Gesprächs-App Was steckt hinter dem Hype um Clubhouse?

Online mit Freunden und Fremden quatschen: Clubhouse setzt auf Livegespräche und hat eine kleine, vermeintlich elitäre Nutzerschaft. Was Interessierte über die derzeit trendende Audio-App und ihren Datenschutz wissen sollten.
Foto: Christoph Dernbach / DPA

Luisa Neubauer spricht über den Klimaschutz und Christian Lindner über die FDP. Viele Themen in der neuen Social-App Clubhouse wirken erwartbar, die Art der Online-Kommunikation aber ist ungewöhnlich. Bei Clubhouse wird miteinander geredet, live und ohne Bild. Man kann sich das als mehr oder weniger interaktiven Podcast vorstellen oder als virtuelle Onlinekonferenz, bei der manche ein Mikro haben und andere nicht.

Bisher ist Clubhouse nur für iOS erhältlich. Auf iPhones jedoch stand die App am Montag auf Platz zwei der in Deutschland meistgeladenen Gratis-Apps.

Wo kommt dieser Hype um Clubhouse her? Und wieso werden Einladungscodes für die App auf Ebay angeboten? Die wichtigsten Fragen und Antworten – auch zum Thema Datenschutz.

Wie funktioniert Clubhouse? 

Clubhouse basiert auf Gesprächen. Mitglieder können sogenannte Rooms zu bestimmten Themen eröffnen. Diese Rooms können auf privat gestellt werden. Sie können aber auch offen für alle sein oder nur offen für Nutzer, denen man folgt.

Hosts solcher Rooms können außerdem festlegen, welche Teilnehmenden selbst sprechen können und welche nur zuhören dürfen. Ebenso gibt es bei Clubhouse die Funktion, im Stil von Videochat-Programmen virtuell die Hand zu heben, was das Einbinden von Wortmeldungen ermöglicht. Funktionen wie Likes oder schriftliche Äußerungen bietet Clubhouse bisher nicht.

Bei der Anmeldung gibt man bis zu fünf Interessengebiete an

Bei der Anmeldung gibt man bis zu fünf Interessengebiete an

Foto: Clubhouse

Was nach großer Interaktivität klingt, funktioniert bisher häufig eher wie ein Vortrag: Wenige sprechen und viele hören zu, ohne tatsächlich interagieren zu können. Daher ist Clubhouse derzeit am ehesten mit einem Podcast vergleichbar, der live aufgenommen wird.

Wie finden Nutzerinnen und Nutzer zusammen?

Über die Suchfunktion der App können einzelne Personen oder Clubs gefunden werden. Letzteres sind Communitys, die sich zu bestimmten Themen zusammengeschlossen haben. So gibt es etwa einen Club zum Thema Gründerinnen, einen für NBA-Fans und einen, in dem sich schwarze Frauen über Therapien austauschen.

Diese Clubs sind Kategorien untergeordnet, von denen Nutzer bei ihrer Registrierung bis zu fünf anwählen können. Diese Kategorien und die eigenen Follower bestimmen, welche Rooms im Feed von Clubhouse angezeigt werden.

In Clubs versammeln sich Communities zu einem bestimmten Thema

In Clubs versammeln sich Communities zu einem bestimmten Thema

Foto: Clubhouse

Bei Clubhouse sieht man übrigens immer, wer gerade alles Teil eines Rooms ist, also zuhört oder spricht. Man kann nicht heimlich den Unterhaltungen Fremder lauschen.

Wie kann ich an Clubhouse-Gesprächen teilnehmen?

Clubhouse befindet sich noch in einer »Private Beta«, die App ist derzeit nicht für jeden zugänglich. Die Betreiber von Clubhouse geben an, dass sie eine Überlastung ihres Dienstes vermeiden wollen. Interessierte können nur beitreten, wenn bestehende Nutzer sie mithilfe eines Codes einladen. Bekommt man so den Zugang zur App freigeschaltet, kann man selbst zwei weitere Personen einladen. Dafür braucht man die Mobilfunknummern der anderen Personen.

Clubhouse-Einladungen werden derzeit sogar auf Ebay angeboten: Wo die Nachfrage das Angebot übersteigt, wittern manche ein Geschäft. Grundsätzlich ist Clubhouse aber kostenlos. In den Nutzungsbedingungen ist allerdings bereits eine mögliche Gebühr vermerkt.

Wer nutzt Clubhouse?

