufzurütteln für die Art des Krieges, die von den USA nun geführt wird. Nach drei gescheiterten Versuchen überlegt er nun, Drone+ für Android zu programmieren.

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