Betaversion von iOS 13.7 Corona-Tracing funktioniert technisch bald auch ohne App

In Zukunft wird eine Nachverfolgung möglicher Covid-19-Kontakte auf iPhones wohl auch ohne App möglich sein. Apple testet derzeit ein entsprechendes iOS-Update.
Integriertes Covid-19-Tracing in iOS 13.7

Integriertes Covid-19-Tracing in iOS 13.7

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

In der Nacht zum Donnerstag hat Apple eine Vorabversion von iOS 13.7 veröffentlicht. Das Betriebssystem-Update für iPhones soll es künftig ermöglichen, potenzielle Kontakte mit Personen, die an Covid-19 erkrankt sind, auch ohne vorherige Installation einer App nachzuvollziehen. Für Nutzer der deutschen Corona-Warn-App ändert sich durch die in iOS 13.7 geplanten zusätzlichen Funktionen allerdings nichts.

Apples Contact-Tracing könnte zunächst höchstens eine Ergänzung sein, mit der Apple mehr Leute motivieren möchte, die anonymisierte Kontaktverfolgung zu nutzen, ohne die App zu installieren. Mit iOS 13.7 allein ist es allerdings bisher nicht möglich, auch nachzuvollziehen, ob man Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte. Damit das funktioniert, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein.

Erstens müssten die Gesundheitsbehörde in der jeweiligen Region das von Apple und Google im Mai vorgestellte System zur Kontaktnachverfolgung  unterstützen. Hierzulande verwenden die Behörden das dezentrale Modell von Apple und Google als Grundlage der Corona-Warn-App.

Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, kann iOS 13.7. zumindest eine Funktion der Warn-App ersetzen: Smartphones, auf denen entweder eine entsprechende App installiert oder - ab iOS 13.7 - die "Begegnungsmitteilungen" aktiviert sind, tauschen untereinander sich ständig ändernde anonyme Identifikationsnummern aus und speichern diese 14 Tage lang. Dieser Austausch über Bluetooth ist die Grundlage des sogenannten Contact-Tracing.

Was bisher unklar ist: Ob man ohne App über Begegnungen mit positiv getesteten Personen informiert werden kann. Dafür müsste die App von den Servern von der Deutschen Telekom und SAP die sogenannten Tagesschlüssel herunterladen. Wäre diese zweite Voraussetzung erfüllt, könnte Apples Betriebssystem Nutzer über Risikokontakte informieren. In der bisherigen Version von iOS 13.7 finden sich darauf jedoch keine Hinweise.

Wenn Nutzer das Tracing von iOS 13.7 nutzen wollen, müssen sie zumindest jetzt schon angeben, in welchem Land sie sich aufhalten. So könnte Apple wissen, von welchen Servern die Tagesschlüssel heruntergeladen werden müssen. Eine entsprechende Funktion ließe sich für Apple theoretisch später ergänzen.

Keine eigene Infektionsmeldung im Betriebssystem

Was in iOS 13.7 definitiv nicht allein funktioniert, ist die Mitteilung einer Corona-Infektion. Wenn ein Nutzer eine bestätigte Covid-19-Diagnose hat und darüber andere App-Nutzer informiert werden sollen, braucht man dafür weiterhin die Corona-Warn-App, in der man die eigene Diagnose einträgt. Erst dann können andere Nutzer gewarnt werden.

Die neue Software arbeitet auf Opt-in-Basis, muss also vom Nutzer in den Einstellungen des iPhones selbst aktiviert werden. Standardmäßig ist sie deaktiviert.

Es wäre theoretisch denkbar, dass Apple irgendwann eine eigene App zum Contact-Tracing anbieten könnte, die nicht wie die Apps der jeweiligen Länder nur lokal, sondern länderübergreifend funktioniert. Dazu könnte die neue Funktion in iOS 13.7 ein erster Schritt sein. Noch ist das aber reine Fantasie, von Apple gibt es keine Hinweise auf derartige Pläne.

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iOS 13.7 Beta

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Anhand der Betaversion lässt sich aber erkennen, dass sich iPhone-Nutzer anhand ihrer Positionsdaten informieren lassen können, wenn in der Region, in der sie sich aufhalten, ein System zum Kontakt-Tracing auf Basis der von Apple und Google entwickelten Technologie verfügbar ist.

Reguläres Update auf iOS 13.7 dürfte bald kommen

Nachdem die Vorabversion zunächst nur für registrierte Entwickler verfügbar war, steht sie mittlerweile auch als öffentliche Betaversion für jeden zur Verfügung. Bevor man diese installiert, sollte man sich die damit verbundenen Risiken bewusst machen: Betaversionen sind immer unfertige Software, können Fehler enthalten und zu Datenverlust führen. Deshalb sollte sie nur auf Geräten installiert werden, die man im Alltag nicht dringend benötigt und auf die man im Falle eines Ausfalls verzichten kann.

Wer ein solches Risiko verständlicherweise nicht eingehen will, sollte warten, bis Apple das Update auf iOS 13.7 über die reguläre Update-Funktion der iPhones verfügbar macht. In wenigen Wochen dürfte es soweit sein.

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