Kontaktermittlung von Infizierten Bundesregierung hält Tracing-App für "ganz zentralen Baustein"

Noch hat die Öffentlichkeit die geplante datenschutzfreundliche App zur Kontaktermittlung von Coronavirus-Infizierten nicht zu sehen bekommen. Aber die Bundesregierung schwört die Bürger schon darauf ein.
Bundeswehrsoldaten in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin testen eine App, die nach Kontakt zu Coronavirus-Infizierten warnt

Bundeswehrsoldaten in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin testen eine App, die nach Kontakt zu Coronavirus-Infizierten warnt

Foto: TORSTEN KRAATZ/ AFP

Die Entwicklung und freiwillige Nutzung einer Anti-Corona-App kann nach Auffassung der Bundesregierung entscheidend dazu beitragen, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Eine entsprechende Anwendung für Smartphones sei ein "ganz zentraler Baustein", wenn man die Ansteckungsquote senken wolle, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Die deutsche App solle mit Software-Anwendungen in anderen europäischen Staaten kompatibel und in den nächsten Tagen oder Wochen zum Download verfügbar sein.

Ziel ist es, möglichst viele Kontaktpersonen von Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, zeitnah und anonym über ihr Risiko zu informieren. Bisher läuft die Information über Mitarbeiter der Gesundheitsämter. Diese bemühen sich, alle Kontaktpersonen zu erreichen, an die sich der Infizierte erinnert.

Viele Fragen sind noch offen

Für den Einsatz einer App, die über Bluetooth Low Energy funktioniert, die Geräte der Nutzer nur in Form von wechselnden Zufallsnummern speichert und keine Standortdaten erfasst, zeichnet sich ein breiter politischer Konsens ab, angefangen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Seibert sagte, Vorgaben des Datenschutzes würden bei der Entwicklung der App auf jeden Fall beachtet.

Europäische Unternehmen und Forscher unter anderem vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut in Berlin hatten vergangene Woche die technische Grundlage für solche Apps vorgestellt. Pepp-PT heißt sie, Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing: Hier erklären wir, wie die Technik funktioniert.

Zuletzt hatten Bundeswehrsoldaten in Berlin eine auf Pepp-PT basierende App getestet, so sollte der Algorithmus zur Abstandsbestimmung zwischen zwei Nutzer kalibriert werden. Unterschiedliche Betriebssysteme und Geräte können die Genauigkeit der App beeinflussen.

Auch sonst ist der Erfolg einer solchen App kein Selbstläufer: Die Pepp-PT-Initiative will ihren Code veröffentlichen, hat das aber bisher nicht getan. Bisher gibt es auch noch keine darauf basierende App, die der Öffentlichkeit zur Verfügung steht und von unabhängigen Experten untersucht werden könnte. Wer die deutsche Version der App und die dafür nötigen Server betreibt, ist noch nicht bekannt. Und selbst wenn die Technik sich als zuverlässig und datenschutzfreundlich erweisen sollte, ließe sich aus heutiger Sicht allenfalls schätzen, wie viele Menschen sie nutzen müssten, damit sie die Kontaktermittlung und -benachrichtigung von Infizierten so weit beschleunigt, dass es einen Unterschied macht.

Wirtschaftsministerium bereitet Werbekampagne vor

Das Bundeswirtschaftsministerium beginnt dennoch bereits mit Vorbereitungen für die Verbreitung und Bewerbung einer solchen App. Am Dienstag wolle der Beauftragte des Wirtschaftsministeriums für die Digitale Wirtschaft und Start-ups, Thomas Jarzombek (CDU), mit den Verbänden das weitere Vorgehen besprechen, berichtete das "Handelsblatt". "Damit die App wirksam im Kampf gegen das Virus hilft, müssen möglichst viele Menschen in Deutschland und Europa diese App nutzen", sagte Jarzombek.

In Österreich war am Wochenende eine Debatte darüber entbrannt, ob die Nutzung einer solchen App verpflichtend gemacht werden sollte. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hatte sich zunächst dafür ausgesprochen , am Sonntag dann aber gesagt: "Wir bleiben am Weg der Freiwilligkeit".

pbe/dpa/AFP
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