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20. September 2018, 17:13 Uhr

Testphase gestartet

So läuft das neue Onlinedating auf Facebook

Facebook führt seine lange angekündigte Dating-Funktion ein. Jetzt können Nutzer damit flirten - vorerst aber nur in einem Land.

Facebook hat damit begonnen, seine im Mai auf der Entwicklerkonferenz F8 vorgestellte neue Dating-Funktion freizuschalten. Zunächst handelt es sich dabei um ein Experiment ausschließlich in Kolumbien. Der Test dort lässt jedoch bereits erahnen, welche Grundsatzentscheidungen zu Onlineflirts der Konzern getroffen hat.

So ist die Funktion zum Beispiel nur für volljährige Nutzer verfügbar. Außerdem wurde sie nicht in eine Extra-App ausgelagert, sondern - bislang etwas versteckt - in die bestehenden Mobil-Apps gepackt. Über die Facebook-Version für Desktop-Rechner dagegen lässt sie sich nicht nutzen.

"The Verge" und "Techcrunch" hat Facebook den Dienst genauer vorgestellt und erklärt. Beiden Onlinemagazinen zufolge gibt es im Dating-Bereich zunächst keine Werbung und auch keine kostenpflichtigen Premium-Features, wie man sie beispielsweise von Tinder kennt. Dating ohne viel Schnickschnack, könnte man sagen.

Fragebogen für einen möglichen Gesprächseinstieg

Wer über die Funktion neue Leute kennenlernen will, legt dafür ein neues Profil speziell fürs Onlinedating an. Aus dem eigentlichen Facebook-Profil würden nur der Vorname und das Alter übernommen, heißt es. Beim Einrichten seines Spezial-Profils soll man bis zu 20 Fragen beantworten, etwa die, wie für einen ein perfekter Tag aussehen würde. Diese Antworten sollen später als mögliche Konversationseinstiege dienen.

Außerdem lassen sich bis zu einem Dutzend Fotos hochladen und freiwillig Angaben etwa zu Größe, Job, Ausbildung und Religion machen. In Sachen Geschlecht und bei den eigenen Suchwünschen sind neben "Mann" und Frau" auch Angaben wie "Transgender" und "Non-binary" möglich.

Obwohl Facebook ein weltweites Netzwerk ist, soll die Dating-Funktion vorerst eher Menschen, die sich schon in der Nähe voneinander aufhalten, zusammenbringen. Nutzer sollen ihre Stadt angeben, Facebook prüft dann per GPS, ob die Angabe Sinn ergibt. Kontaktieren lassen sich generell andere Nutzer im Umkreis von maximal 100 Kilometern.

Penisbilder können nicht verschickt werden

Um jemanden anschreiben zu können, muss man bei Facebook Dating zwar nicht wie bei Tinder vorher wechselseitig sein Interesse daran bekunden. Erste Kontaktaufnahmen können aber ignoriert werden, woraufhin die andere Person auch keine Nachfragen mehr stellen darf. Überhaupt lassen sich über den Dating-Chat nur Text und Emojis verschicken, auf diese Weise dürfen sich Nutzer zumindest vor ungewollt erhaltenen Penisbildern sicher fühlen.

Grundsätzlich dürfen per Facebook Flirtende davon ausgehen, dass Nutzer, die ihnen im Dating-Bereich begegnen, tatsächlich auf der Suche nach Kontakten sind. Denn bei Facebook-Dating tauchen nur Nutzer auf, die sich explizit fürs Nutzen der Funktion entschieden haben.

Den Berichten der US-Medien zufolge filtert Facebook allerdings die eigenen Freunde und blockierte Kontakte aus. Anders sieht die Sache bei Freunden von Freunden aus - oder zum Beispiel Ex-Partnern, die zwar vielleicht virtuell entfreundet, aber nicht explizit blockiert wurden. Die könnten theoretisch in der Liste von Vorschlägen auftauchen. Und das ist gar nicht mal unwahrscheinlich: Laut "The Verge" zieht die Software bei der Suche nach passenden Partnern beispielsweise gemeinsame Freunde, übereinstimmende Seiten-Likes und Ähnlichkeiten zwischen den Profilen in Betracht.

Wischen wie beim Mobile-Dating-Platzhirsch Tinder muss man in Facebooks Dating-Dienst übrigens nicht. "The Verge" zufolge orientiert er sich insgesamt eher an einer App namens Hinge. Die kommt wie ein Tinder-Konkurrent daher, gehört seit diesem Sommer allerdings zum selben Mutterkonzern. Vermutlich tut es dem Dating-Markt also ganz gut, dass dort mit Facebook nun ein neuer Konzern sein Glück versucht.

mbö

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