Battle Royale Wie der "Fortnite"-Hersteller gegen Apple und Google in die Schlacht zieht

Die Spielefirma Epic Games schießt aus allen Rohren. Mit einer orchestrierten Kampagne geht das Unternehmen gegen die Preispolitik von Apple und Google vor. Es geht um Milliarden.
Kostümierter "Fortnite"-Spieler auf der Comic Con ins San Diego 2019

Kostümierter "Fortnite"-Spieler auf der Comic Con ins San Diego 2019

Foto:

Mike Blake/ REUTERS

Dieser königliche Kampf war offensichtlich gut vorbereitet. Am Donnerstag hatte die Spielefirma Epic Games sowohl Apple als auch Google herausgefordert.

Die Firma hatte für ihren Bestseller "Fortnite" ein eigenes Abrechnungssystem für In-App-Käufe eingeführt und damit riskiert, dass ihre App aus den beiden einzig wichtigen App Stores rausgeschmissen wird - was dann auch geschah. Denn die beiden Techkonzerne verbieten in ihren Richtlinien ausdrücklich, dass App-Anbieter andere Abrechnungssysteme verwenden als die von Apple beziehungsweise Google.

Genau gegen diese Abrechnungssysteme und deren Bedingungen versucht sich Epic nun zu wehren. Sowohl Apple als auch Google verlangen nämlich von jedem Entwickler einen Anteil von 30 Prozent an allen Umsätzen, die durch App-Verkäufe oder sogenannte In-App-Käufe erzielt werden. Kauft man also für einen Euro eine App im Play Store, bekommt der Entwickler davon 70 Cent, Google 30 Cent. Bei Apple läuft es genauso.

Die beiden Konzerne begründen diese Beteiligung unter anderem mit den Kosten für den Betrieb ihrer App Stores. Dazu zählen etwa die Betriebskosten für die Rechenzentren, in denen die Stores laufen, vor allem aber die für die teils automatische, teils manuelle Prüfung von Apps. Letztere soll dafür sorgen, dass nur gut funktionierende und sichere Apps im Angebot landen.

Der erste Versuch war gescheitert

Viele App-Entwickler nehmen diese Abgabe mehr oder weniger stoisch hin. Schließlich sind die App Stores die einzige Möglichkeit, Milliarden potenzielle Nutzer gezielt zu erreichen. Immer wieder aber gibt es Kritik, manchmal regelrecht Widerstand, gegen die Praxis der 30-Prozent-Abgabe. So hat sich kürzlich beispielsweise der russische Gründer der Chat-App Telegram öffentlich gegen Apples Preispolitik stark gemacht  und argumentiert, Apps würden dadurch schlechter und teurer.

Auch Epic Games baut seit Jahren Druck gegen die 30 Prozent auf. Als Ende 2018 die Android-Version von "Fortnite" veröffentlicht werden sollte, hatte die Firma versucht, sich zumindest Googles Gebührenordnung zu entziehen. Zunächst gab es das Spiel exklusiv nur für Galaxy-Smartphones und -tablets von Samsung, ein paar Monate später dann für alle Androidgeräte, allerdings nur im Onlineshop von Epic Games.

Fotostrecke

E-Sport-Titel: So funktioniert "Fortnite: Battle Royale"

Foto: Medienagentur plassma

Nach eineinhalb Jahren beendete Epic dieses Experiment und brachte Fortnite in den Play Store. Der Grund dürfte gewesen sein, dass die Zahl der Downloads nicht den Erwartungen entsprochen hat und man hoffte, über Googles Store mehr Publikum zu erreichen. Die Einnahmen waren ohnehin zurückgegangen. Hatte Epic Games 2018 noch einen Umsatz von 5,6 Milliarden Dollar gemacht, waren es 2019 nur noch 4,2 Milliarden . Mit seinen gut 350 Millionen Spielern trägt "Fortnite" einen substanziellen Teil zu dieser Summe bei. Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar war es laut Super Data Research  in 2019 das erfolgreichste Free-to-Play-Spiel.

Mit iOS geht das nicht

Mit iPhones wäre der Versuch, die App über einen eigenen Shop anzubieten, nicht möglich gewesen, weil Apples iOS-Betriebssystem keine Möglichkeit vorsieht, Apps aus anderen Quellen als dem App Store zu installieren. Wer auf iPhones präsent sein will, muss also Apples Richtlinien akzeptieren. Oder versuchen, sie zu ändern, wie es Epic Games nun tut.

Nur wenige Stunden nach Epics Ankündigungen geschah das Erwartbare: Sowohl Google als auch Apple entfernten "Fortnite" aus ihren Angeboten - mit dem Hinweis, dass die App gegen ihre Richtlinien verstoße. In einer Stellungnahme erklärte Apple, Epic habe diesen Schritt "mit der ausdrücklichen Absicht unternommen, die App Store-Richtlinien in Bezug auf In-App-Zahlungen, die für jeden Entwickler gelten, der digitale Waren oder Dienstleistungen verkauft, zu verletzen."

Das Unternehmen gibt sich kampfeslustig

Dass Epic Games sich auf die Auseinandersetzung gut vorbereitet hatte, ist nicht zu übersehen. Kaum hatten Apple und Google "Fortnite" verbannt, startete das Unternehmen eine breit gefächerte Social-Media-Kampagne. Auf einer Website wurde die Nachricht des App-Store-Banns veröffentlicht , kombiniert mit einem Erklärtext, was das für "Fortnite"-Spieler nun bedeute.

Passend dazu hatte sich das Unternehmen schon den Hashtag #freefortnite zurechtgelegt, den Spieler verwenden sollen, um über soziale Netzwerke Druck auf Apple auszuüben. Auf Twitter gab man sich kampfeslustig: "Epic Games hat dem App Store Monopol getrotzt. Als Vergeltungsmaßnahme blockiert Apple 'Fortnite' für eine Milliarde Geräte."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Auch das an den legendären Macintosh-Werbeclip angelehnte Filmchen, in dem Epic Apple als grauen Diktator darstellt (siehe oben), dürfte eine längere Produktionszeit als nur die paar Stunden zwischen Apples "Fortnite"-Blockade und der Veröffentlichung des Videos gebraucht haben. Dasselbe gilt für die Klageschriften, mit denen Epic nun gegen Apple und Google vorgeht. Die jeweils rund 60 Seiten umfassenden Texte dürften bereits fertig in der Schublade gelegen haben.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wie es mit denen weitergehen wird, bleibt nun abzuwarten. Epic Games schreibt in den Klageschriften ausdrücklich, dass man "keine finanzielle Entschädigung für die erlittenen Schäden verlangt". Stattdessen fordere man eine einstweilige Verfügung, die einen fairen Wettbewerb ermöglichen soll, von dem "Hunderte Millionen von Verbrauchern und Zehntausende, wenn nicht sogar mehr, App-Entwickler profitieren würden".

Apple und Google hingegen hoffen noch auf eine außergerichtliche Einigung. Beide haben erklärt, gesprächsbereit zu sein, um "Fortnite" gemeinsam mit Epic Games zurück in den App Store und den Play Store zu bringen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.