Falschinformationen in der Coronakrise WhatsApp beschränkt das Weiterleiten oft geteilter Nachrichten

WhatsApp wird in der Coronakrise intensiv genutzt. Über den Messenger machen allerdings immer wieder Falschinformationen die Runde. Mit einer kleinen Änderung will die Facebook-Tochter das eindämmen.
WhatsApp: Während der Coronakrise steigt die Nutzungszeit

WhatsApp: Während der Coronakrise steigt die Nutzungszeit

Foto: Valentin Wolf/ picture alliance / imageBROKER

Der "italienische Arzt" aus dem Shenzhener Krankenhaus. Die blonde Frau, die berichtet, wie "hier in Italien" Menschen angeblich "wie die Fliegen" sterben. Oder auch die gefälschte SPIEGEL-Meldung zur Verkürzung der Sommerferien in Bayern: Auf WhatsApp machen während Coronakrise zahlreiche falsche oder zumindest fragwürdige Informationen die Runde, vom außer Kontrolle geratenen Aprilscherz bis zur Panikmache.

WhatsApp hat jetzt eine kleine Änderung angekündigt , die zumindest die Reichweite von unpersönlichen Nachrichten wie Kettenbriefen einschränken könnte. Häufig weitergeleitete Nachrichten, die der Dienst automatisch mit einem Doppelpfeil-Symbol  markiert hat, lassen sich demnach ab sofort nur noch einzeln an einen Chatpartner weiterleiten. Das heißt etwa: Wer einen Kettenbrief an drei Kontakte schicken will, müsste dies dreimal nacheinander tun.

Der Doppelpfeil auf WhatsApp ist nicht zu verwechseln mit Empfangsbestätigung des Dienstes, also dem grauen beziehungsweise blauen Doppelhaken. WhatsApp vergibt den Doppelpfeil laut eigener Erklärung an Nachrichten, die mehr als fünf Mal von einem Benutzer an einen anderen weitergeleitet wurden.

Begegnet einem eine so markierte Nachricht, sollte man sich also gewarnt fühlen: Hier kommt etwas Unpersönliches, etwas, das schon viele Menschen geteilt haben (und wozu es - wenn es nicht ausgedacht oder völliger Quatsch ist - im Fall von Nachrichten auch längst Medienberichte geben dürfte).

Nicht die erste Regelanpassung

Zugleich bedeutet aber auch der normale, einzelne Weiterleitungspfeil nicht zwingend, dass man zu den ersten Empfängern einer Nachricht gehört. So lassen sich zum Beispiel Kettenbriefe auch einfach kopieren und dann minimal neu umformuliert weiterverbreiten. Für WhatsApp, das wegen seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung den eigentlichen Inhalt der Nachrichten nicht kennt, wäre ein solcher Neuaufguss dann wieder eine neue Botschaft, bis er erneut auf die mehr als fünf Weiterleitungen kommt. (Einige Tipps dazu, wie Sie selbst Falschnachrichten erkennen können, finden Sie hier.)

Die neue Weiterleitungs-Regel ist nicht die erste, mit der WhatsApp Falschinformationen ausbremsen will. So hatte die Facebook-Tochter bereits im Januar 2019 angekündigt, dass sich Inhalte fortan nur noch an maximal fünf Kontakte oder Chatgruppen auf einmal weiterleiten lassen - vorher waren noch 20 Kontakte zugelassen. Wer einen sechsten Kontakt anwählt, bekommt mittlerweile die Nachricht "Du kannst nur in 5 Chats teilen". Ein erneutes Teilen derselben Nachricht an andere Kontakte ist anschließend aber weiter möglich.

In Indien hatte WhatsApp die Fünf-Kontakte-Regel schon im Sommer 2018 aktiviert: In dem Land hatten per WhatsApp verbreitete Gerüchte und Falschnachrichten zu mehreren Tötungen geführt. Ähnliche Probleme hatte es in Indonesien, Myanmar und Sri Lanka gegeben.

Im Kontext der weltweiten Coronakrise schreibt WhatsApp nun, "mit dem gestiegenen Kommunikationsaufkommen in den letzten Wochen" habe man auch einen "signifikanten Anstieg von weitergeleiteten Nachrichten festgestellt, die auch zur Verbreitung von Falschinformationen beitragen können": "Damit die Kommunikation auf WhatsApp sicher und privat bleibt, werden wir die Möglichkeit, häufig weitergeleitete Nachrichten noch weiter zu verbreiten, eindämmen."

mbö
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