Wechsel zur Konkurrenz-Software Blackberry sattelt offenbar auf Android um

Laut einem Medienbericht setzt Blackberry künftig auf Software der Konkurrenz - und will bereits im Herbst ein Gerät präsentieren, das mit Googles Mobilbetriebssystem Android betrieben wird.
Betriebssystem Blackberry 10: Weniger Apps im Angebot als für iOS und Android

Betriebssystem Blackberry 10: Weniger Apps im Angebot als für iOS und Android

Foto: Peter Steffen/ dpa

Das kanadische Unternehmen Blackberry zweifelt offenbar am Erfolg seines eigenen Betriebssystems. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will der Elektronikkonzern auf Smartphones der kommenden Generationen erstmals das Google-Betriebssystem Android installieren. Reuters bezieht sich dabei auf vier verschiedene Quellen, die alle mit den Plänen vertraut sind, aber nicht öffentlich darüber sprechen dürfen.

Mit diesem Schritt würde Blackberry indirekt zugeben, dass die eigene Smartphone-Software kaum Chancen gegen die Konkurrenzprodukte von Apple, Windows und Google hat. Erst vor etwa zwei Jahren hat das Unternehmen das Betriebssystem Blackberry 10 vorgestellt, das seither auf den eigenen Smartphones und Tablets installiert wird. Doch auch die zunächst positiv bewertete Software sorgte nicht dafür, dass Blackberry sich erfolgreich gegen Apple und Google behauptete.

Das liegt nicht zuletzt am Angebot der Apps, die selbst große Software-Konzerne eher für iOS und Android entwickeln als für Blackberry. Zwar unterstützt das Blackberry-Betriebssystem seit Version 10.3 auch Android-Apps aus dem Amazon-Shop, aber diese rund 300.000 Apps können lange nicht mithalten mit den drei Millionen Anwendungen bei Apple und Google.

Während der Konzern einst den Smartphone-Markt dominierte, hat Blackberry heute nur noch einen Marktanteil von weniger als einem Prozent. Das Unternehmen hat daraus bereits Konsequenzen ziehen müssen: Während im Jahr 2011 noch 17.500 Angestellte für Blackberry gearbeitet haben, waren es im Februar dieses Jahres nur noch etwa 6200.

Android-Gerät soll im Herbst auf den Markt kommen

Blackberry will sich zu den Android-Plänen nicht äußern. Man kommentiere keine Gerüchte und Spekulationen. "Aber wir bleiben dem Blackberry-10-Betriebssystem verpflichtet", es biete eine "unerreichte Sicherheit und Leistung". Auch Google will die Berichte über den Software-Wechsel nicht bestätigen.

Laut den Informanten könnte das Geräte-Kontrollsystem BES12 ein Grund dafür sein, dass Blackberry auf Android umsattelt. Mit der Software können Unternehmen die Mitarbeitergeräte verwalten, die mit iOS, Android und Blackberry betrieben werden. Das Android-Projekt soll offenbar die Kunden davon überzeugen, dass auch Smartphones der Konkurrenz mit dem System kompatibel sind.

Der Konzern könnte bereits im Herbst ein Gerät auf den Markt bringen, das mit Android betrieben wird, heißt es in dem Bericht. Neben einem Touchscreen soll das Smartphone oder Tablet auch eine Tastatur haben, die man zusätzlich zum Schreiben benutzen kann. Die Tasten sind ein Markenzeichen des Konzerns, der auf Nutzer setzt, die nicht so gerne ihre Texte auf einem Touchscreen eingeben.

jbr/Reuters
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