Öffentliche Datenbank Telefonnummern von 419 Millionen Facebook-Nutzern im Netz entdeckt

Ein Sicherheitsforscher ist im Internet auf eine Datenbank mit Hunderten Millionen Telefonnummern von Facebook-Nutzern gestoßen: Sie war online für jeden zugänglich.

Hunderte Millionen Telefonnummern von Facebook-Nutzern waren online zugänglich
Richard Drew/ AP/ DPA

Hunderte Millionen Telefonnummern von Facebook-Nutzern waren online zugänglich


Nutzer ließen sich bei Facebook lange auch über die Eingabe einer Telefonnummer finden. Vergangenes Frühjahr dann wurde die Funktion abgeschaltet, nachdem Facebook eingeräumt hatte, dass sie zum Datenabgriff missbraucht wurde.

Aus der Welt ist das Thema damit aber nicht, das zeigt die Entdeckung eines Sicherheitsforschers: Er ist im Internet auf eine für jeden zugängliche Datenbank mit Einträgen zu Hunderten Millionen Facebook-Nutzern gestoßen. Nach Angaben des Magazins "TechCrunch", an das sich der Forscher wendete, enthielt sie die Telefonnummern von mehr als 419 Millionen Nutzern des sozialen Netzwerks.

Die Datenbank scheint durch den Missbrauch der Funktion zur Freunde-Suche per Telefonnummer zusammengestellt worden zu sein. Wer die Daten zu welchen Zwecken gesammelt und hochgeladen hat, ist bisher jedoch unklar. Mittlerweile soll die Datenbank nicht mehr im Netz stehen, heißt es.

Facebook erklärte am Mittwoch, es handele sich um alte Daten. Sie seien wohl gesammelt worden, bevor das Netzwerk vergangenes Jahr die Möglichkeit abschaltete, Bekannte mit Hilfe ihrer Telefonnummer zu finden. Facebook habe keine Hinweise darauf, dass Accounts gehackt worden seien.

Viele Nutzer aus den USA betroffen

Die Telefonnummern sind jeweils mit der Facebook-Identifikationsnummer verknüpft, mit der sich Profile unabhängig von Änderungen des Nutzernamens auffinden lassen. 133 Millionen der Telefonnummern aus der Datenbank stammen "TechCrunch" zufolge von Facebook-Nutzern aus den USA, 18 Millionen aus Großbritannien und mehr als 50 Millionen aus Vietnam.

In einigen Fällen seien auch Informationen zum Namen und Geschlecht der Nutzer enthalten gewesen, heißt es. Kriminelle könnten die Nummern aus der Datenbank zum Beispiel missbrauchen, um Passwörter für Facebook-Konten zurückzusetzen und die Profile zu kapern. Ebenso könnten die Nummern für Spam-Anrufe oder Phishing-Angriffe verwendet werden.

Die Telefonnummern waren bei Facebook selbst zwar nicht offen sichtbar, konnten aber unter Umständen über automatisierte Anfragen - über sogenanntes "Scraping" - in großem Stil abgerufen werden. Dies verstieß zwar prinzipiell gegen die Regeln des Netzwerks, war aber technisch möglich. Facebook hat auch bei seiner Fotoplattform Instagram mit dem Scraping öffentlich zugänglicher Profildaten zu kämpfen.

dpa/sop



insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
grumpy53 05.09.2019
1. und noch ein Leck und noch ein Leck
wie viele Datenlecks brauchen die Leute eigentlich noch um einzusehen, dass Datenschutz nicht wirklich funktioniert. Und dass dieses Ganze facebook-whatsap-twitter-Ding einfach nix mit sozialen Netzwerken zu tun hat, sondern einfach Mist ist. Täglich grüßt das Murmeltier in Sachen Daten abgegriffen und gehakt...
freiheit79 05.09.2019
2.
Zitat von grumpy53wie viele Datenlecks brauchen die Leute eigentlich noch um einzusehen, dass Datenschutz nicht wirklich funktioniert. Und dass dieses Ganze facebook-whatsap-twitter-Ding einfach nix mit sozialen Netzwerken zu tun hat, sondern einfach Mist ist. Täglich grüßt das Murmeltier in Sachen Daten abgegriffen und gehakt...
Das stimmt so nicht. Datenschutz kann gut funktionieren - wenn man wirklich Wert darauf legt und sich wirklich Gedanken über Datensicherheit macht und entsprechend investiert. Die großen US-Firmen tun dies nicht, es ist ihnen ziemlich egal, allen voran Facebook. Sie können sich diese Einstellung deswegen leisten, weil das keine Konsequenzen hat. Der Verbraucher regt sich zwar immer wieder auf, aber am Ende bleibt er wegen des Netzwerkeffekts bei Facebook & Co. Die einzige Lösung wäre ein rigoroses staatliches Vorgehen. Von den USA kann man das aber nicht erwarten...
mr.anderson 05.09.2019
3.
Und wieder zeigt sich, dass Daten, die nicht erfasst werden, auch nicht missbraucht werden können. Mr. Anderson
gersois 05.09.2019
4. Viel schlimmer
ist doch, dass es die Nutzer gar nicht interessiert! Es gibt in der jüngeren Generation kaum noch ein Bewusstsein für Privatsphäre und Datenschutz. Die Daten werden als normaler Preis dafür angesehen, diese Anwendungen nutzen zu dürfen. (Und wozu? Nur um sich mit Werbung zumüllen zu lassen?)
brigitte_nijs 05.09.2019
5. Wo ist das Problem?
Ich kann mit Leichtigkeit Telefonnnummern im Telefonbuch finden, oder auch beim Örtlichen bzw. Teleauskunt.
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