Chatbots Warum Facebook will, dass Sie mit Robotern reden

Am Abend stellt Facebook Entwicklern neue Ideen vor - darunter wohl auch Software-Bots, mit denen man chatten kann. Viele glauben, dass die bald in unseren Alltag einziehen.
Roboter (Symbolbild)

Roboter (Symbolbild)

Foto: Corbis

Geht man nach Literatur und Film, hat die Menschheit von sprechenden Computern wenig Gutes zu erwarten. Da sagen sie Dinge wie: "Es tut mir leid, Dave, aber das kann ich nicht tun ." Oder: "Ich könnte dir deine Überlebenschancen ausrechnen, aber du wärst nicht begeistert ."

Trotzdem glaubt die amerikanische Tech-Branche mittlerweile kollektiv daran, dass wir alle in Zukunft ständig mit Computern, genauer: mit Bots kommunizieren werden, schriftlich oder mündlich. Microsoft-Chef Satya Nadella etwa ist überzeugt : "Diese Technologie ist unausweichlich."

Nadella meinte damit intelligente, sprechende Interfaces wie die von Microsoft, Google, und Apple, also Cortana, Google Now und Siri. Aber es geht um noch mehr: Maschinelle Assistenten sollen gewissermaßen zur Benutzeroberfläche für Dienstleistungen werden, von der Telefonanbieter-Hotline bis zum Pizzaservice.

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Nadella spricht von "Gesprächen als Plattform". Bei Facebook sieht man das ähnlich - auf der Entwicklerkonferenz F8 am Dienstagabend werden Bots vermutlich eine zentrale Rolle spielen.

Teenager plaudern stundenlang mit einem Stück Software

Bots können sogar der Unterhaltung, als Gesellschafter dienen. Als Microsoft kürzlich etwas Derartiges ausprobierte, eine künstliche Teenagerin namens Tay, ging das allerdings gründlich schief. Der lernende Plauder-Bot wurde von böswilligen Nutzern binnen kürzester Zeit mit so viel rassistischem und sexistischem Hass gedrillt, dass Microsoft Tay am Ende vom Netz nehmen musste.

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Erfolgreicher ist Microsofts chinesischer Chatbot Xiaoice: Die Software ist in China angeblich so populär, dass manche Teenager stundenlang mit ihm plaudern .

Xiaoice merkt sich Informationen über seine Gesprächspartner, etwa, ob jemand womöglich gerade verlassen wurde. Und er greift auf Bilddatenbanken zu, kann etwa Hunderassen auf Fotos identifizieren und so Hundebesitzern mit Fachwissen über ihre Haustiere schmeicheln .

Yongdong Wang, der Chef der Microsoft-Abteilung, die Xiaoice geschaffen hat, behauptet , manche Menschen würden erst nach zehn Minuten bemerken, dass sie mit einem Bot chatten, nicht mit einem Menschen. Schon im Februar 2016 habe Xiaoice 10 Milliarden Gespräche hinter sich gebracht.

Chatsoftware als Alleskönner

China ist weit vorn, was Messenger-Dienste als Allzweckwerkzeug angeht: Die dort sehr populäre Chat-App WeChat etwa erlaubt es dem Nutzer schon jetzt, eine Vielzahl von anderen Dingen zu tun, als Nachrichten zu verschicken. So kann man etwa seine Prepaid-Sim aufladen, ein Taxi ordern oder Kinokarten kaufen.

Die Bot-Grundidee basiert auf einer simplen Beobachtung: Chats, insbesondere getippte, sind heute eine der wichtigsten Beschäftigungen von Smartphone-Nutzern. Die Unterhaltung im getippten Zwiegespräch oder in Gruppe ist zum kommunikativen Standardparadigma geworden.

Deshalb hat Facebook WhatsApp gekauft, deshalb investiert Microsoft viel Geld in Bot-Technologie. Und deshalb wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auch ein deutsches Sport-Medienunternehmen in den nächsten Tagen eine eigene Messenger-App mit Spezialinhalten vorstellen.

Der Sperrbildschirm als Ziel

Der am stärksten umkämpfte Ort auf den Smartphones von heute ist der Sperrbildschirm: Wer es schafft, mit Push-Nachrichten dort zu landen, hat die größte Chance, eine Aktion des jeweiligen Nutzers auszulösen. Und Meldungen von Chat-Apps werden von vielen Nutzern gern bis dorthin vorgelassen.

Chatversuch mit Nike

Chatversuch mit Nike

Auf der F8 wird Facebook vermutlich weitere Ausbaustufen seines Messengers vorstellen. Schon im vergangenen Jahr war die Chat-App, die Facebook von seiner Haupt-App längst entkoppelt hat, dort ein zentrales Thema. Facebook erweiterte damals etwa die Möglichkeiten, Multimediainhalte wie Animationen oder kurze Videos direkt in Chats zu integrieren. Auch die Option, dass Unternehmen künftig ihren Kundenservice per Chat erledigen könnten, wurde damals erörtert. Von Werbung war noch nicht die Rede.

Jetzt wird es vermutlich an die Monetarisierung gehen: "TechCrunch" berichtete  schon im Februar auf Basis durchgesickerter Dokumente, dass Facebook Werbung im Messenger einführen werde. Facebook bestätigte damals die Existenz eines neuen URL-Formats: Unter fb.com/msg/Firmenname kann man direkt Chats mit Firmen initiieren - theoretisch. Die Chat-Accounts "Nike" und "Lego" und "Amazon" zum Beispiel existieren längst - samt Logo. Wenn man sie aber anzusprechen versucht, kommt bislang nur eine Fehlermeldung zurück.

"TechCrunch" zufolge ist der Plan nicht, dass Unternehmen künftig jeden mit Werbung anplappern können, der einmal zu viel auf "Gefällt mir" geklickt hat. Die direkte Ansprache soll sich den geleakten Dokumenten zufolge auf Kunden beschränken, die selbst schon einmal Chatkontakt mit der jeweiligen Firma aufgenommen haben. Das wäre dann in etwa so, als bestelle man den Newsletter eines Unternehmens.

Für Facebook wäre dieser Schritt ein Bruch mit einst ehern scheinenden Gesetzen. Noch 2014 sagte Mark Zuckerberg im Zusammenhang mit dem WhatsApp-Kauf: "Ich glaube nicht, dass Werbung die richtige Methode ist, Messaging zu monetarisieren."

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