»Massiver Ranking-Fehler« im Newsfeed Facebook gab fragwürdigen Inhalten mehr Reichweite, statt sie auszubremsen

Ein Bug soll über Monate dafür gesorgt haben, dass manche Inhalte häufiger als gewollt in Facebooks Newsfeed auftauchten, berichtet ein US-Magazin. Ein Meta-Sprecher wiegelt ab.
Meta-Dienst Facebook: Noch immer eines der wichtigsten Netzwerke der Welt

Meta-Dienst Facebook: Noch immer eines der wichtigsten Netzwerke der Welt

Foto: IMAGO/STR / IMAGO/NurPhoto

Ein Software-Bug hatte offenbar über Monate Einfluss darauf, wie präsent fragwürdige Inhalte in Facebooks Newsfeed waren. Das schreibt »The Verge«  unter Berufung auf einen internen Facebook-Bericht. Eine Gruppe von Facebook-Ingenieuren ist demnach einem »massiven Ranking-Fehler« auf die Spur gekommen. Das Problem soll darin bestanden haben, dass manche fragwürdigen Beiträge, deren Verbreitung Facebook eigentlich einschränken wollte, nicht weniger, sondern mehr Views erhielten. Die Rede ist von einem Plus von bis zu 30 Prozent, ausgerechnet für Inhalte von Konten, die wiederholt als Verbreiter von Falschinformationen aufgefallen waren.

Die ersten Hinweise auf das Problem sollen die Ingenieure im Oktober entdeckt haben, schreibt »The Verge« mit Verweis auf den internen Bericht. Damals seien im Newsfeed plötzlich besonders viele Fehlinformationen aufgetaucht. Erst am 11. März sei das Problem endgültig gelöst worden.

»The Verge« zufolge wurden sowohl Beiträge, die externe Faktenprüfer als problematisch markiert hatten, nicht ordnungsgemäß herabgestuft, als auch Beiträge, bei denen der Verdacht bestand, sie enthielten Nacktheit oder Gewalt. Auch im Fall russischer Staatsmedien soll es bei der Zurückstufung von Inhalten Probleme gegeben haben. Auf Facebooks Möglichkeit, Inhalte ganz von seiner Plattform zu entfernen, soll der Fehler keine Auswirkungen gehabt haben.

Facebook nutzt das sogenannte Downranking fragwürdiger Inhalte als Möglichkeit, die Qualität seines Newsfeeds zu verbessern. Herabgestuft werden laut »The Verge« unter anderem Inhalte, die Facebook als grenzwertig, aber gerade noch mit seinen Regeln vereinbar ansieht, sogenannter »Borderline«-Content. Genauso aber Inhalte, die Facebooks KI-Tools als potenziell problematisch identifizieren und daher menschlichen Prüfern zur Begutachtung vorlegen. Eine recht allgemeine Übersicht dazu, welche Inhalte das Netzwerk herabstuft, hat Facebook hier veröffentlicht .

Wie schlimm war das Problem?

Welche Dimension und Folgen genau die Ranking-Störung hatte, ist bislang nicht einzuschätzen. Metas Sprecher Joe Osborne bestätigte »The Verge«, dass es einen Softwarefehler gab. Sein Unternehmen habe »bei fünf verschiedenen Gelegenheiten Unstimmigkeiten beim Downranking festgestellt«, so Osborne, »die mit kleinen, vorübergehenden Erhöhungen bei internen Metriken korrelierten«.

Auf Twitter betonte Osborne , der Bug habe »keine bedeutenden, langfristigen Auswirkungen« auf die problematischen Inhalte gehabt, die Nutzer zu sehen bekamen. Insgesamt sei nur eine »sehr kleine Anzahl« von Views problematischer Inhalte im Newsfeed jemals betroffen gewesen, »da die überwältigende Mehrheit der Beiträge« auf Facebook gar nicht herabgestuft würde.

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Der Tech-Journalist Charles Arthur gab sich mit diesem Statement nicht zufrieden. Er antwortete Osborne auf Twitter, dieser solle definieren, was er mit den Begriffen »bedeutend«, »langfristig« und »überwältigende Mehrheit« meint. Ebenso forderte er Meta auf, Daten rund um den Vorfall zu veröffentlichen oder sie Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen: »Damit ließe sich die Behauptung einer ›sehr kleinen Anzahl‹ prüfen.«

mbö
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