Rooms Facebooks anonyme Chat-App gibt es jetzt auf Deutsch

Jetzt ist Facebooks Chatroom-App Rooms nahezu weltweit verfügbar. Sie unterscheidet sich von allem, was das Unternehmen bisher gemacht hat: Mitmachen kann jeder, ohne Anmeldung und ohne Klarnamen.
Facebok-App Rooms: Einladung per QR-Code

Facebok-App Rooms: Einladung per QR-Code

Fast genau einen Monat nachdem Facebook seine neue App Rooms in den USA veröffentlicht hat, ist das neue Chat-Angebot jetzt auch in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt verfügbar. Im Gegensatz zu anderen Facebook-Produkten erfordert Rooms keine Mitgliedschaft und keine Anmeldung. Wer sich die App aufs Smartphone oder Tablet lädt, kann an Diskussionen teilnehmen oder eigene Diskussionen beginnen, ohne sich anmelden zu müssen.

Bislang ist Rooms allerdings nur für iOS, also für iPhones und iPads, verfügbar . Nach Download und Installation kann man sofort loslegen und in Chaträumen, die andere Nutzer angelegt haben, mitlesen und sich mit eigenen Textbeiträgen, Bildern und Videos beteiligen. Eigene Chaträume lassen sich ebenfalls ohne Anmeldung erstellen.

Facebook bricht damit mit seiner eigenen Richtlinie, von seinen Nutzern in der Regel deren Klarnamen einzufordern. Einen Abgleich zwischen der Mitgliederdatenbank des sozialen Netzwerks und Rooms gebe es nicht, sagte Facebook-Manager Josh Miller SPIEGEL ONLINE.

Facebook verlässt sich auf die Nutzer

Trotzdem sollen bei Rooms dieselben Standards gelten wie bei Facebook  selbst. Für die Einhaltung sollen allerdings in erster Linie die Nutzer sorgen. Wer einen Chatraum oder einen Beitrag findet, der gegen Facebooks Richtlinien verstößt, soll diese über entsprechende Funktionen innerhalb der App melden. Facebook-Mitarbeiter würden solchen Meldungen nachgehen und die monierten Beiträge im Zweifel löschen.

Darüber hinaus kann man bei der Erstellung eines neuen Chatraums auch festlegen, dass alle Beiträge moderiert werden, also erst von einem Moderator freigegeben werden müssen, bevor sie für andere Nutzer sichtbar sind. Auch eine Klassifizierung für Erwachseneninhalte ist eingebaut. Eine Kontrolle erfolgt aber lediglich über die Abfrage, ob man denn wirklich schon 18 Jahre alt sei.

Facebook hält sich also weitgehend aus den Chaträumen raus. Eine gewisse automatisierte Kontrolle von Beiträgen gibt es dann aber doch. So würden beispielsweise hochgeladene Fotos automatisch darauf überprüft, ob sie womöglich Kinderpornografie enthalten, sagt Josh Miller. Zudem würden Texte automatisch nach bestimmten Zusammenhängen überprüft, wie etwa Kinder und Sex.

Eine Freude für Kaninchenfreunde

Ganz so anarchisch, wie es Chaträume in den frühen Jahren des Internet waren, sind Facebooks Rooms also nicht. Ohnehin hofft das Unternehmen auf ganz andere Kundschaft. Als er die App vorstellte, eröffnete Josh Miller einen Chatraum für Pferdeliebhaber, um zu demonstrieren, wie man das Erscheinungsbild und die Interaktionsmöglichkeiten der App steuern kann.

Ein Blick in das aktuelle Angebot zeigt allerdings, dass es tatsächlich reichlich ähnlich gelagerte Chaträume gibt. Beispielsweise einen mit dem Titel "Rabbit Lovers", also Kaninchenliebhaber. Erstellt von einem offenbar nicht allzu sehr um seine Anonymität besorgten howardmoon76 tauschen dort 162 Mitglieder Kaninchenfotos aus. Genau das ist die Kundschaft, auf die Facebook hofft. "Wir wollen nicht, dass sie sich mit Freunden treffen, wir wollen, dass sie sich mit Gleichgesinnten treffen", sagt Josh Miller.

Aktivistengruppen und politisch motivierte Chats, womöglich gar Menschen, die sich per Rooms austauschen, weil sie in ihrer Heimat politische Verfolgung fürchten, findet man bisher nicht. Aber das kann auch einfach daran liegen, dass man bisher einen Account beim amerikanischen oder britischen iTunes Store brauchte, um die App laden zu können.

Das Einrichten der anonymen Chaträume ist denkbar einfach. Einladungen verschickt der Moderator in Form von QR-Codes, die per Instagram, E-Mail oder über soziale Netzwerke verteilt werden können. Wer einen solchen Code bekommt, macht einfach einen Screenshot davon und öffnet diesen in der App, um dem Raum mit einem beliebigen Pseudonym beizutreten.

Eine Kontrolle, wer da alles mitliest, hat man freilich nicht.

mak
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