Hype um FaceApp Tausche lustiges Foto gegen meine Daten

Der Rapper Drake tut es, der britische Sänger Sam Smith auch. Über die Bildmanipulations-Software FaceApp verändern sie ihr Alter oder Geschlecht. Doch der Spaß hat gleich mehrere Haken.

Die FaceApp kann Personen auf Fotos zum Beispiel jünger aussehen lassen
[M]Sean Gallup/Getty Images Europe/faceApp

Die FaceApp kann Personen auf Fotos zum Beispiel jünger aussehen lassen


Die Mitglieder der Jonas Brothers, einer amerikanischen Pop-Rock-Band, sind alle um die 30 Jahre alt. Ein Foto auf ihrem Twitteraccount zeigt die drei nun aber im Rentenalter. Möglich macht dies FaceApp - eine Smartphone-Anwendung, die mithilfe künstlicher Intelligenz Gesichter auf Fotos manipuliert.

So können Nutzer Aufnahmen von sich oder auch anderen mit Make-up, Brillen und Bärten aufpeppen, ihr Alter ändern oder das Geschlecht wechseln. Und auch ein Lächeln lässt sich per FaceApp nachträglich in Gesichter zaubern.

Plötzlich wieder in den Charts

Wirklich neu ist die App nicht, schon Anfang 2017 ist sie für iOS und Android erschienen. Dennoch ist FaceApp gerade wieder auf die Spitzenplätze in Apples App Store und Googles Play Store geklettert, womit die App in diesen Tagen so populäre Programme wie WhatsApp, Google Maps oder Instagram hinter sich lässt. Viele ihrer Funktionen können kostenlos genutzt werden, für die werbefreie Pro-Version mit allen Filtern aber verlangt FaceApp einmalig 44 Euro oder 20 Euro im Jahresabo.

Das große Interesse an der App dürfte damit zusammenhängen, dass derzeit viele Prominente mit der App erzeugte Fotos in sozialen Netzwerken teilen - so kommen Millionen Follower mit den manipulierten Bildern in Kontakt.

Doch auch die Qualität der Fotofilter hat sich seit der ersten Vorstellung der App deutlich verbessert. Auf den ersten Blick ist kaum noch zu erkennen, dass es sich um manipulierte Bilder handelt.

Doch auch wenn FaceApp wie ein lustiger Spaß für zwischendurch wirkt und ein Beleg für die gewachsenen Fähigkeiten künstlicher Intelligenz ist: Bei näherer Betrachtung wirft die bei den Stars so beliebte Software nach wie vor einige Bedenken auf.

Entwickelt wird die App von der russischen Firma Wireless Lab aus Sankt Petersburg, deren Chef Yaroslav Goncharov zuvor für den russisch-niederländischen Suchmaschinenkonzern Yandex arbeitete. Außer einer Postanschrift und einer Mail-Adresse ist nicht viel mehr über die Wireless Lab herauszufinden, eine Webseite hat das Unternehmen nicht. Sobald sie die App verwenden, stimmen Nutzer automatisch der Datenschutzerklärung und den AGB zu. Und diese räumen den Machern teils weitreichende Rechte ein.

Schwammiger Datenschutz und AGB

So werden die Fotos der Nutzer nicht etwa lokal auf dem Gerät bearbeitet, sondern automatisch an einen Server geschickt, damit sie dort mithilfe künstlicher Intelligenz angepasst werden. Der Nutzer erfährt das bei der Nutzung der App nicht.

FaceApp räumt sich zudem unter anderem das Recht ein, Fotos auch für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Auf dem Gerät gelöschte Inhalte können laut den AGB auch weiter auf den FaceApp-Servern gespeichert bleiben.

Außerdem erhebt die Anwendung eine Reihe an Daten, darunter Angaben zur IP-Adresse des Nutzer und dazu, welches Gerät genutzt und wie oft FaceApp verwendet wird. Diese Daten können an Serviceanbieter und Werbepartner weitergegeben und für personalisierte Werbung genutzt werden. Sollte FaceApp verkauft werden, könnten die erhobenen Nutzerdaten an den neuen Besitzer übergeben werden, heißt es. Wie viel diese Bedingungen mit dem tatsächlichen Umgang der App-Macher mit den Nutzerdaten zu tun haben, ist unklar.

Im Gespräch mit der australischen Rundfunkgesellschaft "ABC" äußerte sich der Datenschutzexperte David Vaile kritisch zu FaceApp. Der Dienst würde sich weit mehr Rechte einräumen, als er für die bereitgestellten Funktionen benötigt, urteilte er. Er rät Nutzern davon ab, die App zu nutzen.

Deutliche Warnung aus dem US-Senat

Dasselbe tut "Forbes"-Reporter Thomas Brewster - obwohl der FaceApp-Chef ihm am Mittwoch einige konkrete Fragen zum Thema Privatsphäre und Datenschutz beantwortet hat. Demnach landen Gesichtsbilder nicht auf Servern in Sankt Petersburg, sondern auf Amazon- und Google-Servern, etwa in den USA, in Singapur und in Irland. Die meisten Bilder würden binnen 48 Stunden nach dem Upload gelöscht, wurde Brewster außerdem zugesichert, schreibt dieser - und dass keine Nutzerdaten mit Dritten geteilt oder an diese verkauft würden.

Nicht zuletzt könnte die App schon bald auch in den Fokus des FBI rücken. Der Topdemokrat im US-Senat, Chuck Schumer, hat sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP an die Bundespolizei gewandt. In einem Brief äußert er demnach die Sorge, dass FaceApp "ein Risiko für die nationale Sicherheit und die Privatsphäre von Millionen US-Bürgern" darstellen könnte. Eine Überprüfung sei dringend nötig.

Schumer nannte es "zutiefst beunruhigend", dass "einer gegnerischen Macht, die Cyber-Vergehen gegen die USA verübt" persönliche Daten zukommen könnten. Damit spielte er auf die russische Einflussnahme im Wahlkampf 2016 an.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.