Da Clubhouse noch nicht für Android erschienen ist, sind die Nutzer iPhone-Besitzer. Ist man für die App freigeschaltet, wird schnell deutlich, dass in Deutschland bisher vor allem Menschen bei Clubhouse präsent sind, die auch auf Diensten wie Twitter Accounts mit vielen Followern haben.

Aktiv zu sein scheinen vor allem Personen aus den Bereich Politik, Marketing und Medien. Viele Rooms drehen sich daher darum, wie Clubhouse erfolgreich eingesetzt werden kann, um Produkte, Meinungen oder Veröffentlichungen zu verbreiten. Darüber hinaus gibt es Talkrunden zur App selbst und zu ihrer Zukunft. So wird etwa die Frage diskutiert, ob Musiker Clubhouse benutzen sollten oder wie die Nutzerschaft diverser werden könnte.

Ungewöhnlich an Clubhouse ist, dass man auf dem Profil von Nutzern sehen kann, wer sie in die App eingeladen hat – ein seltsamer Mix aus Pseudotransparenz und sozialer Kontrolle.

Woher kommt der Hype um Clubhouse?

Den Zugang zu etwas zu beschränken, ist ein bewährtes Marketingmittel: Es geht um künstliche Verknappung. Dadurch, dass Menschen eingeladen werden müssen, um Clubhouse nutzen können, zwingt man Social-Media-Nutzer beinahe dazu, sich über die Software zu unterhalten – oft auf öffentlichen Kanälen. Und dass schon jetzt einige größere Namen der Twitter-Szene auf Clubhouse sind, macht die App für deren Follower ebenfalls interessant.

»Fear of missing out«, die Angst, etwas zu verpassen, dürfte so ein Grund sein für den plötzlichen Run auf Clubhouse – denn ganz neu ist die App nicht. In den USA war sie bereits im Sommer 2020 bekannt geworden.

Neben dem Marketing ist aber auch das Konzept der App interessant. Der Grundgedanke ist, dass Menschen zusammenfinden und frei miteinander sprechen können.

Die derzeit beliebtesten Social-Media-Apps sind primär schrift- oder bildbasiert. Zwar bieten auch Twitter oder Instagram Möglichkeiten, durch gesprochene Sprache miteinander zu kommunizieren. Doch Clubhouse geht weiter und stellt dieses Feature in den Mittelpunkt: Diskussionsrunden, die aktuell sein und spontan beginnen können, können hier sofort wieder verschwinden, wenn alles gesagt wurde.

Dieser Mix aus Dabei-sein-Wollen, Innovation und vielleicht auch dem Bedürfnis, in Zeiten der Isolation die Stimmen anderer Menschen zu hören und an Gesprächen teilhaben zu können, erklärt wohl den derzeitigen Erfolg der App. 

Welche Daten will die App?

Wer Clubhouse benutzen will, soll der App Zugriff aufs Adressbuch seines iPhones geben. Ohne diesen Zugriff lassen sich keine Freunde einladen. Interessierte sollten genau abwägen, ob ihnen der Zugang zur App diese heikle Datenfreigabe, die auch andere, unbeteiligte Kontakte betrifft, wert ist. Neue Nutzer können nur hinzugefügt werden, wenn ihre Mobilfunknummer angegeben wird.

Dass Clubhouse offenbar wenig Wert auf Datenschutz legt, zeigt sich auch daran, dass die App Nutzern bislang nicht einmal eine direkt in die Plattform verbaute Option bietet, ihre eigenen Daten wieder löschen zu lassen. Wer seinen Account loswerden will, muss eine Mail schreiben .

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Die Gespräche in einem Room werden zudem aufgezeichnet – nach Aussagen der Entwickler , um mögliche Verstöße gegen die Terms of Service  nachverfolgen zu können.

Grundsätzlich werden Nutzer angehalten, Clubhouse mit Klarnamen zu nutzen und ihre bestehenden Social-Media-Profile mit der App zu verknüpfen.

Wer steckt hinter der App? 

Bereitgestellt wird die App vom US-Unternehmen Alpha Exploration. Die beiden Gründer und Geschäftsführer heißen Paul Davison und Rohan Seth. Laut einem Artikel von »Forbes«  finanziert sich Clubhouse bislang durch Investoren. Der Wert der Firma wird auf über 100 Millionen Dollar geschätzt.

Ob sich Clubhouse jedoch langfristig oben in den App-Charts halten können wird, werden erst die kommenden Monate zeigen.

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