Drittanbieterdienste ausgesperrt Twitter blockt Apps, von denen es jahrelang profitierte

Angebote wie Tweetbot und Twitterrific machten Twitter für viele Nutzer überhaupt erst interessant. Nun überrumpelt Elon Musks Firma deren Macher. Die fühlen sich düpiert.
Twitter-Chef Musk: In kurzer Zeit viele schlagzeilenträchtige Kursänderungen

Twitter-Chef Musk: In kurzer Zeit viele schlagzeilenträchtige Kursänderungen

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Samuel Corum / AFP

Knapp eine Woche lang übte sich die Entwicklerszene rund um Twitter im Rätselraten: Mehrere sogenannte Drittanbieter-Clients funktionierten plötzlich nicht mehr, die Nutzerinnen und Nutzer der Apps mit alternativen Benutzeroberflächen konnten sich nicht mehr einloggen. Steckte dahinter ein technisches Problem mit Twitters Programmierschnittstelle, fragten sie sich – oder doch ein abruptes Abklemmen solcher Services? Ein weiterer radikaler Schritt des neuen Chefs Elon Musk, dem Twitters Traditionen relativ egal zu sein scheinen?

Die Drittanbieter-Clients jedenfalls sind ein wichtiger Teil von Twitters Aufstieg zu einer der meistbeachteten Internetplattformen überhaupt. Ihre Entwickler hatten immer wieder Feature-Ideen, von denen auch Twitter selbst profitierte. Zudem gibt es Menschen, die die offizielle Twitter-App verabscheuen und ohne Drittanbieter-Client vielleicht niemals Tausende von Tweets abgesetzt hätten, die wiederum für andere Twitter-Nutzer spannend waren.

Bereits 2007 gestartet ist Twitterrific, ein Angebot, das sich rühmt , sowohl die erste Macintosh-Anwendung, als auch die erste iPhone-App für den Kurznachrichtendienst angeboten zu haben. Sogar der Begriff »Tweet« geht angeblich auf Twitterrific zurück .

Leichte Anpassung, womöglich große Wirkung

Elon Musk und Twitter gaben sich zu den Problemen bei den Drittdiensten bislang wortkarg. In einem Firmen-Tweet von Dienstag hieß es nur, Twitter »setze seine langjährigen API-Regeln durch«. Dies könne dazu führen, »dass einige Apps nicht funktionieren«. Der US-YouTuber Marques Brownlee, mit sechs Millionen Followern ein Kenner der Plattform, fragte daraufhin nur: »Was sind denn die Regeln?« Twitter, dessen Entlassungswellen auch seine Kommunikationsabteilung massiv trafen, kommunizierte mal wieder erratisch.

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Am Donnerstagabend jedoch entdeckten US-Medien , dass das Unternehmen seine Vorgaben für Entwickler  minimal, aber entscheidend angepasst hat. In den Richtlinien heißt es nun, es sei nicht erlaubt, lizenzierte Materialien zu verwenden, um einen Ersatzdienst oder ein ähnliches Produkt »wie die Twitter-Anwendungen« zu erstellen oder es zu versuchen. Jene »Twitter-Anwendungen« werden an anderer Stelle als Twitters Angebote für Verbraucher definiert, »einschließlich, aber nicht beschränkt auf diejenigen, die über Twitter.com und die mobilen Anwendungen von Twitter angeboten werden«.

Man könnte sagen: Es ist nun reine Auslegungssache, ob Angebote wie Tweetbot, Twitterrific und Co. aus Twitters Sicht noch zulässig sind. Mit dem Sperren des Schnittstellenzugangs für mehrere dieser Programme hat das Unternehmen allerdings bereits Fakten geschaffen.

Zwei nicht ernst gemeinte Entschuldigungen

Twitterrific-Macher Sean Heber hat aus den neuen Einschränkungen schon Konsequenzen gezogen: Er hat die App seines Dienstes aus Apples App Store genommen. Ihr »plötzliches und unwürdiges Ende« sei auf eine »unangekündigte und nicht dokumentierte Änderung der Richtlinien durch ein zunehmend launisches Twitter zurückzuführen«, heißt es dazu auf der Twitterrific-Website: »Ein Twitter, das wir nicht mehr als vertrauenswürdig anerkennen und mit dem wir nicht mehr zusammenarbeiten wollen.«

Paul Haddad, der Entwickler des Dienstes Tweetbot, verwies am Donnerstag auf die Änderung in den Entwickler-Richtlinien und kommentierte mit ironischem Unterton  auf der Konkurrenz-Plattform Mastodon, jetzt gebe es endlich Klarheit, gegen welche »seit Langem geltende« Regel seine 2011 gestartete App augenscheinlich verstoßen habe: »Ich schätze, ich habe nicht bemerkt, dass ›lange geltend‹ ›vor ein paar Stunden‹ bedeutet, was mir noch einmal sehr leid tut.«

Am Dienstag hatte Haddad schon einmal so getan, als wolle er sich entschuldigen: »Ich möchte mich öffentlich bei Twitter dafür entschuldigen, dass ich folgende seit Langem geltende API-Regel gebrochen habe«, hatte er da geschrieben – und dann die Stelle, an der man den Namen einer Regel erwarten würde, einfach leer gelassen .

mbö

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