Digitale Pandemie-Bekämpfung Corona-Warn-App soll ab Mitte Juni einsetzbar sein

Bis sich die deutsche Anti-Corona-App aufs Handy laden lässt, werden wohl noch mehrere Wochen vergehen. Einblicke in den Programmcode soll es für interessierte Personen aber schon sehr bald geben.
Foto: Hauke-Christian Dittrich/ dpa

Die geplante Corona-Warn-App der Bundesregierung wird voraussichtlich Mitte Juni in einer ersten Version zur Verfügung stehen. Dies sei ein realistischer Zeitraum, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen. Schon kommende Woche wollen die an der Entwicklung beteiligten Unternehmen T-Systems und SAP demnach erste Informationen über Architektur und Struktur des Programmcodes für die Überprüfung durch eine breite Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Offenbar wird dafür die Entwicklungsplattform GitHub genutzt. Dieser Plan passt zu den jüngsten Beschlüssen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Länderchefs, in denen es hieß, die deutsche App werde "transparent 'Open Source' bereitgestellt".

Die erste Version der vom Robert Koch-Institut (RKI) herausgegebenen App werde sich sehr stark auf die Kernfunktion der Unterbrechung von Infektionsketten konzentrieren, hieß es weiter. Erst in einer späteren zweiten Stufe werde eine freiwillige Datenspende an einen Forschungsserver möglich sein, über die das RKI neue Erkenntnisse zur Epidemie gewinnen möchte. Möglichkeiten für ein europaweites Zusammenwirken der App mit den Applikationen anderer Länder würden jedoch bei der Entwicklung mitgedacht. Die Installation der deutschen App soll freiwillig sein, Bund und Länder wollen aber zur Nutzung der Software "aufrufen".

Die Akzeptanz der Bürger für die App hänge maßgeblich davon ab, dass regierungsunabhängige Netzexperten sehr früh in den Code hineinschauen könnten, wurde in den Kreisen die Entscheidung begründet, so früh wie möglich Informationen über den Programmcode zu veröffentlichen. Mit einer größtmöglichen Akzeptanz der auf Freiwilligkeit basierenden App sei nur zu rechnen, wenn Datenschutz und Informationssicherheit gewährleistet seien.

Die App ist kein Allheilmittel

Zugleich wurde unterstrichen, dass die App weder ein Allheilmittel noch ein Freifahrtschein in der Coronakrise sein werde. Die Identifizierung und Unterbrechung von Infektionsketten sei lediglich der zweite Schritt in der Pandemie-Bekämpfung - der erste sei, überhaupt Ansteckungen zu vermeiden. Viel zentralere Bedeutung hätten Abstands- und Hygieneregeln sowie das Tragen von Alltagsschutzmasken für Mund und Nase.

Die App wurde aber auch als "wichtiges Tool" bezeichnet, mit dem sich Infektionsketten "umfassender" als bisher erkennen ließen. Bislang müssten sich Corona-Infizierte im Gespräch mit dem Gesundheitsamt an alle Kontaktpersonen erinnern und diese benennen. Dies sei aber beispielsweise nicht möglich, wenn die infizierte Person in Bus oder Bahn neben Unbekannten gesessen habe.

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Die App soll mithilfe der Bluetooth-Technologie aufzeichnen, wann und wie lange sich jemand in der Nähe einer anderen Person aufgehalten hat, die an ihrem Smartphone ebenfalls diese Funktion eingeschaltet hat. Infiziert sich jemand mit dem neuartigen Coronavirus, kann er über die App anonym diejenigen informieren, die sich durch ihre Nähe zu ihm angesteckt haben könnten.

Nach einigem Hin und Her hatte sich die Bundesregierung für eine "dezentrale Software-Architektur" entschieden. Das bedeutet, dass die Daten jeweils nur auf den Nutzerhandys und nicht auf einem zentralen Server gespeichert werden.

mbö/dpa/AFP