Krimi-App "Diorama Detective" Knochenjob mit der Handykamera

Bei "Diorama Detective" schleichen Spieler um Tatorte herum - mit dem Smartphone in Schnappschusshaltung: Wenn diese Krimi-App erst mal läuft, ist sie spaßig - aber der Einstieg ins Spiel ist eine Katastrophe.

Studio Cypher

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Der Magier ist außer sich vor Wut. Jemand soll in sein Arbeitszimmer eingebrochen sein und den Zauberstab gestohlen haben. Doch an der Türe sind keine Einbruchspuren zu sehen und die Scherben der zertrümmerten Vase liegen fein säuberlich aufgeräumt im Mülleimer. Nachwuchsdetektiv Adrian Sharpe zweifelt an der Geschichte.

An dieser Stelle übernimmt der Spieler. Er hilft Sharpe im iOS-Spiel "Diorama Detective", Puzzleteile rund um virtuelle Verbrechen zusammenzusetzen und herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Der Unterschied zu anderen Krimi-Games in Apples App Store ist offensichtlich: "Diorama Detective" ist ein Augmented-Reality-Spiel (AR-Game). Der Spieler muss mit dem Smartphone in der Hand um den virtuellen Tatort herumlaufen. Bewegt er sein iPhone oder iPad, ändert sich die Perspektive.

Die Schauplätze werden in einem Diorama dargestellt, also einem virtuellen Schaukasten mit Modellfiguren, das - je nachdem, wo man spielt - über der Schreibtischplatte oder dem Parkettboden im Zimmer schwebt. Der Spieler muss mit der Kamera im Gebüsch nach Beweismitteln suchen, Fingerabdrücke sammeln und Spuren verfolgen. Mit ein wenig Übung gelingen die Tatortfotos recht einfach.

Die Beweismittelsicherung geht auf den Rücken

Der Einstieg ins Spiel aber ist eine Katastrophe. Bis das Spielfeld richtig platziert ist, dauert es ewig. Schließlich muss der Spieler sich rundherum bewegen können, um Fotos aus allen Positionen schießen zu können. Drehen lässt sich der Tatort nicht.

Wer sich nicht komplett verrenken will, sollte das Spielfeld auf den Fußboden projizieren. Ein Schreibtisch als Projektionsfläche sollte derweil von allen Seiten zugänglich sein. Denn im Sitzen lässt sich das Spiel nicht wirklich gut bewältigen.

Fotostrecke

8  Bilder
AR-Spiel für iOS: So sieht "Diorama Detective" aus

Aber auch das ständige Foto-Knipsen im Stehen ist anstrengend. Sich leicht gebückt in Schnappschuss-Haltung durch virtuelle Vorgärten und Einfamilienhäuser auf die Suche nach Spuren, Pillenröhrchen und Giftködern zu begeben, geht auf Dauer auf den Rücken. Wenn dann noch das Spielfeld verrutscht und plötzlich an der Zimmerdecke hängt, nervt das Spiel gewaltig.

Mit der Zeit hat man die AR-Ausrutscher glücklicherweise im Griff. Dann zeigt sich, dass der AR-Ansatz trotz ungewöhnlicher Smartphone-Haltung ziemlich erfrischend ist. Die Ermittlungen in der erweiterten Realität sind unterhaltsam, die vier Rätsel gut konstruiert und familienfreundlich. Die Pinnwand mit den Fotos und den Dialogen lässt sich gut bedienen und mit Wischbewegungen flink anpassen.

App hat mit einigen Bugs zu kämpfen

Der Schwierigkeitsgrad allerdings ist recht hoch: Wer Aussagen mit Spielfiguren nachstellen will, der muss genau aufpassen, was die Zeugen erzählen, die bisher leider nur auf Englisch antworten.

Die Software hat zudem noch mit einigen Bugs zu kämpfen: Auch wenn man etwas wie gefordert fotografiert hat, passt die Perspektive manchmal nicht richtig - und die App verlangt noch ein Foto. Ein weiteres Problem: Gespeichert wird der Spielstand nur, wenn ein Fall abgeschlossen ist. Wenn das iPhone zwischenzeitlich in den Standby-Modus wechselt, geht die Knobelei von vorne los.

Wer den Einstieg übersteht und mit solchen Hürden leben kann, der ist mit "Diorama Detective" knapp drei Stunden lang gut unterhalten. Am besten spielt man übrigens allein: Denn von außen betrachtet sehen die Ermittlungen in gekrümmter Haltung mit dem Smartphone in der Hand ziemlich lächerlich aus.


"Diorama Detective" von Studio Cypher: für iPhone und iPad, 4,49 Euro; ab vier Jahren

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xineohp 19.08.2019
1. Tatortdokumentation ...
... mit einem online vernetzten Gerät durchzuführen ist so ziemlich der Gipfelpunkt sicherheitstechnischer Medien-Inkompetenz. Viele Gegenwartskrimis sind nicht mehr auszuhalten und vollkommen unkonsumierbar ob solcher krassen Dummheiten. Polizisten kommunizieren im Einsatz mit Smartphones und fotografieren auch noch den Tatort damit - unglaublich. Warum nicht direkt auf Youtube hochladen? Bin gespannt, wann die Zeit kommt, in der diese Nicht-Kulturepoche als Kuriosität aus Uninformiertheit unter Verschluss und aus Scham in die Archive wandert. Besser sind nur noch Eliteeinheiten mit Smartwatch-Fittness-Trackern - alle Klischees zum Militär sofort und vollumfänglich bestätigt :-(
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