Datenskandal Facebook informiert die Betroffenen - gehören Sie dazu?

Etwa 310.000 Deutsche sollen vom Facebook-Datenskandal direkt betroffen sein: Wer genau, das will der Konzern jetzt aufklären. Von Montag an sollen entsprechende Hinweise im Newsfeed auftauchen.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Foto: Stephen Lam/ REUTERS

Geschätzt 87 Millionen Nutzer weltweit, etwa 2,7 Millionen Nutzer aus der EU, gut 310.000 Nutzer aus Deutschland: Das sind die aktuellen Zahlen zum Ausmaß des Facebook-Datenskandals. Der Entwickler der Psychotest-App "This is Your Digital Life" hatte dabei Informationen von Mitgliedern des Netzwerks und deren Freunden an die umstrittene Analysefirma Cambridge Analytica weitergereicht.

Ob Facebook-Nutzer betroffen sind oder nicht, werden sie an diesem Montag erfahren: Denn von heute an will das Unternehmen seine Ankündigung wahr machen, alle vom Datenskandal Betroffenen per Benachrichtigung zu informieren. Sie sollen einen Hinweis ganz oben im Newsfeed zu sehen bekommen, dass ihre Daten über die Test-App womöglich bei Cambridge Analytica gelandet sind.

So sieht der Hinweis aus, wenn man betroffen ist

So sieht der Hinweis aus, wenn man betroffen ist

Foto: Facebook

An dieser Stelle ein kleiner Leseraufruf: Wenn Sie zu den direkt Betroffenen zählen und von Facebook entsprechend informiert werden, melden Sie sich gern bei uns via spon.netzwelt@spiegel.de. Wir sind sehr daran interessiert, was Sie als direkt Betroffener über den Datenskandal denken - und ob Sie sich durch den Facebook-Hinweis ausreichend informiert fühlen. Bitte schreiben Sie in die Betreffzeile Ihrer E-Mail an uns "Leseraufruf Facebook".

Auch alle anderen Mitglieder bekommen einen Hinweis angezeigt

Neben den direkt Betroffenen will Facebook auch mit seinen mehr als zwei Milliarden anderen Nutzern Kontakt aufnehmen: Alle Mitglieder des Netzwerks sollen dieser Tage einen Link angezeigt bekommen, über den sie einsehen können, welche Apps sie auf Facebook benutzen und welche Informationen mit diesen Diensten geteilt wurden. Nutzer können dann allen oder bestimmten Apps die Erlaubnis für den Zugriff auf ihre Daten entziehen.

So sieht der Hinweis für nicht vom Datenskandal betroffene Nutzer aus

So sieht der Hinweis für nicht vom Datenskandal betroffene Nutzer aus

Foto: Facebook

Viele Nutzer dürften den Überblick verloren haben, welcher App sie - eventuell vor Jahren schon - Berechtigungen erteilt haben.

Wer will, kann die entsprechende Übersichtsseite auch jetzt schon aufrufen: In der Desktop-Version von Facebook lässt sie sich über das Menü "Einstellungen" erreichen. Dort klickt man auf "Apps und Webseiten". In der Android-App geht man auf den "Kontoeinstellungen" und dann auf "Apps", in der iOS-App ist der Punkt "Kontoeinstellungen" ein Unterpunkt von "Einstellungen".

Facebook suspendiert zwei Firmen

Facebook reagiert aber auch jenseits der Nutzerbenachrichtigungen weiter auf die Datenskandal-Debatte. Dieses Wochenende wurde bekannt, dass der Konzern zwei Firmen von seiner Plattform suspendiert hat, darunter den kanadischen Datenanalyse-Anbieter AggregateIQ. Bei ihm hatten die Befürworter des Brexits mehrere Millionen Pfund investiert.

Ein Facebook-Sprecher sagte am Wochenende, Auslöser für die vorläufige Suspendierung seien jüngste Berichte über Verbindungen zwischen AggregateIQ und der Muttergesellschaft von Cambridge Analytica, SGL.

Die zweite Firma, mit der sich Facebook nun eingehend beschäftigen will, heißt CubeYou. Einem Bericht von "CNBC" zufolge  gab das Unternehmen Nutzerdaten, die per Onlinebefragung erfasst wurden, an Vermarkter weiter. "Das sind ernste Behauptungen, und wir haben CubeYou von Facebook suspendiert, während wir sie untersuchen", zitiert "CNBC" einen Facebook-Sprecher. Man danke dem Sender dafür, dass dieser Facebook auf den Fall aufmerksam gemacht habe.

mbö/AP/dpa
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