»CovPass« Digitaler Impfnachweis soll vielen per Post zugestellt werden

Doppelt Geimpfte sollen ihren Impfstatus künftig per »CovPass«-App belegen können. Wer bei deren Einführung bereits zwei Impfungen hatte, soll den Nachweis per Post bekommen. Datenschützer üben Kritik.
Wird weiter gültig bleiben: Der Impfausweis aus Papier

Wird weiter gültig bleiben: Der Impfausweis aus Papier

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Jens Krick / picture alliance / Flashpic

Das von vielen ersehnte digitale Ticket in ein normaleres Alltagsleben hat einen neuen Namen: In Deutschland soll der digitale Impfnachweis »CovPass« heißen und in wenigen Wochen verfügbar sein, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Eine mehrstufige Testphase für die Anwendung, mit der Nutzer schnell via Smartphone nachweisen können, doppelt gegen das Coronavirus geimpft zu sein, habe erfolgreich begonnen. Man sei »stabil im Zeitplan«.

Zudem soll die App mehr können als bislang bekannt: So sollen auch die negativen Ergebnisse von Antigen-Schnelltests, die von Dritten durchgeführt werden, ein grünes Ampelsignal auf dem Smartphone-Screen auslösen. Damit würde sie auch leichtere Grenzübertritte innerhalb der Europäischen Union ermöglichen, die sich auf einen gemeinsamen Standard für den digitalen Impfnachweis verständigt hat. Auch die Information, dass man von einer Covid-Erkrankung genesen ist, wird sich hinterlegen lassen.

Insgesamt führen also drei Wege zur grünen Ampel: doppelte Impfung, nachgewiesener Negativ-Test oder ein Genesenen-Status.

Die gelben Impfbücher gelten weiter

Der komplette Funktionsumfang mit allen drei Elementen soll zudem auch in die offizielle Corona-Warn-App integriert werden, die bislang knapp 28 Millionen Mal heruntergeladen worden ist. Es wird also mindestens zwei digitale Impfnachweis-Apps geben – und womöglich bald noch mehr, denn die Entwickler wollen die notwendigen Schnittstellen in dem Software-Archiv »Github« veröffentlichen.

Für ein praktisches Problem des neuen Digitalprojekts haben sich die Macher nun für eine althergebracht-analoge Lösung entschieden. Bislang war die Frage ungeklärt, wie all jene an das digitale Impfzertifikat kommen sollen, die bis zu dessen Einführung bereits doppelt geimpft sind. Sie sollen nun einen Brief mit einem QR-Code bekommen, den sie nachträglich in die CovPass-App einscannen können. Wer erst nach der Einführung der App die zweite Impfung bekommt, soll das Impfzertifikat direkt im Impfzentrum oder der impfenden Praxis erhalten.

Wer kein Smartphone besitzt, wird auch den Papierausdruck als Nachweis nutzen können. Zudem gelten auch die herkömmlichen gelben Impfbücher weiter. »CovPass ist eine Ergänzung, kein Ersatz«, betonen die Verantwortlichen.

Der geplante Briefversand klingt simpel, ist aber nicht ohne Fallstricke. Offenbar liegen beispielsweise nicht in allen Impfzentren Adressdaten der bereits Geimpften vor. Dort, wo sie existieren, wurden die Daten nicht zu diesem Zweck erhoben. Man habe sich für den einmaligen Postversand, der zudem nur ein freiwilliges Angebot enthalte, gemeinsam mit dem Bundesjustizministerium und dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfDI) entschieden, heißt es dazu aus dem Gesundheitsministerium.

Kritik vom Datenschutzbeauftragen

Beim BfDI hält man den engen Zeitplan des Bundesgesundheitsministeriums, das den Auftrag zur Entwicklung des Systems an ein Konsortium aus IBM, Ubirch, govdigital und Bechtle vergeben hat, indes auf Anfrage für optimistisch und die Informationspolitik gegenüber der eigenen Behörde für mangelhaft. Dem Bundesbeauftragten liege bis heute »noch kein finales technisches Konzept für die Umsetzung des digitalen Impfnachweises vor«, sagt ein Sprecher gegenüber dem SPIEGEL. »Wir haben im März erste Unterlagen erhalten, die jedoch nicht erklären, wie die technische Umsetzung konkret aussehen wird.«

Im Laufe des Mittwochs wird es eine Besprechung des BfDI mit dem Bundesministerium für Gesundheit geben, »bei der wir hoffen, mehr Details zu erfahren«. Der Zeitplan des Ministeriums sei aufgrund der Komplexität und der Vielzahl an Beteiligten »knapp bemessen«, es werde der Behörde daher nicht möglich sein, vor dem Start eine umfassende Prüfung vorzunehmen. »Das könnte dazu führen, dass datenschutzrechtliche Mängel erst nach Inbetriebnahme des Projekts auffallen und dann aufsichtsrechtliche Maßnahmen notwendig werden.«

Komplizierte Systemvielfalt

Funktionieren soll die neue CovApp, die schon zur Prüfung bei den App-Store-Betreibern Apple und Google liegt, demnach auf iPhones (ab iOS 12) und Android-Geräten (ab Android 6). Eltern werden zudem die Zertifikate ihrer Kinder in der eigenen Anwendung mitabspeichern können. In allen Fällen ist zum Nachweis durch die prüfende Stelle, die mit einer eigenen Prüf-App ausgestattet ist, jeweils ein Lichtbildausweis oder Reisepass erforderlich.

Neben der App ist das Konsortium damit beschäftigt, die zahlreichen unterschiedlichen Impforte an das System anzubinden, was sich schwierig gestaltet, weil schon die Impfzentren unterschiedliche Softwarelösungen nutzen. Hinzu kommen impfende Arztpraxen mit unterschiedlichen Praxisverwaltungssystemen und bald wohl auch verstärkt Betriebsärzte. Zudem muss die technische Lösung auch mit dem europäischen Gateway für den länderübergreifenden digitalen Impfnachweis funktionieren. Deutschland beteiligt sich vom 1. Juni an einer Pilotphase und ist somit von Beginn an dabei.

Briefe sollen Ansturm auf Impfzentren verhindern

Über das technische Gerüst (»Backend«) für die CovApp-Anwendung habe man in den letzten Tagen bereits mehrere Tausend Zertifikate erfolgreich testweise erstellt, im nächsten Schritt würden einzelne Impfzentren und Arztpraxen in die Tests einbezogen. In der dritten Phase soll das System in einem Impfzentrum pro Bundesland mit echten Daten von Impflingen in der Praxis erprobt werden. »Wir reden über Wochen für die weitere Testung und den Einführungsprozess«, heißt es im Gesundheitsministerium.

Mit dem Briefversand der QR-Codes wollen die Verantwortlichen vermeiden, dass die bis dahin wohl mehr als zehn Millionen doppelt Geimpften Impfzentren und Arztpraxen stürmen, um rechtzeitig vor der Urlaubssaison an ihr digitales Zertifikat zu kommen. Zudem kann es die zuletzt weithin kritisch diskutierte Manipulations- und Missbrauchsgefahr verringern, wenn die Impfstellen selbst ihren dort bekannten Impflingen ihren Status per Briefpost bescheinigen. Die gelben Impfbücher lassen sich leicht fälschen, Ärzte und Apotheken hätten die Echtheit der Einträge kaum zuverlässig überprüfen können.