Corona-Warn-App SPD-Chefin Esken plädiert für ein Aufweichen von Handyverboten an Schulen

Kontakt-Verfolgungen in ganz Deutschland, außer in den Klassenräumen? SPD-Chefin Saskia Esken fordert, dass Schule ihre Handyverbote lockern - auch wegen der neuen Corona-Warn-App.

Saskia Esken ist für eine Lockerung der von manchen Schulen ausgesprochenen Handyverbote. Das sagte die SPD-Vorsitzende im Zuge der Veröffentlichung der offiziellen deutschen Corona-Warn-App für Smartphones. Es sei "durchaus geboten, dass auch Schülerinnen und Schüler die App nutzen", sagte Esken dem "Handelsblatt" . "Ich bin hier klar für eine Lockerung. Aber nicht nur wegen der Corona-Warn-App." Der verantwortliche Umgang mit dem Smartphone müsse auch in der Unterrichtssituation gelernt werden, sagte die Sozialdemokratin. "Verbote sind das Gegenteil von Lernen."

Vor Esken hatte sich unter anderem bereits Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, für ein Aufweichen des Handyverbots an Schulen ausgesprochen. Wenn die Schulen wieder regulär aufmachten und das Risiko für neue Infektionen zunehme, sei es blödsinnig, wenn die Schülerinnen und Schüler die Corona-Warn-App nicht nutzen könnten, sagte Meidinger dem SPIEGEL.

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, sagte am Dienstag zum selben Thema: "Über ein Handyverbot an einer Schule entscheiden Lehrkräfte, Eltern und Schüler gemeinsam entsprechend der spezifischen Situation vor Ort". Dies sei sinnvoll, damit die Schulgemeinschaft den jeweiligen Gegebenheiten bestmöglich Rechnung tragen könne: "Wenn das Handy auf Grund eines schulinternen Verbots in der Tasche bleiben soll, wird das der Funktion der App vermutlich nicht im Wege stehen." Nicht ersetzen könne die Anwendung die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Diese seien weiterhin das A und O.

Kritik an Jens Spahn

Mit Blick auf die Einführung der App, zu der es später kam, als anfangs erwartet, kritisierte Saskia Esken im "Handelsblatt" Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dessen anfängliche Vorstöße, etwa die zunächst geplante Nutzung von Standortdaten, seien nicht wirklich durchdacht gewesen. "Auf dieser Basis hätten wir eine erstklassige Überwachungs-App bekommen." Damit habe der Minister viel Porzellan zerschlagen und auch Vertrauen verspielt, so Esken.

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes ist am frühen Dienstag zum Download bereitgestellt worden. Nutzer konnten die App bereits in der Nacht zum Dienstag auf ihr Smartphone herunterladen. In Google Play Store war sie bereits um kurz nach zwei Uhr morgens verfügbar, bei Apple dauerte es etwas länger. Die App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen. Mehr dazu lesen Sie hier.

mbö/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.