Apples Updates Neue Software macht alte Hardware haltbarer

Updates, Updates, Updates - und sie laufen auch auf alten Geräten. Wer seinem iPhone, iPad oder MacBook noch etwas die Treue halten will, kann sich über die Software-Neuheiten freuen, die Apple jetzt präsentiert hat.

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Aus San Francisco berichtet


130 Minuten: So lange dauerte Apples Keynote am Montagabend. Es ist ein neuer Rekord für die Veranstaltung. Doch Langeweile hatte es in den mehr als zwei Stunden nicht gegeben, bevor Konzernchef Tim Cook von der Bühne ging. Unermüdlich hatten die Top-Manager des Unternehmens neue Funktionen ihrer Software vorgestellt. Anders als sonst wurden aber kaum Funktionen live vorgeführt, einen Show-Act gab es nicht.

Auch ein roter Faden schien auf den ersten Blick zu fehlen. Doch er war nur nicht so offensichtlich in Apples Show eingewoben, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Neben all den vielen Details, den Kleinigkeiten, den nützlichen und unterhaltsamen Neuerungen, sind es drei Dinge, die Apples Ankündigungen vom Montagabend auszeichnen.

Apple öffnet sich

Eine der großen Stärken von Apple ist es seit jeher, dass der Konzern alles aus einer Hand macht. So können Hardware und Software optimal aufeinander abgestimmt werden. Das war lange gut und ist es in Teilen auch heute noch. Doch in Zeiten sozialer Netze und hochspezialisierter Apps, die von Millionen Menschen genutzt werden, muss der Konzern die Angebote von Dritten in seine Software integrieren, um erfolgreich sein zu können.

Genau das scheint jetzt zu geschehen. Egal ob es um die TV-Box Apple TV, das Kartenprogramm Apple Maps oder Siri geht: Mit den für den Herbst angekündigten Updates der Betriebssysteme iOS, macOS, watchOS und tvOS gibt Apple Softwareentwicklern endlich Zugriff auf viele seiner Kronjuwelen.

Apps können damit künftig direkt die künstliche Intelligenz ausnutzen, die hinter Siri steht, Entwickler können ihre Angebote direkt in Apple Maps nutzbar machen, das Zusammenspiel von Apple-Software mit der von externen Firmen könnte leichter werden. Auf der WWDC wurden einige Beispiele gezeigt, was das für die Zukunft bedeuten kann.

Etwa wenn man sich selbst auf Apple Maps lokalisiert und dann ein Taxi ruft, ohne die Karten-App zu verlassen. Oder wenn man in einem Auto Apples CarPlay-Technologie nicht mehr nur nutzen kann, um Musik zu hören, zu telefonieren oder zu navigieren, sondern, um beispielsweise die Klimaanlage per Sprache zu steuern oder die Sitzheizung anzuschalten.

Apple könnte einen ähnlichen Sogeffekt erzeugen, wie ihn der App Store seinerzeit hatte. So wie damals die Verfügbarkeit vieler guter Apps die Attraktivität des iPhones erhöhte, könnten quasi in das Betriebssystem integrierte Funktionen von Drittanbietern iPhones und iMacs attraktiver für neue Kunden machen. Bei Amazons Heimsteuerungsgerät Echo hat das schon funktioniert. Seine Nutzer lieben es unter anderem deswegen so sehr, weil es bereits mehr als 1000 Funktionen von externen Anbietern beherrscht.

Mehr mit Sprache steuern

Die zweite große Neuerung ist die Erweiterung von Siris Fähigkeiten. Zum einen ist die Sprachsteuerung mit dem neuen macOS Sierra auch auf iMacs und MacBooks nutzbar. Damit reißt Apple eine Barriere ein, die die Welten von iPad und iPhones bisher von Apple-Desktop-Computern getrennt hat. Wer an seinem iPhone bisher schon mit Sprachbefehlen Funktionen aktiviert oder Antworten gesucht hat, kann das jetzt auch am Mac.

In Chats kann die Software jetzt außerdem Informationen aus verschiedenen Datenquellen auswerten, um selbstständig passende Antworten auf neue Chatbeiträge vorzuschlagen. Dafür muss man der Software aber weitgehende Rechte einräumen. Sie muss beispielsweise auf den Standort, den Kalender und das Adressbuch zugreifen können, um auf eine Terminanfrage reagieren zu können. Wenn man das zulässt, könnte einem das jedoch auch viel Arbeit und Sucherei abnehmen.

Mehr austauschen, länger laufen lassen

Eine nur kurz erwähnte Funktion könnte Anwendern, die unterschiedliche Apple-Geräte nutzen, das Leben deutlich erleichtern: die universelle Zwischenablage. Im Grunde verlagert Apple die Zwischenablage dafür vom Arbeitsspeicher in die Cloud. Was auch immer man dann von einem Gerät aufs andere übertragen will, lässt sich dann per copy & paste übertragen. Ein Foto, das man gerade mit dem iPhone geschossen hat, ließe sich auf diese Weise ohne Kabelverbindung und ohne sonstige Hilfsmittel einfach in eine Präsentation auf dem Computer einsetzen. Die einzige Voraussetzung ist ein funktionierendes Netzwerk.

Den Reiz der am Montag angekündigten Updates macht vor allem ein Faktor aus: Sie sollen auch auf vergleichsweise alter Hardware noch laufen. Auf diese Weise können auch ältere Geräte wie ein iPhone 5 oder ein iPad Air noch einmal aufgefrischt werden. So können die Geräte zumindest bis zum nächsten großen Update mit neuem Funktionsumfang und aktuellen Sicherheits-Updates genutzt werden.

Lesetipp zur WWDC 2016


insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
Karl Hungus 14.06.2016
1. Zwischenablage in der Cloud
Ja genau schaufelt mal alle Eure Daten in die Cloud.
dt1011047 14.06.2016
2. Leistungsstarke Mac Pros nicht mehr unterstützt :(
Mein Hauptrechner ist ein 8 Core Mac Pro von 2008, den ich mit USB 3, schnellerer Grafikkarte und SSD und weiteren 6 Laufwerken aufgerüstet habe. Der ist immer noch sehr leistungsfähig - mein 2013er iMac steht dafür nur in der Ecke ungenutzt herum. Aber macOS 10.12 will den Mac Pro nicht mehr unterstützen. Das ist eine grosse Enttäuschung, denn in mancher Hinsicht kann der mehr als neuere Macs.
globalundnichtanders 14.06.2016
3. Und schon der nächste
Werbeartikel für Apple. Rechnen wir noch mit 2-10 weiteren, der Tag ist ja noch jung...
jwe76 14.06.2016
4. iOS 10 nicht für ältere iPads
Anders als im Artikel angegeben wird iOS 10 nicht auf älteren iPads wie dem iPad 2 laufen. Apple hat den Fehler mittlerweile auf der Website korrigiert.
Frank_Heckert 14.06.2016
5. Wirklich auch das iPad 2?
... ich glaube nicht!
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