Nicht nur für Strafverfolger Clearviews Gesichtserkennung wurde auch privat genutzt

Clearview sei "ein Recherche-Werkzeug, das von Strafverfolgern genutzt wird", heißt es auf der Website des Start-ups. Allerdings haben auch Privatpersonen die umstrittene Gesichtserkennungssoftware ausprobiert.
Clearview AI war nicht immer nur ein Werkzeug für Strafverfolger (Symbolbild)

Clearview AI war nicht immer nur ein Werkzeug für Strafverfolger (Symbolbild)

Foto: Photographer is my life./ Getty Images/ Thananit

Die Skandale um das New Yorker Start-up Clearview AI reißen nicht ab. Nach dessen eigenen Angaben ist die umstrittene Gesichtserkennungs-App ein "Recherche-Werkzeug für Strafverfolger, um Täter und Opfer von Verbrechen zu identifizieren". Doch erst kürzlich hatte "BuzzFeed News" berichtet, dass auch zahlreiche Bildungseinrichtungen, Unternehmen und auch Privatdetekteien auf der Kundenliste stehen. Und laut "New York Times"  wurde sie lange Zeit auch von Investoren und Freunden der Gründer benutzt - zu ganz privaten Zwecken.

Demnach verwendete etwa der Milliardär John Catsimatidis die Software, um den ihm unbekannten Begleiter seiner Tochter in einem Restaurant zu identifizieren. Er bat dazu den Kellner, den Mann zu fotografieren. Das Foto lud er dann in die App, für die er einen Nutzeraccount hatte, und glich es so mit Clearviews riesiger Datenbank ab. Die besteht angeblich aus drei Milliarden Bildern und begleitenden Informationen, die Clearview aus sozialen Netzwerken und vielen anderen Websites zusammenkopiert hat, ohne dabei irgendjemanden um Erlaubnis zu bitten.

Nachdem die Zeitung kritisch über das Unternehmen und sein Produkt berichtet hatte, veröffentlichte Clearview AI einen Verhaltenskodex, in dem es heißt , die App sei "nur für Strafverfolger und ausgesuchte Sicherheitsexperten zugänglich". Sie enthalte "Sicherheitsvorkehrungen, damit diese Profis sie nur für den beabsichtigten Zweck nutzen".

Doch wer früh in das Start-up investierte, schreibt die "New York Times", bekam den privaten Zugang zur App als Anreiz. Mitgründer Hoan Ton-That bestätigte das der Zeitung und sprach von Testzugängen für die sorgfältige Prüfung der Technik durch potenzielle Investoren und "strategische Partner".

Der Milliardär Catsimatidis hatte übrigens Erfolg: Die App verriet ihm, dass es sich beim Freund seiner Tochter um einen Risikoinvestor aus San Francisco handelte. Später wurde die Technik von seiner Supermarktkette eingesetzt, um Ladendiebe wiederzuerkennen. Catsimatidis sah es als "großes Problem" an, dass jemand Häagen-Dasz-Eiscreme klaute.

Ein anderer Investor sagte der Zeitung, seine beiden schulpflichtigen Töchter hätten Spaß daran, mit der App zu spielen und sie an sich selbst und Freunden auszuprobieren, um zu erfahren, wem sie ähnlich sehen.

Privater Zugang zu Clearview ließe sich missbrauchen

Weitere Personen mit Clearview-Zugängen haben die App demnach bei Dates und Geschäftsveranstaltungen verwendet. In den Händen von Privatpersonen kann so eine App allerdings auch zum Stalking verwendet werden. In der Öffentlichkeit wäre niemand, von dem es im Internet frei zugängliche Fotos gibt, noch vor einer unfreiwilligen und heimlichen Identifizierung geschützt.

Auf seiner Website bietet Clearview AI ein Formular für EU-Bürger , mit dem diese beantragen können, aus der Datenbank gelöscht zu werden. Wer das erreichen will, muss allerdings ein Foto von sich hochladen – und sich identifizieren.

pbe