Projekt Pepp-PT Europäische Corona-Warn-App soll in zehn Tagen fertig sein

Die erste Corona-Warn-App auf Basis des neuen Standards Pepp-PT könnte nächste Woche verfügbar sein. Wer sie betreiben soll, liegt für einen der Projektleiter auf der Hand.
Pepp-PT soll der Standard für europäische Apps werden, die nach Kontakt zu Corona-Infizierten warnen

Pepp-PT soll der Standard für europäische Apps werden, die nach Kontakt zu Corona-Infizierten warnen

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Die in Europa entwickelte Smartphone-Technologie zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie steht voraussichtlich bald nach Ostern als konkrete Corona-Warn-App zur Verfügung. Das kündigte Chris Boos, einer der Leiter des Projekts Pepp-PT in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an. "Ich gehe davon aus, dass wir zwischen 15. und 19. April die erste App tatsächlich live haben", sagte der IT-Unternehmer, der im Digitalrat der Bundesregierung sitzt. Das Konzept war in den vergangenen Wochen von 130 Experten aus acht europäischen Ländern entwickelt und von Soldaten der Bundeswehr in Berlin getestet worden.

Die auf Bluetooth basierende App soll Menschen rasch und anonym informieren, wenn sie Kontakt zu anderen Nutzern hatten, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Bisher läuft die Information über die Gesundheitsämter. Diese bemühen sich, alle Kontaktpersonen zu erreichen, an die sich der Infizierte erinnert. Eine sehr aufwendige Vorgehensweise. Wie Pepp-PT diesen Vorgang vereinfachen und beschleunigen soll, erklären wir hier.

Die Verwendung des Funkstandards Bluetooth Low Energy (BLE) stelle sicher, dass man "nicht auf Ortsdaten und dergleichen" zurückgreifen müsse, sagte Boos. "Das hat auch den Vorteil, dass es auch wirklich nur in einem kleinen Umkreis funktioniert."

Dass BLE bei manchen Software-Entwicklern wenig beliebt ist, weil es zwischen verschiedenen Betriebssystemversionen zu Kompatibilitätsproblemen kommen kann und weil die Genauigkeit von Abstandsmessungen im Alltagseinsatz stark schwanken kann, scheint Boos nicht zu beunruhigen: Man könne bei Messungen mit Bluetooth sogar herausfinden, ob zwei Menschen durch eine Wand oder Glasscheibe voneinander getrennt seien, sagte er. "Das funktioniert sehr gut. Wir haben das zuerst in einem mathematischen Modell entworfen und dann bei Labortests überprüft. Und schließlich auch noch in der freien Wildbahn getestet, unter anderem bei der Bundeswehr."

Das Konzept

Boos betonte, bislang gebe es noch keine fertige App für das sogenannte Proximity Tracing oder auch Contact Tracing, sondern ein offenes technisches Konzept, das drei Ziele verfolge. Zum einen müsse das System eine saubere Messung ermöglichen. "Wir wollen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen." Das zweite Ziel sei die Sicherung der Privatsphäre. "Wir verwenden keinerlei Ortungsdaten und auch keine Daten, die einen Menschen identifizieren können." Dabei setze man auf eine komplette Anonymisierung und reine Freiwilligkeit. Der dritte Punkt sei die Interoperabilität zwischen den Ländern. "Wir haben dann eine Art Roaming, damit man auch wieder wirklich die Grenzen öffnen kann und trotzdem informiert Infektionsketten nachverfolgen kann."

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Wer die Anwendung nun konkret in die App-Stores bringe, sei eine politische Entscheidung, betonte Boos. Er persönlich sehe das Robert Koch-Institut (RKI) als "natürliche Quelle für eine App in Deutschland". Das RKI hatte bereits am Dienstag eine erste Corona-App veröffentlicht, mit der Bürger Gesundheitsdaten aus Fitnesstrackern und Smartwatches spenden können, mit denen Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Verbreitung des Virus ziehen wollen. Das RKI sei auch bei dem Pepp-PT-Projekt von Anfang mit dabei gewesen.

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Als Betatester für die Pepp-PT-Plattform habe man aber auch der Start-up-Community Zugriff gewährt, sagte Boos. "Wir wissen von vielen, die schon an Apps bauen, auch für unterschiedliche Länder."

Hannes Ametsreiter, Deutschland-Chef von Vodafone, sprach von einem "gut durchdachten und präzisen Projekt", das man von Beginn an unterstützt habe. "Spezifische Situationen und Krisen brauchen spezielle Innovationen. Und das ist eine." Der Digitalkonzern hatte sein Testzentrum in Düsseldorf, das größte von Vodafone in Europa, zur Verfügung gestellt, um die Bluetooth-Sensorik für das Projekt weiterzuentwickeln und in der Praxis zu testen.

pbe/dpa
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