Neue Vertragsbedingungen Apple erhöht heimlich die App-Preise

Apple hat die Preise für Apps überraschend angehoben - ohne die Entwickler der Applikationen vorab zu informieren. Über Nacht wurden die Programme im App-Store um zehn Prozent und mehr verteuert.
App Store: Apple setzt neue Preise fest

App Store: Apple setzt neue Preise fest

Hamburg - Apple macht Apps teurer: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat der Konzern die Euro-Preise für Apps um zehn Prozent und mehr angehoben. Eine App, die bisher 79 Cent kostete, wird nun für 89 Cent verkauft. Apple versteuert diesen Betrag mit 15 Prozent und reicht von der verbleibenden Summe 70 Prozent an den Entwickler weiter.

Die Änderung teilte der Konzern den App-Entwicklern in einer E-Mail mit neuen Vertragsbedingungen mit - allerdings erst nachträglich. Eine Vorankündigung gab es nicht. Apple hat zunächst keinen Kommentar zu der Änderung abgegeben.

Die App-Preise in Euro, mexikanischem Peso und dänischer Krone wurden "angepasst", heißt es in dem Schreiben an die Entwickler. Dem Schreiben beigefügt sind Preistabellen. Entwickler können die Verkaufspreise ihrer Apps bei Apple nicht frei bestimmen, sondern müssen von Apple vorgegebene Stufen wählen. Der iTunes-Store, in dem Musik, Filme und Fernsehsendungen verkauft werden, ist von der Preiserhöhung offenbar nicht betroffen.

Neue Preise bei Apple

alt neu
0,79 0,89
1,59 1,79
2,39 2,69
2,99 3,59
3,99 4,49
4,99 5,49
5,49 5,99
5,99 6,99
6,99 7,99
7,99 8,99
8,99 9,99
Quelle: Apple

Ein Grund für die Anpassung wurde nicht genannt, man kann nur vermuten, dass sie mit dem Wechselkurs von Euro zu Dollar zusammenhängt. Der kleinste mögliche Preis in den USA beträgt 99 Cent, umgerechnet rund 77 Euro-Cent. Rechnet man den luxemburgischen Mehrwertsteuersatz von 15 Prozent hinzu, landet man bei rund 88 Euro-Cent. Der Euro-Preis entspricht somit ziemlich genau dem US-Preis.

Die neue Preisverordnung betrifft auch die Angebote deutscher Verlage, die im App-Store digitale Ausgaben ihrer Hefte und Zeitungen verkaufen. Ein Sprecher des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverlage (BDZV) kritisierte das Vorgehen: "Die Verlage werden ebenso wie ihre Kunden vor vollendete Tatsachen gestellt." Wenn sich dies so bestätige, sei dies "sehr bedauerlich und nicht hinnehmbar". Daher seien Verlage gezwungen, sich nach weiteren Geschäftspartnern umzusehen, sagte der Sprecher und nannte den Online-Händler Amazon sowie die Google-Plattform Android.

Eine Ausgabe des SPIEGEL kostet im App Store nun 4,49 Euro statt wie bisher 3,99 Euro. Für die Web- und Android-Ausgabe ändert sich der Preis nicht, ebenso bleiben die Abo-Preise unverändert. Ausgaben, die über die Web-App oder Google Play gekauft werden, können auch mit den Apps für iPad und iPhone gelesen werden, da der Kauf unabhängig von der Plattform ist.

Völlig unvermittelt dürfte der Schritt App-Entwickler und Verlage allerdings nicht treffen. Schon in der Vergangenheit hat Apple klargemacht, dass die Regeln für den App Store einseitig festgelegt werden. So hatte der Konzern 2009 die App des Magazins "Stern" wegen zu viel nackter Haut entfernt. Enthalten Apps die Möglichkeit, ein Abo abzuschließen, muss dieses über Apple laufen - auch hier greift die Preiserhöhung dann.

ore/dpa