Verdacht auf geteilte Abos DAZN loggt Kunden aus

Manche Kunden von DAZN kommen plötzlich nicht mehr in ihre Accounts: Sie brauchen ein neues Passwort, weil sie »möglicherweise« die AGB des Sport-Streamingdienstes missachtet haben sollen.
Sportstreaming-Dienst DAZN: Der Sender überträgt die meisten Champions-League-Spiele

Sportstreaming-Dienst DAZN: Der Sender überträgt die meisten Champions-League-Spiele

Foto: Ina Fassbender / AFP

DAZN fordert einen Teil seiner Nutzerinnen und Nutzer auf, für ihre Accounts neue Passworte festzulegen. »Wir haben ein Nutzungsverhalten festgestellt, das möglicherweise nicht mit unseren AGBs übereinstimmt«, heißt es in entsprechenden E-Mails des Sportstreaming-Dienstes. »Um dein Konto zu schützen, haben wir dich vorübergehend von allen Geräten abgemeldet und bitten dich, dein Passwort zurückzusetzen.« An wie viele Kunden genau die E-Mails gingen, ist unbekannt.

Das Zwangs-Ausloggen dürfte ein Vorstoß von DAZN gegen das sogenannte Account-Sharing  sein, das unerlaubte Teilen von Nutzerkonten. Die Nutzungsbedingungen von DAZN sehen vor, dass nur der Accountinhaber selbst den Streamingdienst nutzen darf.

Pro Abo sind zwar zwei Streams gleichzeitig möglich. DAZN sieht darin jedoch nur die Möglichkeit , dass seine Kunden zum Beispiel zwei wichtige Fußballspiele zeitgleich schauen können. Anders als bei Netflix oder Spotify gibt es bislang kein DAZN-Abomodell, das offiziell auf die Nutzung des Dienstes etwa durch mehrere Familien- oder WG-Mitglieder ausgelegt ist.

»Du bist berechtigt, den DAZN-Service auf höchstens zwei Geräten gleichzeitig zu nutzen«, heißt es wörtlich in den AGB von DAZN. »Entsprechend der Ziffer 8.1.2 stimmst Du zu, dass Deine Login-Daten nur Dich betreffen und nicht mit anderen Personen geteilt werden dürfen.« Auf DAZNs Website heißt es : »Wichtiger Hinweis: Der Account darf nicht mit anderen Personen geteilt werden.«

Manche Nutzer fühlen sich zu Unrecht verdächtigt

Schon im Februar hatte DAZN E-Mails verschickt, in denen das Unternehmen manche Kunden darauf hinwies, »dass unsere Nutzungsbedingungen das Teilen deiner Anmeldedaten mit Dritten verbieten« oder sie »noch mal erinnerte«, ihre Anmeldedaten nicht an andere weiterzugeben. Aus solchen Hinweisen und Erinnerungen wurden in einigen Fällen nun schwer zu ignorierende Aufforderungen: Ohne ein neues Passwort kommen die diesmal kontaktierten Nutzer nicht mehr in ihre Accounts.

Sowohl dem SPIEGEL, als auch der Tech-Seite Caschys Blog , teilten einzelne DAZN-Kunden mit, dass sie die jetzige Mail auch ohne vorheriges Teilen ihres Accounts mit anderen Personen erhalten hätten. In einem dieser Fälle, der dem SPIEGEL bekannt ist, ging die Mail an einen Intensivnutzer, der verschiedene Endgeräte nutzt und auch mal zwei Übertragungen gleichzeitig anschaut – seinen Account laut eigenen Angaben aber niemand anderem zur Verfügung stellt.

DAZN hat auf eine Anfrage zum Thema noch nicht reagiert. Im Zuge der Anfrage hat der SPIEGEL den Dienst auch gefragt, ob die Anzahl der Geräte, auf denen Nutzer gleichzeitig eingeloggt sein können, verringert wurde. Letzteres hatten manche Social-Media-Nutzer berichtet. Auf DAZNs Website ist weiter von sechs Geräten die Rede . (Update, Donnerstag, 17.25 Uhr: Mittlerweile kam eine Antwort, siehe Textende)

Auch Netflix widmet sich dem Thema

DAZN hatte seine Preise für Neukunden Anfang Februar drastisch erhöht: Statt 15 Euro kostet ein DAZN-Monatsabo seitdem 30 Euro. Wer bereits vor Februar ein laufendes DAZN-Abo hatte, zahlt noch bis zum 31. Juli den alten Monatspreis. Wie es danach preislich für ihn oder sie weitergeht, ist unklar. DAZN überträgt verschiedene Sportarten. Im populärsten Bereich Fußball zeigt der Dienst demnächst einen Großteil der Viertelfinalpartien der Champions League.

Das Thema Account-Sharing treibt neben DAZN auch andere Streaming-Anbieter um. In Chile, Costa Rica und Peru  testet Netflix neuerdings die Option, dass Abonnenten bis zu zwei Menschen, mit denen sie nicht zusammenleben, ein Unterkonto ihres Accounts zur Verfügung stellen dürfen.

Nutzern, die das Angebot annehmen, stellt der Dienst einen Abo-Aufpreis von umgerechnet zwei bis drei Euro pro Monat in Rechnung. Ob dieses Angebot langfristig auch Nutzern in anderen Ländern gemacht werden könnte, hängt Netflix zufolge vom Verlauf des Experiments in den drei Testmärkten ab.

Einen ausführlichen Artikel über das Phänomen Account-Sharing finden Sie hier .

Update, Donnerstag, 17.25 Uhr: DAZN hat dem SPIEGEL mittlerweile eine Stellungnahme geschickt. Darin heißt es: »Wir haben einige Nutzer proaktiv kontaktiert, um sicherzustellen, dass ihre Kontodaten weiterhin sicher sind und nicht von anderen Personen unter Verstoß unserer Nutzungsbedingungen verwendet werden. Die kontaktierten Nutzer wurden ausgewählt, wenn es ein verdächtiges Anmeldeverhalten auf dem Konto gab, das möglicherweise nicht mit unseren AGB übereinstimmte.«

Zur Frage, ob die E-Mails auch Nutzer erreicht haben könnten, die ihre Accounts gar nicht mit Dritten teilen, heißt es: »Das ist möglich, wenn die Login-Daten ohne das Wissen des Users kompromittiert wurden. Um die Sicherheit des Accounts wiederherzustellen, ist ein Passwort-Reset nötig.«

Auf die Frage nach dem derzeitigen Gerätelimit antwortet DAZN: »Aus Kulanz räumen wir aktuell die Möglichkeit ein, fünf Geräte für die Nutzung mit einem Account zu registrieren. Die genaue Anzahl ist aber in unseren AGBs nicht definiert und somit auch nicht Teil unseres vertraglichen Versprechens an die Kunden.«

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