Folgen des Kriegs in Europa Der Nutzeransturm auf Benzinpreis-Apps

Apps wie Clever-Tanken.de, die aktuelle Spritpreise anzeigen, erleben dieser Tage einen Boom – und ungeahnte Probleme. Die stark gestiegene Nachfrage zwingt einige Anbieter zu Veränderungen.
Spritpreisanzeige an einer Tankstelle in Bayern: Preise, mit denen viele Autofahrer nicht gerechnet hatten

Spritpreisanzeige an einer Tankstelle in Bayern: Preise, mit denen viele Autofahrer nicht gerechnet hatten

Foto: IMAGO / MiS / IMAGO

Dass viele Menschen die Angaben von Spritpreis-Apps im Blick haben, zeigte sich vergangene Woche in Düsseldorf. Dort staute sich am Donnerstagabend vor einer freien Tankstelle der Verkehr, weil übers Netz ein allzu attraktiver Spritpreis die Runde gemacht hatte. In der Ahnfeldstraße nahe dem Zoopark sollte ein Liter Super E10 nur 1,25 Euro kosten. Ein Superschnäppchen, erst recht in Zeiten des Ukrainekriegs, denn laut Medienberichten  verlangten andere Tankstellen zum selben Zeitpunkt satte 89 Cent mehr.

Schlussendlich blieb der Traumpreis ein Traum: Wie der WDR später berichtete , hatte sich der 86-jährige Tankstellenchef bei der Preisübermittlung vertippt. Auf der Analogtafel an der Ahnfeldstraße hatte demnach durchgehend der korrekte Preis gestanden: 2,19 Euro.

Doch es sind nicht nur solche Situationen, die Spritpreis-Apps gerade ins Gespräch bringen. Die digitalen Sparhelfer sind äußerst gefragt. In den App-Download-Charts von Apple und Google kämpfen sie Tag für Tag mit um die Spitzenplätze. Der Benzinpreis-Blitz  war auf Android-Geräten zu Wochenbeginn die in Deutschland am häufigsten heruntergeladene kostenlose App. Und auf iOS-Geräten gelang es zeitweise sowohl Clever-Tanken.de  als auch mehr-tanken , den Dauerbrenner Google Maps hinter sich zu lassen.

Mehr Technik für mehr Nutzer

Steffen Bock, der Chef der Firma hinter Clever-Tanken.de, sagt dem SPIEGEL, schon der Februar sei für seinen primär werbefinanzierten Dienst stark gewesen, mit rund 220 Millionen Seitenaufrufen allein über die Mobil-Apps. In den ersten beiden Märzwochen jedoch sei das Angebot komplett an seine Grenzen gekommen, mit nochmals bis zu 300 Prozent mehr Traffic. Zusätzlich zum Stammrechenzentrum in München setze Clever-Tanken.de neuerdings auf ein Rechenzentrum in Frankfurt, so Bock. Seine serverseitigen Kapazitäten habe der Dienst mehr als verdoppelt.

Wie dringend nötig dieses Technik-Upgrade war, lassen Bewertungen in den App-Stores erahnen. Zu Clever-tanken.de, aber auch zu Konkurrenz-Apps finden sich dort zahlreiche aktuelle Rezensionen, in denen über Ausfälle der Services oder sehr lange Wartezeiten geklagt wird. So wie der rasante Anstieg der Spritpreise manche Autofahrer kalt erwischt hat, überraschte offenbar auch der plötzliche Ansturm auf ihre Dienste manche App-Betreiber.

In der App von Clever-Tanken.de stießen Nutzer zeitweise auf eine Einblendung , in der es mit Verweis auf die steigenden Zugriffszahlen hieß: »Wir würden uns freuen, wenn Sie in dieser schwierigen Phase von Ein-Sterne-Bewertungen absehen könnten, vielen Dank.«

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So viele Downloads an einem Tag wie zuvor in einem Monat

Um Nachsicht bei technischen Problemen bat auch der ADAC. Zu seiner ADAC Spritpreise App  schreibt der Automobilklub, aufgrund der hohen Nachfrage könne es zu kurzzeitigen Server-Ausfällen kommen, wodurch die Darstellung von Spritpreisen entfalle: »Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass dies nicht mehr vorkommt. Falls doch, bitten wir Sie, diese kurzfristigen Ausfälle zu entschuldigen und auf Ein-Sterne-Bewertungen zu verzichten.«

Wie sprunghaft das Interesse an Spritpreisdaten gestiegen ist, zeigt auch die App mehr-tanken: Einem Sprecher zufolge hat sich hier die Zahl der aktiven Nutzer pro Tag im Zeitraum von einer Woche verfünffacht. »Am Tag der höchsten Zahl an Nutzern und Sitzungen entsprach die Downloadzahl eines Tages der des gesamten Monats Februars«, so der Sprecher: Es seien daher sowohl die Server-, als auch die Support-Kapazitäten ausgebaut worden.

Um die Serverlast zu verringern, hat mehr-tanken auch seinen Dienst ein Stück weit modifiziert: Die historischen Preisstatistiken von Tankstellen werden nun nicht mehr automatisch mitgeladen. Wer sich für diese Angaben interessiert, muss sie nun aktiv abrufen.

Auf einmal sind zwei Euro ein Schnäppchen

Parallel zum Nutzeransturm sind die App-Betreiber gezwungen, ihre Tools möglichst überzeugend an die jüngsten Preisentwicklungen anzupassen. Dass die Preise an deutschen Tankstellen in kurzer Zeit extrem in die Höhe schossen, brachte die Modelle für sogenannte Preisprognosen ins Wanken. Die Macher des Benzinpreis-Blitz etwa zogen per Ankündigung in Googles Play Store die Notbremse und gaben bekannt, dass die Preisvorhersage ihrer App »aufgrund der aktuellen Situation vorübergehend deaktiviert« werden müsse.

Steffen Bock sagt, bei Clever-Tanken.de sei die Prognose mittlerweile angepasst worden: »Die Bewegungen sind aber teils erratisch und auch mit den besten Prognosetools nicht immer hundert Prozent treffsicher.«

In Bocks App gibt es seit Kurzem auch noch eine kleine, aber symbolträchtige Änderung: Der sogenannte Preisalarm, der Nutzer bei von ihnen selbst festgelegten Wunschpreisen an ihren Lieblingstankstellen benachrichtigt, akzeptiert jetzt auch Preiseingaben jenseits der zwei Euro.

»Auch wir hätten nicht gedacht, dass zwei Euro mal ein Schnäppchen sein werden«, sagt Steffen Bock. Nach oben gebe es für die Nutzereingaben fortan keine Begrenzung mehr.

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