Studie zur Corona-Warn-App Für einen Fünfer pro Download wären die Nutzer dabei

Appelle an die Bevölkerung werden kaum helfen, die Downloadzahlen der Corona-Warn-App zu steigern, sagen Forscher. Mit ein paar Euro als Belohnung sähe die Sache schon ganz anders aus.
Attraktiver durch Belohnung: Corona-Warn-App

Attraktiver durch Belohnung: Corona-Warn-App

Foto:

Kira Hofmann / dpa-Zentralbild

Mit warmen Worten und Faktenvideos wird das nichts: Die Corona-Warn-App wird längst nicht mehr so häufig heruntergeladen wie kurz nach ihrer Veröffentlichung. Die ersten zehn Millionen Downloads waren nach wenigen Tagen erreicht, für die nächsten zehn Millionen brauchte es vier Monate, und in den drei Monaten danach sind nur fünf Millionen hinzugekommen. Macht insgesamt 25 Millionen . Theoretisch  könnten es rund doppelt so viele sein. Dabei gilt die App als wichtiges Hilfsmittel für die Kontaktverfolgung während der Corona-Pandemie

Deutsche Forscherinnen und Forscher haben nun herausgefunden, wie die Bundesregierung die Downloadzahlen beflügeln könnte. In einer Studie kommen die Wissenschaftler der Uni Konstanz sowie der Hertie-School und der Humboldt-Universität in Berlin zum Ergebnis, dass finanzielle Anreize die Anzahl der Installationen deutlich erhöhen können. Selbst kleine Beiträge in Höhe von einem, zwei oder fünf Euro steigern laut Studie die Installationsrate um bis zu 17 Prozent. 

Mehr als 2000 Teilnehmer hatten an der Studie teilgenommen, die am Donnerstag im Wissenschaftsmagazin »Nature«  veröffentlicht worden ist. Seit dem Start der Corona-Warn-App am 16. Juni wurden die Teilnehmer bis in den September hinein immer wieder zu ihrem Verhalten befragt. Ein Teil der Probanden stimmte zudem einem Tracking zu, das erfasste, ob, wann und wie oft sie die Corona-Warn-App benutzten. Aufgrund technischer Probleme klappte das allerdings nur auf Android-Telefonen, die iPhone-Daten waren fehlerhaft. 

Junge Menschen verzichten eher auf Installation 

Die Studie offenbart ein tückisches Problem: Demnach verzichteten vor allem jüngere Menschen mit vielen sozialen Kontakten, Nahverkehrsfahrten und häufigen Besuchen in Restaurants und Bars eher darauf, die App zu installieren. Das ergaben die Umfragen während der Pandemie im vergangenen Jahr. Das ist laut den Forschern ungünstig, da bei diesem Lebensstil das Infektionsrisiko viel höher ist. 

Im Gegensatz dazu zeichnete sich ab, dass ältere Menschen und Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf die App eher benutzen. Auch jene mit einer formal höheren Bildung und mit besserem Einkommen installierten die Corona-Warn-App überdurchschnittlich oft. »Diejenigen, die die Anweisungen befolgt haben, eine Maske zu tragen, häufig die Hände zu waschen und Abstand zu halten, tendierten dazu, die App stärker zu nutzen«, heißt es zudem in dem Bericht. 

Mit Fakten über den Datenschutz und Appellen an die Bürger ist laut Studie kaum etwas zu holen: Das hatten die Forscher während der ersten Welle im März ausprobiert und die Teilnehmer über die Funktionsweise der App und die Vorteile für Nutzer und Gesellschaft zu motivieren versucht. Das überzeugte allerdings kaum jemanden. Die App-Downloads erhöhten sich erst mit den Bonuszahlungen während der zweiten Welle im August. 

Während die Studie mit einem Budget von rund 30.000 Euro für Befragung und Arbeitszeitkosten laut den Wissenschaftlern verhältnismäßig günstig gewesen sei, könnten die Mini-Belohnungen in der Praxis ganz schön teuer werden: Selbst wenn jeder Nutzer nur einen Euro für den Download bekäme, würde das den Bund insgesamt rund 25 Millionen Euro kosten, um die 60-Prozent-Quote zu erreichen. Das ist ein Drittel der Kosten, die für die Entwicklung der App fällig waren

Eine Mindesterfolgsgrenze gibt es laut Gesundheitsministerium nicht, teilte eine Sprecherin am Freitag dem SPIEGEL mit. Jede Nutzerin und jeder Nutzer der App trage zur Pandemiebekämpfung bei. Auf die Frage, ob man sich Bonuszahlungen für Downloads vorstellen könne, äußert sich das Ministerium nicht. Man entwickle die App stetig weiter und führe neue Funktionen wie ein Kontakttagebuch  ein, sagt die Sprecherin. »Der Erfolg der App beruht auf Vertrauen.« Am Prinzip der Freiwilligkeit und an den hohen Datenschutzanforderungen ändere sich nichts.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.