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Probleme bei Corona-App Testlabors widersprechen Telekom-Chef

Noch immer werden nicht alle Infektionen an die Corona-App gemeldet. Telekom-Chef Höttges gibt den Labors die Schuld. Die wehren sich und klagen über Versäumnisse des Konzerns.
"Leider nicht alle Vorschläge aus den Gesprächen aufgenommen": Mitarbeiter eines Labors mit Rachenabstrichröhrchen im März 2020

"Leider nicht alle Vorschläge aus den Gesprächen aufgenommen": Mitarbeiter eines Labors mit Rachenabstrichröhrchen im März 2020

Foto: Felix Kästle/ dpa

Medizinlabors wehren sich gegen den Vorwurf der Deutschen Telekom, sie verhielten sich in der Pandemie unsolidarisch. Das berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Zuvor hatte Telekom-Chef Timotheus Höttges bei einer Bilanz nach 100 Tagen Corona-Warn-App einige Laborbetreiber im Beisein von Kanzleramtschef Helge Braun und Gesundheitsminister Jens Spahn scharf angegriffen.

"Nicht alle Labors haben das gleiche Verständnis von Solidarität", sagte Höttges, 15 von ihnen seien "nicht bereit", die nötige Laborschnittstelle einzurichten, um die Testergebnisse direkt per App an die Betroffenen weiterzugeben.

Probleme mit Betriebssystemen

Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) weist den Vorwurf zurück. Er sieht die Telekom in der Verantwortung. Man habe die Anbindung intensiv unterstützt. "Leider hat die Telekom nicht alle Vorschläge aus den Gesprächen aufgenommen."

Labors, die nicht ans System angebunden sind, können positive Testergebnisse nicht digital an die Warn-App weiterleiten. Nutzerinnen und Nutzer sind dann auf die weniger datenschutzfreundliche Hotline der Warn-App angewiesen. Nur so können sie ihr Testergebnis an die Warn-App weitergeben, was wiederum wichtig ist, damit die App ihre Kontakte überhaupt warnen kann.

DER SPIEGEL 40/2020

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Die Telekom müsse die Installationen so gestalten, "dass diese für die Labors ohne große finanzielle Aufwendungen und betriebssystemübergreifend einfach realisiert werden können", hieß es von ALM. Bisher klappt das über den Telekom-Dienstleister Bucher nur mit Windows-Servern. Labors, die auf andere Software - wie zum Beispiel Linux - setzen, müssen sich auf eigene Kosten umstellen.

Die Deutschen Telekom ergänzte auf Anfrage, dass man durchaus eine vom Betriebssystem der Labors unabhängige Anbindung anbiete. Diese werde auch bereits von einigen Labors in Anspruch genommen.

Kein Geld für Labor-IT aus Warn-App-Budget

Das Bundesgesundheitsministerium oder die Telekom stellen den Labors kein Geld für möglicherweise notwendige technische Updates aus dem Budget der Corona-Warn-App zur Verfügung.

Die Telekom wird nach aktuellen Planungen bis 2021 rund 50 Millionen Euro von der Bundesregierung für die Warn-App erhalten. Für SAP sind bis 2021 rund 8,5 Millionen veranschlagt. Telekom-Chef Höttges hatte am Mittwoch ins Spiel gebracht, die Politik solle mehr Druck auf die Labors ausüben, die bisher nicht angeschlossen sind.

Der Verband der Akkreditierten Labore fordert von der Telekom eine Lösung. "Das ist wichtiger als öffentliche Kritik an denjenigen, die mit ihrer diagnostischen Arbeit einen wichtigen Beitrag leisten, damit unsere Gesellschaft die Pandemie besser einschätzen und eingrenzen kann."