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26. März 2015, 09:12 Uhr

Chats bei Tinder

Entwickler täuscht Männer mit Fake-Profilen

Ein Computer-Ingenieur will ein Zeichen setzen gegen den teilweise rüden Umgangston bei Tinder. Mit gefälschten Profilen lockt er Männer in eine Falle - und lässt sie unwissentlich miteinander flirten. Die Dialoge hat er veröffentlicht.

Ein Computer-Ingenieur aus Kalifornien hat männliche Nutzer der Partnerbörsen-App Tinder mit Fake-Profilen getäuscht - und heimlich miteinander verkuppelt. Laut dem Tech-Portal "The Verge" hat der anonyme Entwickler falsche Frauenprofile bei Tinder angelegt, um die männlichen Nutzer mit ihren teilweise rüpelhaften Botschaften an weibliche Mitglieder zu konfrontieren.

Der Entwickler nutzte für seine falschen Profile unter anderem Fotos der YouTube-Künstlerin Boxxy. Er programmierte eine Software, die aktiviert wurde, wenn mindestens zwei Männer sich für das Fake-Profil interessierten. Sobald einer der männlichen Nutzer eine Nachricht an das Lock-Profil schickte, schleuste das Programm die Botschaft einfach durch - und schickte sie an einen anderen Interessenten. Für die Opfer der Aktion sah es dann so aus, als würden sie mit der Tinder-Nutzerin chatten - doch sie antworteten sich gegenseitig.

Der Anlass für die Aktion sei gewesen, dass einige Freundinnen aus dem Umfeld des Entwicklers sich über den rüden Umgangston bei Tinder beklagt hatten. "Die ursprüngliche Idee war, dass man diesen Nutzern einen Spiegel vorhält, um zu sehen, wie sie reagieren", sagte der Computer-Ingenieur gegenüber "The Verge". Zunächst habe er die Nachrichten per Twitter veröffentlichen wollen, doch dann habe er eine Schwachstelle bei Tinder entdeckt. "Tinder macht es einem erschreckend leicht, das System auszutricksen."

"Was hast du zwischen den Beinen?"

Das Ergebnis der Aktion hat der Ingenieur veröffentlicht. Darunter sind einige kuriose Gespräche zwischen den getäuschten Männern: Einige Nutzer zeigen sich irritiert, als ihnen bewusst wird, mit wem sie chatten. Andere werden wütend, viele nehmen es aber auch mit Humor und lachen über sich selbst, als sich die peinliche Situation auflöst.

Ein Nutzer reagiert mit einem verunsicherten "Hä?", als seine vermeintliche Chatpartnerin plötzlich davon spricht, dass sie wohl ein "wahnsinnig überfürsorglicher Vater" wäre. In einem anderen Chat kommt einem Tinder-Nutzer die Situation irgendwann etwas komisch vor. Daher fragt er zur Sicherheit nach: "Lass uns Klartext reden, bevor wir weitermachen: Was hast du zwischen deinen Beinen und wonach suchst du?"

Auch die Befürchtung des Computer-Ingenieurs wird bestätigt, es finden sich tatsächlich einige Macho-Sprüche in den Chat-Protokollen. So schreibt ein Nutzer: "Hey, dein zickiges Gesicht schreckt mich kein bisschen ab." Ein anderer schreibt: "Deine Beine und dein Sideboob machen mich ganz heiß."

Das überrascht den Urheber der Aktion wenig. Doch er wundert sich, dass so wenige Nutzer die Aktion durchschaut und die Männer "alle Zeichen ignoriert" haben, sagt er gegenüber "The Verge". Seine Vermutung: Die Aussicht auf ein schnelles Treffen habe die Nutzer blind gemacht.

jbr

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