Epic Games gegen Apple Richterin nimmt Tim Cook in die Zange

Im Prozess des »Fortnite«-Herstellers Epic Games gegen Apple ist Tim Cook in den Zeugenstand gerufen worden. Vor Gericht musste sich der Apple-Chef vielen unbequemen Fragen stellen.
Tim Cook gegenüber Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Fotografen sind im Gerichtssaal nicht zugelassen

Tim Cook gegenüber Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Fotografen sind im Gerichtssaal nicht zugelassen

Foto: Vicki Behringer / REUTERS

Drei Wochen nach Beginn des von Spielehersteller Epic Games gegen Apple angestrengten Gerichtsverfahrens, wurde am Freitag Tim Cook in den Zeugenstand gerufen. Mehr als zwei Stunden lang musste sich der Apple-Chef zunächst den Fragen seiner eigenen und der gegnerischen Anwälte, schließlich aber auch denen der Richterin Yvonne Gonzalez Rogers stellen. Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass Apples Sieg in dem weltweit aufmerksam verfolgten Verfahren bei Weitem nicht so sicher ist, wie es viele Beobachter angenommen haben.

In dem Prozess, zu dem keine Unbeteiligten als Zuschauer zugelassen sind, geht es darum, dass Epic Games nicht länger 30 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf von Digitalinhalten der Spiele-App »Fortnite« auf iPhones an Apple abgeben will.

Der Streit um die Gebühren, die Apple und Google von Entwicklern verlangen, war im August 2020 eskaliert. Epic Games führte damals bewusst die Möglichkeit ein, Inhalte unter Umgehung der Abrechnungssysteme von Apple und Google zu erwerben. Die App wurde daraufhin sowohl aus Googles Play Store als auch als Apples App Store verbannt. Android-Nutzern steht allerdings die Möglichkeit offen, »Fortnite« aus alternativen App-Stores zu beziehen.

Der Ausgang des Verfahrens könnte beeinflussen, wie Apps und innerhalb von Apps verkaufte Inhalte künftig auf Smartphones und Tablets vertrieben werden – und welchen Anteil vom Kaufpreis die Anbieter der jeweiligen App-Plattformen dabei einbehalten dürfen.

Die Monopolfrage

Lange deutete der Verlauf des seit drei Wochen laufenden Verfahrens darauf hin, dass Apple sich durchsetzen werde. Doch am Freitag schien ein solcher Ausgang nicht mehr so sicher, als Richterin Gonzalez Rogers zu Tim Cook sagte : »Es scheint, dass Sie keinem Druck oder Wettbewerb ausgesetzt sind, der Sie zwingen würde, auf die Einwände von Entwicklern einzugehen.« Sie stellte damit Apples Behauptung infrage, dass sich der Konzern starker Konkurrenz durch alternative Angebote wie Googles Android, Microsofts XBox und Sonys Playstation ausgesetzt sieht.

Zuvor hatte die Richterin den Apple-CEO gefragt, wo denn das Problem liege, vor allem für Smartphone-Spiele günstigere Optionen für den Kauf von Inhalten zu ermöglichen. Cook antwortete, sie hätten doch »die Wahl zwischen vielen verschiedenen Android-Smartphone-Modellen oder einem iPhone, und hinter dem iPhone stehen eben bestimmte Prinzipien, von der Sicherheit bis zum Datenschutz.«

Welchem Druck beugt Apple sich?

Die Richterin kritisierte auch Apples Vorgabe, dass Entwickler in ihren Apps nicht darauf hinweisen dürfen, wenn es für In-App-Inhalte, wie zum Beispiel Spielwährungen oder Zubehör, alternative, womöglich günstigere Bezugsquellen als den App Store gibt. Cook begründete dieses Vorgehen damit, dass Apple sein geistiges Eigentum schützen müsse: »Wir haben 150.000 APIs (Programmierschnittstellen; Anm. der Red.), die wir entwickeln und pflegen, sowie zahlreiche Entwicklertools und den Kundendienst, der all die Transaktionen bearbeitet.«

Gonzales Rogers stellte auch klar, dass sie Zweifel daran hat, dass Apples Einführung einer auf 15 Prozent reduzierten Gebühr für Entwickler, die weniger als eine Million Dollar Umsatz pro Jahr über den App Store generieren, aus Wettbewerbsgründen erfolgt sei: »Das schien eine Folge des Drucks zu sein, den Sie durch Untersuchungen, durch Gerichtsverfahren und nicht durch den Wettbewerb spüren.«

Cook argumentierte dagegen, dass man solche Dinge zwar im Hinterkopf gehabt habe, vor allem aber kleineren Firmen in der Coronakrise helfen wollte. Und das nicht nur temporär, sondern dauerhaft. Die Richterin insistierte daraufhin, dass es also nicht der Druck des Wettbewerbs gewesen sei, der Apple zu diesem Schritt gedrängt hatte, woraufhin Cook erklärte, es sei sehr wohl Wettbewerb gewesen, schließlich habe Google daraufhin nachgezogen und die Gebühren für kleine Unternehmen ebenfalls auf 15 Prozent gesenkt.

»Reibung im System«

Schließlich sprach die Richterin Cook noch auf eine Umfrage an, wonach 39 Prozent der befragten Entwickler entweder sehr unzufrieden oder etwas unzufrieden mit der Zusammenarbeit mit Apple seien. »Wenn also 39 Prozent Ihrer Entwickler unzufrieden sind«, sagte Gonzales Rogers, wie könne das akzeptabel sein.

Cook antwortete mit der Angabe, dass 40 Prozent der jede Woche zur Veröffentlichung im App Store eingereichten Apps von Apple abgelehnt würden, was zu einer gewissen »Reibung im System« führe. Aber diese Reibung sei es eben, die den Anwendern das Erlebnis ermögliche, sich in einer sicheren, kuratierten Umgebung zu bewegen. »Manchmal überschneiden sich die Interessen des Entwicklers und des Nutzers also nicht«, so Cook.

Richterin Gonzales Rogers sagte, sie hoffe, bis Mitte August ein Urteil fällen zu können. Sie erklärte aber zugleich, dass sie davon ausgehe, dass eine der beiden Konfliktparteien danach in Berufung gehen werde, egal wie ihr Spruch ausfällt.

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