Anleitungen für Lego Diese App sortiert das Klötzchenchaos

Rettung für Bausteine aus der Restekiste: Die App Brickit scannt ausgekippte Lego-Steine und liefert Anleitungen für die heimatlosen Einzelstückchen. Wir haben den digitalen Bauhelfer ausprobiert.
Brickit ordnet das Kinderzimmerchaos: Mit der App bekommen heimatlose Lego-Steine eine neue Bestimmung.

Brickit ordnet das Kinderzimmerchaos: Mit der App bekommen heimatlose Lego-Steine eine neue Bestimmung.

Foto: DER SPIEGEL

Was einmal Raumschiffe, Rennautos und Reithallen waren, ist mittlerweile nur noch Klötzchenschrott. In fast jedem Kinderzimmer gibt es diese eine Restekiste, die gefüllt ist mit heimatlosen Lego-Steinen. Ist diesen bunten Bauteilen ein Leben im Ersatzteillager vorbestimmt?

Die App Brickit  will das ändern und den Lego-Steinen wieder einen Sinn geben. Das Programm scannt dafür das Klötzchenchaos und macht Vorschläge, welche Modelle sich aus den Plastikteilchen basteln lassen. Dafür verwendet sie zwar offizielle Lego-Anleitungen. Die Entwickler weisen aber darauf hin, dass es sich bei der App um ein Fanprojekt handelt – ohne offizielle Lizenz des Herstellers. Die kostenlose App gibt es bisher nur für das iPhone. Im Herbst soll aber auch eine Android-Version folgen.

Breites Angebot aus Robotern, Birnen und Flugzeugen

1500 Lego-Anleitungen haben der 34-jährige Leonid Aleksandrov und sein 14-köpfiges Team aus Moskau bereits in die Datenbank eingespeist. Bald sollen auch Baupläne von Fan-Eigenkreationen nachgereicht werden. »Wir wollen Lego-Steinen, die in staubigen Boxen verstaut werden, neues Leben einhauchen«, sagt der Brickit-Chef dem SPIEGEL. Das Interesse der Kinder solle mit der App geweckt werden, damit aus Steinhaufen wieder Sets gebaut werden. »Wir beobachten das bei unseren eigenen Kindern«, sagt Aleksandrov, der vor der Gründung von Brickit vor zwei Jahren bei der russischen Suchmaschine Yandex gearbeitet hatte.

Brickit lässt sich bedienen wie eine Profi-App. In wenigen Schritten liefert die Software kreative Ideen für Lego-Modelle, die man aus dem Kleinteilhaufen bauen kann. Für einen Scan müssen die Bauteile lediglich möglichst nah beieinander auf den Boden gekippt und fotografiert werden. Eine Bilderkennungssoftware rattert anschließend mit beeindruckender Genauigkeit über das Foto.

Selbst gekippte Zylindersteinchen und zusammengesteckte Kleinteile identifiziert die Software in wenigen Sekunden. Die Vogelperspektive schränkt die Treffsicherheit allerdings ein: Gebogene Teile erkennt die App von oben nicht, und manchmal ist der künstlichen Intelligenz nicht ganz klar, ob da nun ein Würfel oder eine Platte liegt. Das ist aber auch unmöglich mit einer einzigen Aufnahme von oben.

Bei etwa hundert Teilen liefert die App nur wenige Anleitungen: Die Anzahl erhöht sich deutlich, wenn mehrere Hundert Lego-Steine auf dem Boden liegen

Bei etwa hundert Teilen liefert die App nur wenige Anleitungen: Die Anzahl erhöht sich deutlich, wenn mehrere Hundert Lego-Steine auf dem Boden liegen

Foto: Brickit

Die Ergebnisliste mit den Bauanleitungen kann sich sehen lassen. Klar, es sind keine komplexen Bauwerke, die sich aus dem Restehaufen zusammenstecken lassen. Aber das Repertoire umfasst immerhin ein breites Angebot aus Geburtstagskuchen, Robotern, Birnen, Piratenschiffen und Flugzeugen. Sobald die App die Teile auf dem Boden mit den Anleitungen aus der Datenbank abgeglichen hat, können Nutzerinnen und Nutzer einen Bauplan aus der Liste wählen.

Ein bisschen Improvisation

Je mehr Legosteine ausgekippt werden, desto besser. In unserem Test machte die App drei Vorschläge bei 100 Steinchen. Bei 400 Teilen erhöhte sich die Anzahl der Anleitungen schon auf 18.

Praktisch: Neben dem Bauplan zeigt die App auch gleich an, wo sich das Steinchen im Klötzchenhaufen verbirgt. Mit der Farbe nimmt es Brickit allerdings nicht so genau. Nur die Form muss stimmen. Dem Bastler und der Bastlerin darf es nichts ausmachen, wenn die orangefarbenen Dachplatten aus der Anleitung dann eben durch pinkfarbene Blöcke ersetzt werden müssen.

Richtig schade ist aber, dass bei fast allen angebotenen Anleitungen ein paar Teilchen fehlen. Das bedeutet, dass für die Fledermaus keine Augenhalterungen im Lego-Haufen liegen, dem Eis am Stiel das abgekantete Unterteil fehlt und der Elefant ohne Stoßzähne auskommen muss. Mit ein bisschen Improvisation gelingen aber die meisten Figuren – und sie sehen auf jeden Fall besser aus als das klägliche Klötzchenchaos in der Kiste.

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Diese App sortiert das Klötzchen-Chaos

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