Einschätzung der Bundesregierung Corona-Warn-App könnte auf 85 Prozent der Smartphones laufen

Die Corona-Warn-App kann auf den allermeisten Smartphones in Deutschland installiert werden, sagt Regierungssprecher Seibert. Doch noch immer hat die App ihre Tücken.
Smartphone mit installierter Corona-Warn-App

Smartphone mit installierter Corona-Warn-App

Foto: Rüdiger Wölk/ imago images/Rüdiger Wölk

Kurz vor Beginn seiner ersten virtuellen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple neue Zahlen zur Verbreitung von iOS 13 veröffentlicht . Demnach läuft die aktuelle Generation des Betriebssystems auf insgesamt 81 Prozent aller iPhones, die noch im Gebrauch sind. Bei den Geräten, die in den vergangenen vier Jahren eingeführt wurden, sind es sogar 92 Prozent.

Aus diesem Grund funktioniert auch die Corona-Warn-App der Bundesregierung auf den meisten iPhones. Denn die App setzt auf Apples Handys die Installation von iOS 13.5 voraus, ein kostenloses Update, das es für alle iPhones gibt, auf denen iOS 13 läuft. Die weite Verbreitung des aktuellen iPhone-Betriebssystems dürfte auch einer der Gründe für die zumindest bisher hohen Downloadzahlen sein. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag, mittlerweile sei die App 11,7 Millionen Mal heruntergeladen worden, knapp eine Woche nach ihrer Veröffentlichung.

"Sie läuft auf mehr als 85 Prozent der in Deutschland vorhandenen Smartphones", sagte Seibert außerdem. "Natürlich würde man sich wünschen, dass (...) jeder mit jedem alten Smartphone damit arbeiten könnte, aber es gibt da technische Gründe, die durch ein politisches Wollen der Bundesregierung nicht wegzuwischen sind." Die Entwickler hätten aber zugesagt, noch einmal zu überprüfen, ob eine Steigerung möglich ist.

Welcher Art die technischen Gründe sind, durch die die Verfügbarkeit der App auf bestimmte Smartphones begrenzt wird, erklärte Seibert nicht im Detail. Auch Google und Apple haben bisher nicht erklärt, weshalb die gemeinsam entwickelte Technologie, auf der die deutsche App aufsetzt, mindestens Android 6 oder iOS 13.5 voraussetzt. Man kann bisher nur vermuten, dass es an der von den beiden Konzernen entwickelten Art liegt, wie der Bluetooth-Kurzstreckenfunk zur Kommunikation zwischen den Handys genutzt wird, ohne den Akku zu sehr zu belasten.

Die Einschränkung, mindestens Android 6 oder iOS 13.5 installiert zu haben, hat jedenfalls zur Folge, dass nur iPhones, die seit 2015 auf den Markt gekommen sind, also alles ab dem iPhone 6S und dem ersten iPhone SE, sowie Android-Smartphones ab den Baujahren 2014 und 2015, kompatibel zur Corona-Warn-App sind.

Varianten in Türkisch, Russisch, Arabisch und Rumänisch geplant

Neben der technischen Kompatibilität schränken noch weitere Faktoren den Nutzerkreis ein. So kann die App derzeit nur aus den deutschen App-Stores von Apple und Google geladen werden. Ausländischen Studenten, Arbeitnehmern oder Reisenden ist es also nicht möglich, die App aus den Stores ihrer Heimatländer auf ihre Handys zu laden. Weshalb das so ist, bleibt unklar. Die Entscheidung, ob eine App nur lokal oder international verfügbar ist, wird vom jeweiligen Anbieter getroffen, in diesem Fall also vom Robert Koch-Institut. Das Institut teilte dem SPIEGEL auf Anfrage mit, es werde "aktuell noch geprüft, ob die App auch in den App- beziehungsweise Playstores insbesondere der Nachbarländer zur Verfügung gestellt werden kann". Technisch wäre es zumindest kein Problem, die App auf weltweite Verfügbarkeit umzuschalten. Die Änderung in den Stores würde nur wenige Minuten dauern. Zumindest, solange die App unverändert bleibt.

Ein weiteres Problem ist, dass viele in Deutschland lebende Menschen Deutsch nicht als Muttersprache beherrschen. Daran, diesen Personengruppen entgegenzukommen, arbeite man jedoch, sagte SAP-Technikchef Jürgen Müller der "Bild am Sonntag". Demnach seien Varianten in Türkisch, Russisch, Arabisch und Rumänisch geplant. Den Anfang soll dabei die türkische Version machen, die laut Müller in vier Wochen fertig sein soll. Weshalb es so lange dauert, die Inhalte der App auf Türkisch zu übersetzen, sagte er nicht.

mit Material von dpa
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