Warnsystem auf Smartphone-Basis Frankreichs "StopCovid"-App zum Start 600.000 Mal heruntergeladen

Bei seiner Corona-Warn-App geht Frankreich einen anderen Weg als Deutschland. Seit Dienstag steht die französische App nun zum Download bereit. Was manche Nutzer jetzt daran stört, war abzusehen.
Frankreichs "StopCovid"-App: Ein anderes Konzept als die deutsche App

Frankreichs "StopCovid"-App: Ein anderes Konzept als die deutsche App

Foto: Masha Macpherson/ DPA

Frankreichs Regierung gibt sich betont zufrieden mit dem Start der französischen Corona-Warn-App "StopCovid". Rund 600.000 Menschen hätten die Anwendung bereits heruntergeladen, sagte der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, am Mittwoch im Fernsehsender France 2. Ein Ziel der Regierung, wie viele Downloads es zum Start hätte geben sollen, sei im Vorfeld nicht formuliert worden. Damit die App aber wirksam sei, müsste sie von mehreren Millionen Französinnen und Franzosen genutzt werden, so O. Die kostenlose Anwendung ist in Frankreich seit dem Dienstag verfügbar, ihre Nutzung ist freiwillig.

"StopCovid" soll mithilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones von Bürgern einander für mindestens 15 Minuten nahegekommen sind. Falls sich später herausstellt, dass sich Nutzer neben einer Person aufgehalten haben, bei der eine Coronavirus-Infektion festgestellt wurde, sollen jene Nutzer über die Software gewarnt werden. "StopCovid" ist für Android-Geräte in Googles Play Store und für iPhones mit dem Betriebssystem iOS im App Store von Apple verfügbar.

Nutzer monieren in ersten Onlinebewertungen zur App, dass die Verbindung per Bluetooth zu viel Akkuleistung verbrauche. Ebenso störten sich Nutzer daran, dass die französische App auf Apple-Geräten nur funktioniert, wenn sie auf dem Smartphone geöffnet ist. Bei einigen Nutzern war es den Kommentaren zufolge auch zu Verzögerungen beim Herunterladen der Anwendung gekommen. Insgesamt ist die App in Apples App Store mit 4,6 von maximal 5 Sternen zunächst aber überwiegend positiv bewertet worden.

Googles und Apples neue Schnittstellen nicht genutzt

Tech-Experten hatten im Vorfeld der Veröffentlichung kritisiert, dass die französische App nicht von den Schnittstellen Gebrauch macht, die Apple und Google kürzlich für Corona-Tracing-Apps für ihre Betriebssysteme iOS und Android bereitstellten: Diese Entscheidung, die unter anderem von den deutschen App-Plänen abweicht, könnte zu einem hohen Stromverbrauch und einer weniger zuverlässigen Bluetooth-Erkennung führen, hieß es.

Zudem gab und gibt es im Fall von "StopCovid" datenschutzrechtliche Bedenken. Ein entscheidender Unterschied zwischen Frankreichs Modell und den Lösungen der US-Konzerne und damit auch dem deutschen Ansatz besteht bei der Frage, wo der Abgleich der Daten stattfindet. Beim Konzept der Franzosen werden die Daten auf einem zentralen Server abgeglichen. Datenschützer hatten das bemängelt und für dezentrale Lösungen plädiert, deren Einsatz Apple und Google mit ihren Schnittstellen nahelegen. Die deutsche Corona-Warn-App, die auf Dezentralität setzt, wird voraussichtlich Mitte Juni fertig.

mbö/dpa
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