Kontaktnachverfolgung Acht weitere Bundesländer wollen Luca-App nutzen

Unter anderem Niedersachsen setzt auf die Luca-App, in der Hoffnung, so Gastronomie und Geschäfte öffnen zu können. Auch wenn noch Fragen in Sachen Sicherheit offen sind, sind offenbar viele Länder interessiert.
Ein Check-in-Code, der mit der Luca-App in Rostock vor einem Geschäft gescannt wird: »Im Kern ein vertrauensbasiertes System«

Ein Check-in-Code, der mit der Luca-App in Rostock vor einem Geschäft gescannt wird: »Im Kern ein vertrauensbasiertes System«

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Niedersachsen will für die geplanten Modellprojekte zur Öffnung von Handel, Kultur und Außengastronomie auch die Luca-App nutzen. Sie soll der Kontaktnachverfolgung dienen, um Infektionsketten unterbrechen zu können. Die Modellprojekte zur Öffnung sollen außerdem an Schnelltests gekoppelt werden.

Die stellvertretende Leiterin des Coronakrisenstabs der niedersächsischen Landesregierung, Claudia Schröder, teilte am Donnerstag mit, dass ihr Land gemeinsam mit Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und dem Saarland über die Anwendung der App verhandele. Verträge zur Nutzung der App sollten spätestens Ende März abgeschlossen sein. Ein Luca-Sprecher bestätigte die Verhandlungen auf SPIEGEL-Anfrage.

Anders als beispielsweise die Corona-Warn-App kann Luca direkt ans Gesundheitsamt angebunden werden, um Kontaktdaten zu übermitteln. Ähnlich wie die Luca-App, die prominent durch den Musiker Smudo unterstützt wird, funktionieren auch andere sogenannte Check-in-Apps. Lesen Sie hier mehr zur Funktionsweise dieser Apps.

Kritik von Sicherheitsexperten

IT-Sicherheitsexperten hatten teilweise Kritik an der App geübt. So ist der Quellcode der App noch nicht offen einsehbar. Das verhindert, dass IT-Experten die Sicherheit der App unabhängig prüfen und mögliche Schwachstellen identifizieren können. Eine Veröffentlichung des Quellcodes soll laut App-Betreibern Ende März nachgeholt werden. Die Macher der Luca-App betonen außerdem, dass die App die Daten dezentral verschlüssele.

Am Montag hatten Forscher der Schweizer Hochschule EPFL eine Analyse des Sicherheitskonzepts von Luca veröffentlicht, welches die Betreiber Anfang März zur Verfügung gestellt hatten. In mehreren Punkten fällt die App hinter ihren eigenen Sicherheitsversprechen zurück, fasst das Fachportal Netzpolitik.org die Ergebnisse der Studie zusammen . Die Studie  wurde allerdings noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet.

»Das System ist im Kern ein vertrauensbasiertes System«, weist die an der Studie beteiligte Carmela Troncoso im Gespräch mit Netzpolitik.org auf das Problem hin, dass viele Daten zentral verarbeitet würden. Das wiederum erhöhe die Gefahr von Missbrauch, schlussfolgern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Luca-Betreiber antworteten darauf, dass das »Luca-System über keine zentrale Stelle verfügt, die Daten allein entschlüsseln könnte«.

Mehrere Bundesländer nutzen Luca bereits

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sowie Kommunen in Thüringen und Baden-Württemberg nutzen die Luca-App bereits. Im Falle von Mecklenburg-Vorpommern hatte die Landesregierung für eine Lizenz zur Nutzung der App 440.000 Euro bezahlt. Laut einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks ist in Niedersachsen bereits die Kommune Osnabrück an die App angebunden .

Die Modellprojekte in Niedersachsen sollen neben dem Einzelhandel die Außengastronomie, Kultureinrichtungen einschließlich Theatern und Kinos sowie Fitnessstudios beinhalten, sagte der Chef der Staatskanzlei, Jörg Mielke. Die Projekte sollen am 6. April beginnen und zunächst drei Wochen laufen. Über die Auswahl der Kommunen, die bereits in großer Zahl Interesse angemeldet haben, solle bis Samstag entschieden sein.

Auch Testzentren angeschlossen

Wie die Luca-Betreiber am Donnerstag mitteilten, soll über die App künftig auch die Dokumentation von verifizierten negativen Schnelltest-Ergebnissen möglich sein, im ersten Schritt soll das mit den QR-Codes der Ergebnisse von 250 Schnelltestzentren in Deutschland gehen.

Somit sollen Nutzerinnen und Nutzer der Luca-App auf ihrem Smartphone über einen QR-Code das negative Ergebnis eines solchen Tests vorzeigen können. Die Testergebnisse lägen nur lokal auf dem Gerät des Nutzers vor, heißt es von den Betreibern.

Innerhalb der letzten zwei Wochen hätten sich außerdem insgesamt 98 Gesundheitsämter an das System angeschlossen, erklärten die Betreiber am Donnerstag.

hpp/dpa