Schutz vor Infektionen Diese Apps helfen, Abstand zu halten

Einkäufe und Bahnfahrten lassen sich während der Corona-Pandemie kaum vermeiden: Wir zeigen Apps, die helfen, Abstand zu halten und den richtigen Zeitpunkt für einen Supermarktbesuch zu planen.
Das Frühlingswetter im Café genießen - aber bitte mit Abstand

Das Frühlingswetter im Café genießen - aber bitte mit Abstand

Foto: Leif-Henrik Piechowski/ imago images/Lichtgut

Entwickler auf der ganzen Welt tüfteln an Apps, um mögliche Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus nachzuvollziehen. Auch Deutschland entwickelt eine solche Warn-App, die im Juni veröffentlicht werden soll. Doch bereits jetzt gibt es für iPhones und Android-Handys Anwendungen, die helfen sollen, die Abstandsregeln einzuhalten - und damit das Infektionsrisiko zu minimieren.

Experten gehen davon aus, dass Sars-CoV-2 vor allem über die Luft übertragen wird. Die Ansteckungsgefahr ist Studien zufolge in Innenräumen am größten, wenn man sich länger dort aufhält. Doch an Einkäufen im Supermarkt und Fahrten mit der Bahn führt kaum ein Weg vorbei. Nachdem jetzt auch wieder Sportgeschäfte und Elektronikmärkte geöffnet haben, tummeln sich auch dort wieder Menschen.

Um das Risiko einer Infektion zu vermeiden, sollte man ständig Abstand halten und sich den richtigen Zeitpunkt für den Einkaufsbummel auswählen. Wir stellen Apps vor, die dabei hilfreich sind.

Auf Distanz gehen mit der UN-App

Mit sogenannten Tracing-Apps sollen Nutzer gewarnt werden, wenn man sich zu nahe bei Covid-19-Infizierten aufgehalten hat. In vielen Ländern werden solche Apps entwickelt. Die Anwendung "1point5"  für Android-Smartphones  basiert auf einem ähnlichen Prinzip und soll helfen, den geforderten Minimalabstand von 1,5 bis 2 Metern zu seinen Mitmenschen einzuhalten. Die App der Vereinten Nationen (UN) alarmiert den Nutzer immer dann, wenn ein Gerät mit aktiviertem Bluetooth weniger als 1,5 Meter entfernt ist.

Der Nutzer kann auswählen, ob nur Smartphones mit der installierten "1point5"-App auf Distanz gehalten werden sollen - oder einfach alle Bluetooth-Geräte. Die UN-App erledigt ihre Arbeit im Test mittelmäßig. Manche Geräte werden sehr schnell erkannt, andere gar nicht. Die App entzieht dem Akku zudem viel Energie, da ständig die Umgebung gescannt wird. Geräte im eigenen Haushalt sollte man dringend auf die Ausnahmeliste der App setzen. Sonst vibriert das Telefon ständig und meldet sich auch dann, wenn man sich dem eigenen Laptop nähert.

Warnung vor vollen Supermärkten

Die Entwickler des britischen Start-ups Lanterne wollen Nutzer mit der App "Crowdless"  für iOS  und Android  vor dem Einkauf informieren, ob der Supermarkt gerade zu voll ist. Ampelfarben zeigen an, ob sich die Anzahl der Kunden im grünen oder schon im roten Bereich bewegt. Laut den Entwicklern wird die Besucherzahl in Echtzeit angezeigt. Der Prozentwert basiert auf Daten von Drittanbietern wie Google Maps und Meldungen von Nutzern der App.

Stichproben zeigen, dass die Ampel lediglich als grober Richtwert mit starken Schwankungen angesehen werden kann. Dem Gemüsemarkt an der Ecke, in dem gerade zwei Personen einkaufen, wird schon mal eine Auslastung von 50 Prozent zugewiesen. Angaben von Nutzern sollen die Daten verbessern können. Noch sind die Nutzerzahlen mit weltweit etwa 60.000 und rund 15.000 in Deutschland aber zu gering. Auch feilen die Anbieter noch an einigen Problemen wie etwa Feiertagen, an denen derzeit immer noch eine Auslastung der Geschäfte angezeigt wird. "Wir arbeiten an einer Lösung", teilt ein Sprecher auf Anfrage mit.

Einkaufstour abseits der Stoßzeiten

Die App  "Google Maps"  für iOS  und Android  zeigt nicht nur Autofahrern an, wie voll die Straßen sind. Der US-Konzern sammelt auch Bewegungsdaten, wenn App-Anwender und Android-Nutzer in den Supermarkt, in den Zoo und ins Museum gehen. Daraus kann Google sowohl Stoßzeiten errechnen als auch durchschnittliche Wartezeiten ablesen. In der Coronakrise helfen diese Angaben, lange Schlangen zu vermeiden. Doch auch hier sind die Angaben nur Richtwerte. Wenn die Postfiliale laut Google gerade "nicht zu stark besucht" sein soll, kann sich davor trotzdem gerade eine lange Warteschlange gebildet haben.

Google zeigt die statistisch errechneten Besuchszeiten als Balkendiagramme an. Je höher die Balken zu einer gewissen Uhrzeit sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort dann viel Betrieb ist. Je kleiner die Balken zu einer gewissen Uhrzeit sind, desto größer ist die Chance auf kurze Wartezeiten und genügend Abstand. Google zeigt in seiner App auch Live-Daten an. Wie genau diese Infos sind, hängt jedoch stark davon ab, wie viele Google-Nutzer insgesamt sich gerade dort aufhalten.

Volle Züge vermeiden

Pendler und Urlauber sollten Fahrten in vollen Zügen aufgrund der Coronakrise vermeiden. Auch die Deutsche Bahn (DB) will verhindern, dass Fahrgäste zu dicht beieinandersitzen und hat daher die maximale Auslastung in ICE und anderen Zügen halbiert. Wie eine DB-Sprecherin dem SPIEGEL bestätigte, werden in der App mittlerweile alle Züge mit 50 Prozent der gebuchten Plätze als voll besetzt angezeigt. Das hatte der Konzern bereits vor ein paar Tagen angekündigt.

Die App  "DB Navigator"  für iOS  und Android  zeigt den Nutzern an, wenn es zu eng wird. Die Bahn errechnet für jede Verbindung eine mögliche Auslastung. Wenn viele Reisende einen Zug buchen, warnt der DB Navigator vor einer "sehr hohen Auslastung". Die Bahn empfiehlt dann, einen Sitzplatz zu reservieren oder gleich einen Zug zu einer anderen Uhrzeit zu wählen. Bei einer "geringen bis mittleren Auslastung" stehen die Chancen gut, dass genug Platz im Abteil ist, um Abstand zu halten.

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