Systemvoraussetzungen Auf welchen Handys die Corona-Warn-App läuft - und auf welchen nicht

Kaum war die Warn-App der Bundesregierung verfügbar, gab es die ersten Klagen, weil sie nicht auf jedem Smartphone läuft. Was also muss das Handy können, damit es mit der App klappt?
Foto: imago stock/ obs

Über mangelndes Interesse an der neuen Corona-Warn-App kann sich die Bundesregierung nicht beklagen. Schon wenige Stunden nach deren Veröffentlichung zeigte Googles Play Store mehr als eine halbe Million Downloads  an. Auch im App Store dürften die Zahlen deutlich sechsstellig sein, doch werden dort keine konkreten Zahlen genannt .

Bei Google hatten bis zum frühen Dienstagnachmittag knapp 15.000 Nutzer eine Bewertung der App abgegeben, bei Apple waren es zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 6000. Die allermeisten davon waren positiv. Im Durchschnitt gaben Android-User der App 4,7 von 5 möglichen Punkten, die iPhone-Nutzer vergaben 4,8 von 5 Punkten.

Die Mehrheit scheint also zufrieden zu sein. Doch parallel zu diesen sehr positiven Eindrücken erreichten uns in der Redaktion zahlreiche Zuschriften von Lesern, auf deren Smartphone die App nicht zum Laufen zu bringen ist. Manche fragten verwundert, woran das denn liegen könne, schließlich sei die App doch kostenlos und freiwillig. Andere ahnten schon, woran es liegen könnte und fragten, ob ihr Smartphone dafür womöglich zu alt ist.

Auch iPhones sind nicht für die Ewigkeit

Genau das ist aber tatsächlich die korrekte Antwort: Apple und Google, die gemeinsam die Technologie entwickelt haben, auf der die deutsche Corona-Warn-App fußt, geben nur eine Voraussetzung an, damit die App funktioniert: Auf dem jeweiligen Smartphone muss entweder Android 6 oder, bei iPhones, iOS 13.5 installiert sein.

Für iPhone-Nutzer ist die Sache damit klar: Weil iOS 13 als Minimum ein iPhone 6s oder SE erwartet, sind damit alle Nutzer raus, die noch ein älteres Modell verwenden, also etwa ein iPhone 4s oder ein iPhone 6 Plus. Wie viele Anwender diese Einschränkung in Deutschland betrifft, lässt sich bestenfalls grob abschätzen. Laut Apple ist auf "77 Prozent aller in den letzten vier Jahren eingeführten Geräte " bereits iOS 13, das wiederum die Voraussetzung für iOS 13.5 ist, installiert.

Die Beschränkung auf die vergangenen vier Jahre klammert alle Geräte aus, die vor dem iPhone 7 auf den Markt kamen. Neben den 23 Prozent, die iOS 13 einfach noch nicht installiert haben, gibt es also noch eine unklare Zahl von älteren Apple-Handys, auf denen die Corona-Warn-App auch nicht für Geld und gute Worte laufen wird.

Ein paar Millionen könnten durchs Raster fallen

Bei Android-Handys, die in Deutschland laut Statista einen Marktanteil von fast 80 Prozent  haben, ist die Lage wegen der sogenannten Fragmentierung des Marktes noch komplizierter. Android-Smartphones werden von vielen verschiedenen Herstellern gebaut, die teilweise wenig Zeit und Geld in Entwicklung und Verteilung von Softwareupdates stecken. Das führt dazu, dass das aktuelle Android 10 erst auf einem Drittel der Geräte läuft. Viele ältere Modelle laufen noch mit früheren Systemversionen. Doch laut dem Analysedienst Statcounter  verfügen mehr als 90 Prozent der Geräte über eines der zur Corona-Warn-App kompatiblen Betriebssysteme Android 6,7,8 und 9.

Die Zahl jener, die wegen zu alter Smartphones von der Nutzung der Corona-Warn-App ausgeschlossen sind, dürfte dennoch beträchtlich sein. Ausgehend von insgesamt rund 50 Millionen in Deutschland aktiven Smartphones käme man, ausgehend von den obengenannten Zahlen, auf etwa fünf bis sechs Millionen inkompatible Geräte. Ohne konkrete Zahlen von den Herstellern selbst ist das aber nur eine grobe Schätzung.

Eine klare Grenze, ab welchem Baujahr etwa Smartphones nicht mehr mit der Warn-App kompatibel sind, gibt es nur bei Apples iPhones. Was vor 2015 auf den Markt kam, wird mit der Corona-Warn-App nicht funktionieren, auch wenn man es gerade erst - gebraucht - gekauft hat. Ein iPhone SE, 6S oder 6S Plus muss es schon sein. Der Android-Markt ist da etwas gnädiger, zumindest bei manchen Markengeräten. So läuft beispielsweise auf einem sechs Jahre alten Samsung Galaxy S5 das zwar total veraltete, aber dennoch zur Corona-Warn-App kompatible Android 6.01.

Wer zu denen gehört, die nun wegen ihrer zu alten Hardware von der Nutzung der App ausgeschlossen werden, kann man nur vermuten. Menschen mit geringem Einkommen oder solche, die von Hartz IV leben, Rentner denen die neueste Technik nicht so wichtig ist und Kinder, die das Handy bekommen, das vorher schon Mama und Papa jeweils drei Jahre lang benutzt haben.

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Probleme für einige Huawei-Nutzer, Blackberrys sind ganz raus

Zumindest etwas Geduld müssen jene aufbringen, die sich eines der neueren Huawei-Smartphones, etwa das P40 Pro, gekauft haben, auf denen der Hersteller wegen US-Sanktionen keine Google-Dienste installieren darf. Zwar verspricht das Unternehmen, dass die Warn-App auch auf allen Huawei-Handys  laufen wird, doch wann es so weit sein wird, wollte das Unternehmen auf Anfrage nicht konkretisieren.

Vollkommen und grundsätzlich von der Nutzung der App ausgeschlossen sind Anwender, die heute noch einen Blackberry oder gar ein Windows Phone benutzen. Einerseits unterstützen sie technisch nicht die Schnittstelle, die die App benutzt. Zum anderen sind diese Telefone auf dem Markt mittlerweile derart seltene Randerscheinungen, dass die Kosten für die Entwicklung einer eigenen App für sie wohl kaum zu rechtfertigen gewesen wären.

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