Vor dem »Fortnite«-Urteil Apples Trippelschritt zu mehr Abo-Optionen

Apple verdient zu gut an Provisionen für Abos, um seinen App Store freiwillig zu öffnen. Unter dem Druck von Regulierern und Entwicklern ändert sich das nun langsam – demnächst vielleicht grundsätzlich.
iPhone-Apps

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Foto: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Im Dauerstreit über die finanziellen Rahmenbedingungen im App Store kommt Apple den Anbietern von Apps zum zweiten Mal innerhalb eine Woche entgegen. Das Unternehmen hat sich mit der Japan Fair Trade Commission (JFTC) geeinigt, die Apples App-Store-Praktiken fünf Jahre lang untersucht hat: Künftig können Anbieter wie Netflix, Amazon und Spotify, aber auch Medienverlage und E-Book-Anbieter in ihren jeweiligen Apps potenzielle Kunden per Link auf eine eigene Website leiten. So könnten diese außerhalb von Apples App Store ein kostenpflichtiges Konto für den jeweiligen Dienst anlegen.

Für Nutzerinnen und Nutzer könnte das zu günstigeren Abos führen, wenn sie dafür den etwas umständlicheren Weg zum Abschluss in Kauf nehmen. Denn bei einem Abschluss über eine Website entfällt die Umsatzbeteiligung von Apple an In-App-Käufen – an denen das Unternehmen seit vielen Jahren gut verdient.

Es ist das zweite kleine Zugeständnis von Apple an Regulierungsbehörden und App-Entwickler innerhalb einer Woche. Am vergangenen Freitag hatte der Konzern in einem Vergleich kleineren Entwicklern die Möglichkeit eingeräumt, den App-Nutzern gezielt Informationen über Abo-Abschlüsse außerhalb des App Stores zu senden. Das darf jedoch nicht innerhalb der App selbst geschehen, sondern muss außerhalb der App laufen – beispielsweise per E-Mail.

Apple verlangt von App-Anbietern eine Provision zwischen 15 und 30 Prozent. Bislang versuchte das Unternehmen zu unterbinden, dass die Entwickler ihre Nutzerinnen und Nutzer auf externe Zahlungsalternativen lenken. Die Einigung mit der JFTC betrifft nun die »Reader-Apps« – und zwar global nicht nur in Japan. »Reader-Apps« sind Anwendungen, mit denen zuvor gekaufte Inhalte oder Abonnements für digitale Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Audio-, Musik- und Videoinhalte konsumiert werden können.

Der Kompromiss mit der JFTC bezieht sich aber ausdrücklich nicht auf Spiele-Apps und wird daher nicht den juristischen Streit mit dem »Fortnite«-Entwickler Epic beenden. Epic-Chef Tim Sweeney schrieb auf Twitter, Apple solle sein iPhone-Betriebssystem iOS im Hinblick auf Hardware, Stores, Zahlungswege und Services öffnen und Konkurrenz ermöglichen. »Stattdessen führen sie buchstäblich Tag für Tag eine Neuberechnung von Teile-und-Herrsche durch, in der Hoffnung, mit den meisten ihrer Praktiken davonzukommen.« Ein Urteil im Prozess wird in wenigen Tagen oder Wochen erwartet.

Apple betont, der App Store sei eine für App-Entwickler lukrative Plattform und schütze gleichzeitig die Nutzer vor Betrugsversuchen. Aufgebrochen werden könnte das lukrative Geschäftsmodell aber nicht nur durch den Epic-Prozess, in dem der Spiele-Entwickler letztlich erreichen will, dass App-Anbieter an Apple vorbei eigene App-Stores auf dem iPhone betreiben können. Auch die EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb im Geschäft mit Musikstreaming-Apps wie Spotify vor und zielt im geplanten Digitale-Dienste-Gesetz darauf ab, den Weg für alternative App-Stores auf dem iPhone frei zu machen.

pbe/dpa